Immer und überall ein gern gesehener und viel fotografierter Star: Nicole Kidman an den Filmfestspielen Cannes 2017.

Nicole Kidman: «Ich weiss, dass ich privilegiert bin»

Hollywood-Stars bekommt man nicht so einfach vors Mikrofon. Gleich drei Anläufe benötigte die Coopzeitung für ein Interview mit der Australierin Nicole Kidman (50). Darin verrät sie uns unter anderem, warum sie bei DVDs regelmässig einschläft.

Jahrelang ist die rotblonde Schönheit aus Australien vor allem als «Mrs. Tom Cruise» bekannt. Obwohl die Schauspielerin schon in zahlreichen Filmen ihr Talent unter Beweis gestellt hat. Nach der Scheidung gelingt ihr endlich der Sprung in die oberste Liga Hollywoods. Ihre Ausdrucksstärke bringt ihr 2003 den Oscar als «Beste Hauptdarstellerin» im Film «The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit» ein.

Sie sind Oscargewinnerin, Stilikone und eine der schönsten Frauen des Filmgeschäfts. Als Mädchen sollen Sie sich aber als hässliches Entlein gefühlt haben. Stimmt es, dass man Sie wegen Ihrer Grösse «Bohnenstange» genannt hat?
Ja, das stimmt! Als kleines Mädchen habe ich schon sehr mit mir gekämpft! Ich habe oft in den Spiegel geschaut und gedacht, wer ist die, die mich da anschaut? Es gibt nun mal viele Emotionen, die beim Erwachsenwerden eine Rolle spielen. Dazu gehört auch Ablehnung. Meine Mutter hat immer gesagt: «Das formt den Charakter!»

Mögen Sie den Glamour Ihres Berufs?
Ganz ehrlich? Es ist nicht so glamourös,  wie es von aussen aussieht. Ja, einen Abend lang gehst du herum in deinem schönen Kleid. Aber sogar in der Nacht, in der ich einen Oscar gewann, kam ich zurück in mein Hotelzimmer – und war allein! Dann ertappst du dich dabei zu überlegen: «Wen könnte ich jetzt anrufen?» Es sind solche Extremzustände.

Ihren Oscar gewannen Sie 2003, gut ein Jahr nach der Scheidung von Tom Cruise. Sie waren Single.
Es war seltsam. In der einen Sekunde bist du noch umringt von Leuten, dann gehst du in dein Zimmer, machst den Reissverschluss auf und steigst aus dem Kleid – und kommst dir vor wie Cinderella, die nur auf einem wunderbaren Ball war. Daher arbeite ich daran, diese Glamour-Momente zu geniessen, aber die grösste Freude macht es mir, einfach vor der Kamera zu stehen und jemanden zum Leben zu erwecken. Und für mich wird das immer wichtiger!

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Meine Kinder schauen meine Filme gar nicht.»

Geht ein grosser Hollywood-Star wie Sie auch selbst noch ins Kino? Oder muss bei Ihnen zu Hause der DVD-Player herhalten?
Bei DVDs schlafe ich ein! Ich liebe es, mit anderen Leuten im Kino zu sitzen. Das gehört für mich zur Kunstform Film! Das macht jeden Film lebendiger, wenn andere lachen, wird eine Stelle eben noch lustiger.

Mit Ihrem Mann Keith Urban leben Sie in dessen Heimat Nashville. Wie reagiert man dort, wenn Sie mit der Familie irgendwo auftauchen?
Den meisten ist das egal. Die Leute gucken dich kurz an, aber ehrlich, es macht niemand einen Riesenaufstand. Es kommt auch drauf an, wie du’s selbst angehst. Wenn du Beachtung erzeugen willst, brauchst du nur 20 Bodyguards, die schreien: «Aus dem Weg!»

Sie scheinen dem Ruhm recht gleichgültig gegenüberzustehen.
Wenn man jünger ist, ist das vielleicht noch sehr spannend. Aber mit zunehmendem Alter sieht man auch das viel differenzierter. Ich weiss, dass ich privilegiert bin, weil ich die Möglichkeit habe, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen – diese Freiheit wächst mit dem Bekanntheitsgrad! Mein Privatleben dagegen ist unaufgeregt, solide, friedlich. Das ist auch der Grund, warum ich in Nashville, Tennessee, lebe.

