Reise-Abenteuer: Nina Brunner folgt auf 3sat den Spuren des Odysseus.

Nina Mavis Brunner: «Odysseus berührt alle Lebensthemen»


Das TV-Publikum kennt sie vor allem vom SRF-«Kulturplatz». Nun nimmt sie uns zur besten Sendezeit mit auf eine abenteuerliche Reise.

Was aussieht wie eine gradlinig geplante Bilderbuchkarriere, ist das Ergebnis von ausgeprägter Neugier, viel Fleiss und einer Portion Zufall. Als Video-Journalistin und Moderatorin ist Nina Brunner (34) immer auf der Suche nach neuen Ideen. Nun folgt sie mit dem «Reisegeschichten»-Team den Spuren des griechischen Helden Odysseus (vom 16. bis 18. Dezember jeweils ab 20.15 Uhr auf 3sat).

 
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Im ganzen Mittelmeerraum irren derzeit viele Menschen umher, wie Odysseus im antiken Epos von Homer. Ist das nicht ein brisantes Thema für eine Reisesendung?
Brisante Themen gehören genauso zur Realität wie schöne Sonnenuntergänge am Strand. Wer derzeit im Mittelmeerraum unterwegs ist, wird direkt oder indirekt mit dem Flüchtlingsthema konfrontiert. Dass wir nicht weg-, sondern hinschauen, ist Konzept unserer Filmreihe, die aber auch vom Schönen und Lustigen erzählt. Natürlich hatte ich zwiespältige Gefühle, als wir während der Produktion bequem und sicher mit dem Flugzeug von Djerba nach Malta über das Meer flogen, auf dem sich das Flüchtlingsdrama täglich wiederholt. Genau das thematisieren wir auch. Am Ende muss jeder seinen persönlichen Umgang finden mit diesen Widersprüchen unserer Zeit.

Was ist denn die Idee hinter dieser Serie?
Wir suchten nach einem neuen Ansatz für das Thema Reisen. Daraus entstand die Idee, alte Routen neu zu entdecken. Homers Odyssee hat dafür ein riesiges Potenzial – das Epos berührt alle grossen Lebensthemen der Menschen: Heimat, Liebe, Glück, Tod, Eifersucht, Freundschaft, Krieg … So ergaben sich immer spannende Anknüpfungspunkte zu den Biografien der Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind und die wir mit der Kamera begleitet haben.

Erinnerung an ihre Mutter und Talisman.

Erinnerung an ihre Mutter und Talisman.
Erinnerung an ihre Mutter und Talisman.

Wenn man Ihren beruflichen Werdegang anschaut, scheint der absolut nichts von einer Irrfahrt zu haben …
Das täuscht! Das Interesse am bewegten Bild war zwar immer schon da: Schon als Kind durfte ich die Videokamera der Eltern benutzen. Als ich dann in Zürich Ethnologie und Filmwissenschaft studierte, ging ich zunächst nur für ein Praktikum im Bereich TV-Journalismus nach Berlin. Später war ich bei einem privaten TV-Sender und musste spontan für den erkrankten Nachrichtensprecher einspringen. Seitdem habe ich regelmässig moderiert sowie als Video-Journalistin gearbeitet. Über weitere Stationen kam ich als Redakteurin zu 3sat, wo ich eine Blindbewerbung abgegeben hatte. Daher bin ich die denkbar schlechteste Anlaufstelle für Praktikanten, die wissen wollen, wie man TV-Moderatorin wird. 

Eine Ihrer früheren Sendungen hiess «Tonspur» – welche Rolle spielt die Musik in Ihrem Leben?
Eine ganz wichtige. Auch wenn ich heute kaum mehr selber Musik mache. Mein Vater spielte Orgel und Klavier, die Mutter Gitarre, der eine Bruder Geige und Schlagzeug, der andere Saxofon. Also eine richtige kleine Hausmusik. Ab fünf hatte ich Klavierunterricht, konnte aber lange gar keine Noten lesen, ohne dass es die Lehrer merkten. Ich spielte nur nach Gehör. Unter dem Einfluss des älteren Bruders habe ich in den 1990er-Jahren – die Grunge-Zeit – mein Taschengeld in den Plattenladen getragen, den es erstaunlicherweise bei uns in Schänis gab. Trotzdem hat das Geschäft nicht lange überlebt. Mit dem Bruder spielte ich später noch in einer Band.

Trümpi – ideal für die Musik unterwegs.

Trümpi – ideal für die Musik unterwegs.
Trümpi – ideal für die Musik unterwegs.

Hätte Ihre Karriere also auch musikalisch weitergehen können?
Eher nicht. So etwas konnte ich mir in dem Alter nicht recht vorstellen. Es gab bei mir auch später keine eigentliche Karriereplanung. In diesem Beruf, in dem viel von Zufällen abhängt, muss man wachsam sein und zugreifen, wenn etwas angeschwommen kommt. Seitdem ich eine Tochter habe, sehe ich das zwar etwas weniger sorglos. Doch inzwischen habe ich ein gewisses Vertrauen in mein Bauchgefühl entwickelt. Ich weiss, was ich einigermassen gut kann und was – noch – nicht.

Sie und Ihr Partner sind berufstätig – wie halten Sie es mit der Hausarbeit?
Thomas kocht extrem gut und ich esse extrem gern – es passt also perfekt, auch in der Küche. Wir putzen beide, bringen beide den Müll runter. Kommt es dann doch mal zu Diskussionen, läuft das bei uns sehr fair, wir krachen nicht gleich zusammen. Wenn die Kleine nachts aufwacht, bin meist ich dran, am Morgen wechseln wir uns mit dem Aufstehen ab. Heute war er dran.

Und was kocht er am besten?
Mit der Tochter wurden wir zu rechten Stubenhockern und mussten den Pasta-Konsum auf Sonntag einschränken. Dann gibt es Spaghetti carbonara: Die macht er wirklich extrem gut, und Nica fährt auch schon darauf ab.

Vier Daten im Leben von Nina Mavis Brunner

1993 Sie ist gerade einmal 12, als ihre Mutter an Krebs stirbt.
2002 Erste Rucksacktour auf eigene Faust. Das Ziel: südliches Afrika.
2014 Am letzten Tag des Jahres kommt ihre Tochter Nica Ewa zur Welt.
2017 Ein Fixpunkt in der Agenda: das Festival «Alpentöne» in Altdorf. 

Mehr über Nina Brunner und die 3sat-Reisegeschichten »

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
SRF/Valentina Glorioso, zVg
Veröffentlicht:
Montag 07.12.2015, 15:59 Uhr

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