New York, New York!

Sie:  Einmal wöchentlich ist unser Mittagstisch grösser: Dann isst mit uns vieren stets noch eine Schulfreundin unserer Grösseren. Ich liebe dieses Gelage, das Geschwatze, Gelächter, Gekicher. Und Schneider fühlt sich wohl unter so vielen Mädels. Sehr wohl. Er ist der Hahn im Korb und kikkerikiiet kräftig, erst recht, wenn abgeräumt ist. Dann kommt sein Auftritt: «Also: Machen wir wieder Hauptstädteraten? Seid ihr bereit?» Unsere ältere Tochter und ihre Freundin nicken und fragen: «New York?»

 
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Jetzt nickt Schneider. Grossspurig hat er vor einigen Wochen verkündet, die beiden Mädels nach New York einzuladen, falls sie alle zwanzig Hauptstädte richtig erraten. «Hauptstadt von Paris?» «Papa, mach keinen Quatsch!», schimpfen die Mädchen. 

«

Das beunruhigt mich. Will er uns ruinieren?»

«Wollte nur wissen, ob ihr wach seid. Also, ich hoffe, heute klappts.» Die Mädchen johlen begeistert. Schneider erklärt noch einmal die Regeln: «Und denkt dran, ihr müsst einmal den Publikumsjoker nehmen. Parat? Hauptstadt von Norwegen?» «Oslo!» «Richtig. Nur noch 19 korrekte Antworten, und wir fliegen übern Teich. Achtung: Die Hauptstadt von Mamas Heimat?» «Berlin!» Schneiders kinderleichte Fragen beunruhigen mich – will er uns wirklich ruinieren?

Er: Ich liebe Kopfrechnen. Könnte meinen Mädchen stundenlang Rechnungen stellen. Nur weigern sie sich, mir zu antworten. Immerhin: Hauptstädte mö-gen sie besser. Und da Wissen Kapital ist, ist mir auch diese Investition recht. Hauptsache, die Mädchen strengen ihre Gehirnzellen an und unser gemeinsames Mittagessen erhält das Prädikat «pädagogisch wertvoll».

«

Auf sie ist Verlass. Sie enttäuscht mich nie!»

Schreiber sagt zwar, die Mädchen würden nur mitmachen, weil ich einen absolut übertriebenen Hauptgewinn anbieten würde. Für die in Aussicht gestellte Reise nach New York würde auch sie alle Hauptstädte der Welt auswendig lernen. Aber zum Glück macht sie das nicht, denn sie ist jeweils meine Rettung. Schreiber ist der Publikumsjoker, auf den Verlass ist. Mittlerweile wissen die Mädels nämlich schon sehr viele Hauptstädte: Bosnien, Malta, Nordirland – alles kein Problem. Und erreichen wir dann 17 oder 18 richtige Antworten, muss ich den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Slowakei? Moldawien? Mazedonien? Das ist der Moment, wenn die Mädchen den Publikumsjoker ziehen müssen. Also Schreiber. Auf sie kann ich stets zählen, um mein Kapital zu schonen, denn sie enttäuscht mich nie – und errät einfach keine Hauptstadt richtig.

Das Buch mit den besten Coop-Kolumnen der letzten Jahre, «Spesen einer Ehe», bei www.schreiber-schneider.ch erhältlich.

 (Coopzeitung Nr. 21/2015) 

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 18.05.2015, 16:38 Uhr

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