Begleitet Ihre Familie Sie an Ihre Drehorte?
Nach Möglichkeit. Als ich an der Côte d’Azur mal «Grace of Monaco» gedreht habe, habe ich es genossen, meinen Mädchen etwas vom französischen Savoir-vivre mitzugeben. Ich liebe Frankreich und habe auch seit Jahren privaten Französischunterricht. Keith war auch oft dabei, und meine Mutter und meine Tante passten auf Sunday und Faith auf.

Fällt es Ihnen schwer, abends wieder zum Mami zu werden, nachdem Sie tagsüber eine Fürstin, eine Kriegsreporterin oder einen Vamp gespielt haben?
Um ehrlich zu sein, ist das sogar ein Segen. Es gibt mir Halt und Ausgleich, wenn ich ihnen nach dem Dreh zum hundertsten Mal ihr Lieblingsbuch vorlese.


Nicole Kidman feiert mit Ehemann Keith Urban, dem US-Country-Star, an der  Emmy-Preis-Verleihung 2017 in Los Angeles ihren Preis für «Big Little Lies».

Welchen Ihrer Filme haben Sie Ihren Kindern als Erstes gezeigt?
Meine Kinder schauen meine Filme gar nicht. Ich halte unsere Familie von meinem Arbeitsleben getrennt. Manchmal drehe ich etwas für sie, dann dürfen sie auch mal direkt mit ans Set, wie bei «Paddington». Aber sie haben wenig Einsicht in das, was mein Mann und ich beruflich tun. Ihr Leben ist ihnen viel wichtiger! Ich weiss noch, dass eines der Kinder nach «Paddington» ziemlich sauer war, weil ich ja dort den Bösewicht gab.

Welcher Film war der erste, den Sie einst als Kind mit Ihrer Familie gesehen haben?
Meine Eltern haben mich ins Theater mitgenommen. Kino kam erst in der Teenager-Zeit. Ich weiss noch genau, wie ich in Australien mal die Schule geschwänzt habe und «Clockwork Orange» im Kino sah: Ich sass mit etwa drei anderen Menschen im riesigen Kinosaal und dachte nur «Wooow»! Ab dann habe ich Filme nur noch so aufgesogen. Ich liebe es heute noch, in diesem dunklen Raum zu sitzen und mich davontragen zu lassen. Dem bin ich noch immer mit Haut und Haaren verschrieben. Selbst in meinem Alter habe ich noch so viel Leidenschaft fürs Kino, dafür verlasse ich gerne meine Komfortzone und überschreite meine eigenen Grenzen.

Familie, Freunde, Treue – sind das die Dinge, die mit der Zeit immer wertvoller für Sie werden?
Ich bin jetzt so weit, dass Zeit für mich immer kostbarer wird! (Lacht.) Wenn man 20 ist, glaubt man, noch alle Zeit der Welt zu haben. Mit 40 realisierst du dann, dass Zeit das Einzige ist, was du nicht kaufen oder auffüllen kannst. Du bist dann einfach sehr viel dankbarer und geniesst das Hier und Jetzt. Ich bin so dankbar, gesund zu sein. Ich mag ganz simple Dinge wie im Meer zu schwimmen, den Moment des Schocks, wenn man ins kalte Meer springt – da fühle ich mich besonders lebendig! Und ich liebe die Momente, in denen ich allein bin. Ich kann das sehr gut haben. Und schaue dann mit ganz viel Ruhe in mich hinein.

Letzten Juni haben Sie Ihren 50. Geburtstag gefeiert. Was ging an dem Tag in Ihnen vor?
Ich bin an einem Lebensabschnitt angelangt, in dem ich neue Dinge ausprobieren und Filmemacher unterstützen möchte, an die ich glaube. Ich stehe also an einem Punkt, an dem ich so tue, als wäre ich 21 und meine Karriere würde gerade erst beginnen. 

Bekommen Sie gleichbleibend viele Angebote?
Ich hatte noch nie so viel zu tun wie heute. Das kommt auch daher, dass ich Filme drehe, die extra fürs kleine Format, also TV gedacht sind, und auch Filme für die grosse Leinwand. Ich bin dankbar, dass ich so viele Optionen habe. Wir brauchen Geschichten. Die Welt verändert sich und wir müssen uns mit ihr verändern.

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