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Silvan Grütter
schreibt am 12.12.2017


Ode an den Kaffee

Ich hatte schon ein paar Lieben im Leben, sie kamen und gingen, eine blieb für immer: mal schwarz, mal hell, mal süss, mal bitter, am liebsten stark und immer gleich schon nach dem Aufwachen.

Ich weiss nicht mehr, wann ich meinen ersten Kaffee getrunken hatte. Wahrscheinlich ganz unkorrekt in frühester Jugend, nachdem ich dem Vater die Zigarette anzünden und einen zaghaften Zug nehmen durfte. Heute ein Fall für die Kesb, damals gang und gäbe.

Danke auf jeden Fall für diesen ersten Kaffee, und danke an dieser Stelle auch dem äthiopischen Hirten, dem im 16. Jahrhundert als Erstem aufgefallen war, dass Ziegen, die von bestimmten Früchten gekostet hatten, bis in die Nacht hinein putzmunter blieben.

Was wäre unsere Welt ohne Kaffee? Farb- und mutlos, müde und fad. Musikstücke wären nie geschrieben, Romane nicht vollendet und Bilder nie auf die Leinwand gebracht worden. Liebende hätten sich nie zum ersten Kaffee verabreden können, Streitende nicht die halbe Nacht durchzoffen und sich dann wieder versöhnen können.

Ein regelmässiger Konsument von Koffein, der weltweit am meisten eingenommenen psychoaktiven Substanz, ist auch mein geschätzter Redaktionskollege Stefan Fehlmann. Für unsere Titelgeschichte traf er einen Hohepriester der Zunft, einen mehrfach ausgezeichneten Kaffeemeister. Der servierte Fehlmann zu dessen Entsetzen keinen Latte macchiato oder Espresso – sondern einen gemeinen Filterkaffee. Fehlmanns Urteil: «Der beste Kaffee, den ich jemals getrunken habe.»

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