Andrea Jansen, mobile Moderatorin

Neulenker

Im Winter fallen sie besonders auf. Putschen mit vermatschten Rädern in die Trottoirkante, bleiben zwischen S-Bahn-Trittbrett und Perron im Gräbli hängen.

Sie wissen noch nicht, dass man im Tram mit Eltern, Krippenpraktikantinnen und Rollatorbesitzern Tetris spielen muss, bis der letzte Zentimeter des einzigen Niederflurwaggons ausgenutzt ist. Stattdessen stellen sie stolz ihren noch unversehrten Kinderwagen quer in den Eingang – Neulenker.

Bald vier Jahre ist es her, dass ich an meinem Wagen mit zitterndem Fuss die Bremse herunterklappte und mir den Schweiss von der Stirne wischte (unterwegs mit Babys schwitzt man immer – auch im klirrenden Februar). JA! Ich hatte es geschafft: 300 Meter von der Haustür ins Tram, und mein Sohn war AM LEBEN! Die Euphorie legte sich schnell. Nichts war wie vorher: überall fiese Treppchen, ein einziger Lift auf zehn Kinderwagenlenker. Die Stadt wurde zum unbekannten Terrain, das es zu erwägelen galt.

Heute flitze ich mit verbeultem Doppelwagen durch die Bahnhofstrasse. Routiniert, einhändig, mit einer Portion Hochmut. Der kommt vor dem Fall – ins S-Bahn-Gräbli. Immer wieder.

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Text: Andrea Jansen

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 01.02.2016, 17:01 Uhr

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