Oben ohne

http://www.coopzeitung.ch/Oben+ohne Oben ohne

Schreiber: Der feuchtkalte Nebel umklammert uns. Schon seit Tagen. Kein bisschen hell am Himmel, keine Lücke mit Blau, alles müde. Ich koche zu Mittag eine deftige Hühnersuppe, damit wir wenigstens von innen gewärmt werden. Als Schneider von draussen reinkommt, höre ich ihn im Gang schnuppern und rufen: «Hmmm, das duftet!» Dann taucht er neben mir auf, nimmt sich den Suppenlöffel und beugt sich über den dampfenden Topf.

«Äh, du hast deine Mütze noch auf.»

«Klar», lacht er, «ist ja saukalt draussen.»

«Aber jetzt bist du drinnen.»

«Na und? Die ersetzt meine Haare.»

«

Ich liebe meinen Schlumpf. Egal, wie er aussieht.»

Abends beim Abendessen: Endlich zu viert, alle am Schwatzen und Lachen. Wie ich sie liebe, diese Augenblicke mit unseren Töchtern. Schneider wohl auch, er strahlt, wobei sein Gesicht kaum zu sehen ist, denn er trägt noch immer seine Mütze.

«Willst du die nicht mal ausziehen? So eine Kopfhaut möchte doch auch mal atmen.»

«Papa sieht gemütlich aus», finden die Kinder.

Abends im Bett. Schneider und ich lesen, im Gang schnurren die Kater; wenn es kalt wird, bleiben sie im Haus. Ich drehe mich zu meinem Liebsten, er hat sich hinter einem Buch versteckt, trägt Lesebrille und ... Mütze. «Ach, mein Schlumpf! Ich liebe dich, egal, wie du aussiehst.»

http://www.coopzeitung.ch/Oben+ohne Oben ohne

Schneider: Es gab eine Zeit, da lachte ich über Schreiber, wenn sie sich mit Schals, dicken Socken und einem wolligen Nierengurt gegen den Winter wappnete. Anders gesagt: Wenn sie so angezogen ins Bett ging, wie ich in den Schnee. Heute verstehe ich sie besser. Ich brauche Kopfschutz. Gegen kalten Luftzug, gegen Januarkoller. Ist mein persönlicher Seelentröster geworden. Mit Mütze gehts mir besser. Schreiber aber macht dauernd Sprüche, zupft an meiner Kopfbedeckung rum, sagt, ich solle sie nicht so weit ins Gesicht ziehen, hinten besser drappieren und so weiter. Und nun nennt sie mich auch noch Schlumpf. Nicht unbedingt das, wie man im Bett von seiner Frau angesprochen werden will.

Ich lege das Buch beiseite.

«Erinnerst du dich noch an unsere Mädchen, als sie klein waren?»

«Ja klar.»

«Weisst du auch, wie du sie bereits ab Oktober panisch mit Mützen eingedeckt hast, weil ihr Babyhaar noch schütter war.»

«Gott, waren die süss.»

«

Obenrum verliert man Wärme. Darum die Mütze.»

«Jetzt erinnere dich mal an ihren Kopf und schau meinen an ...»

«Gott, wie süss.»

«Nein! Obenrum verliert man Wärme! Drum lass mir meine Mütze. Und bitte nenn mich nicht mehr Schlumpf!»

«Gut. Ist dir Wichtel lieber? Oder Troll?»

Alles klar. Schlaf ich eben oben ohne.

 (Coopzeitung Nr. 02/2017) 

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 09.01.2017, 16:00 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Caseywah antwortet vor 2 Wochen
Ein Mann ist ein Mann
wh0cd932539 [url=http://viagra ... 
Vreni Zimmerli antwortet vor 2 Wochen
La La La …
Danke Herr Schneider und sorry ... 
Caseywah antwortet vor 2 Wochen
Die Blumendecke
wh0cd26728 [url=http://viagrao ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?