1 von 4


Helen Masasi kocht Reis und Tomaten auf dem energieeffizienten Ofen.

Kartoffeln sind teuer, sie werden selten vor Ort konsumiert, sondern verkauft. Die Massai kochen vor allem Mais zu einem Ugali-Brei.

Junge Männer und Frauen hüten bei den Massai die Kühe.

Drei Stunden pro Tag müssen die Massai-Frauen für die Holzsuche aufwenden.

Öfen in Kenia – eine gute Sache?!

«Der CO2-Ausstoss wird kompensiert.» Klingt gut in einem Geschäftsbericht. Doch was heisst das genau? Wir haben ein Projekt von Coop im ostafrikanischen Kenia besucht.

Helen Masasi kauert an ihrem Ofen und rührt in einem Topf mit Reis und Tomaten. Reis gibt es hier, im kleinen kenianischen Massai-Dorf Inkorienito, rund 100 Kilometer nordwestlich von Nairobi, nur zu speziellen Anlässen. Er ist ein Luxus-Lebensmittel. Normalerweise bildet Ugali die Grundlage jeden Essens, ein günstiger Getreidebrei aus Maismehl. Aber heute ist ein besonderer Tag. Es ist Besuch im Dorf. Die Kinder haben sich vor Helens Hütte versammelt. Und Helen kocht draussen, vor der Hütte, und erst noch auf einem energieeffizienten Ofen, der so gar nichts gemein hat mit der massiven Kochstelle in der Hütte: Er hat etwa die Grösse eines Schemels, wiegt nur vier Kilogramm und ist mobil einsetzbar.

Subventionierte Öfen

Helens Ofen ist Teil eines CO2-Kompensationsprojekts, das Coop in Zusammenarbeit mit dem WWF vor vier Jahren im Westen Kenias lanciert hat. Insgesamt wurden dafür bisher 4000 Öfen zum subventionierten Stückpreis von drei Franken an Massai-Familien abgegeben – der tatsächliche Preis eines Ofens liegt bei rund 30 Franken. Die Differenz von 27 Franken pro Ofen bezahlt Coop und erwirbt sich damit Zertifikate, um eigene CO2-Emissionen zu kompensieren. «Wir wollen, dass die Leute zumindest einen symbolischen Preis bezahlen. So verhindern wir, dass die Öfen weiterverkauft oder in ihre Bestandteile zerlegt werden», erklärt Alasdair Keith, einer der Projektverantwortlichen vor Ort.

Keith arbeitet für den Rosenproduzenten Oserian. Das Unternehmen ist der grösste Rosenproduzent Kenias und der grösste Arbeitgeber der Region. Auf seinen Plantagen arbeiten 5500 Angestellte, die für den Lebensunterhalt von 15 000 Menschen aufkommen. Oserian liefert seine Rosen auch an Coop und übernimmt im Projekt die Logistik. Es bringt die Öfen unter die Leute. «Diese Öfen sind unser Beitrag an die Gesellschaft. Wir verpflichten uns, die Öfen bei Bedarf zu reparieren und sie nach Ablauf ihrer Lebensdauer zu entsorgen», erklärt der Ingenieur. Im Vergleich zu herkömmlichen, offenen Feuerstellen spart jeder Ofen bis zu sechs Tonnen CO2 pro Jahr. Coop kann damit Emissionszertifikate für die Kompensation von etwa 20 000 Tonnen CO2 pro Jahr beziehen, die der sogenannten «Gold Standard»-Zertifizierung entsprechen (siehe Box auf Seite 21). «Wir haben uns für die Unterstützung dieses Projekts entschieden», erklärt Raphael Schilling, Projektleiter Nachhaltigkeit bei Coop, «weil es sowohl für die lokale Bevölkerung den grössten Nutzen bringt als auch die natürlichen Ressourcen schont.» 

«

Jetzt reicht es, wenn ich zweimal pro Woche Holz sammle. »

Helen Masasi (29), Kuhhirtin und Händlerin

Weniger Rauch

Inzwischen köchelt Helens Gericht vor sich hin. In regelmässigen Abständen legt die 29-Jährige kleine Äste nach, um das Feuer zu unterhalten. Der Ofen verbraucht rund 60 Prozent weniger Holz, als wenn Helen auf offenem Feuer kochen würde. «Bevor wir diesen Ofen hatten, musste ich jeden Tag drei Stunden nach Brennholz suchen, das war lang und mühselig. Jetzt reicht es, wenn ich zweimal pro Woche gehe», erklärt Helen. Sie arbeitet als Hirtin einer Kuhherde. Zusätzlich verdient sie etwas Geld mit Handel. Sie kauft den Bauern ihre Kartoffelernte ab und verkauft diese dann auf dem Markt. Weil sie nun weniger Zeit fürs Holzsammeln braucht, kann sie mehr Geld mit Handel und Kühehüten verdienen. Auch gesundheitlich sind die neuen Öfen ein Segen für die Menschen. Die traditionellen Hütten der Massai bestehen aus einem einzigen Raum ohne Fenster. Drinnen ist es düster und der Rauch des offenen Feuers brennt in den Augen. Weil Helen dank des neuen Ofens nicht mehr jede Mahlzeit im Haus drinnen zubereiten muss, hat sich die Situation mit dem Rauch stark verbessert. Die Atem- und Augenprobleme der Familie haben abgenommen. Kommt hinzu, dass die neuen Öfen, weil sie deutlich weniger Holz verbrauchen, auch der Natur nutzen: Weniger Holzverbrauch bedeutet nicht nur weniger CO2-Ausstoss, sondern auch weniger Abholzung. Davon profitiert das fragile Ökosystem der gesamten halb-trockenen Region des Naivasha-Sees, dem grössten Süsswassersee Kenias.

Eine Frage des Geldes

http://www.coopzeitung.ch/Oefen+_+eine+gute+Sache Öfen – eine gute Sache

Auch Helens Nachbarin Rhoda besitzt einen Ofen. Bei ihr steht er im Haus drin und ist fest eingemauert. Rhoda erklärt: «Ich habe rund um den Ofen eine Steinmauer gebaut, damit der Ofen nicht kippen und meine Kinder verletzen kann. Das ist sicherer.» Bekommen hat sie den Vorführofen von ihrem Arbeitgeber Oserian, und zwar gratis. Ein Glücksfall für die 34-Jährige, sie könnte sich den Ofen gar nicht leisten, denn die Beschäftigung ist ihr nie garantiert. Rhoda stellt zu Hause Rosenbänder her, mit Perlen verzierte Bänder zum Zusammenbinden der Rosen. In diesem Monat konnte sie zum Beispiel nichts
verdienen, weil der Lastwagen mit der Materiallieferung für die Bänder nicht gekommen ist. Das von Coop und WWF initiierte CO2-Kompensationsprojekt steht nach 2015 auch anderen Partnern offen, der Bedarf an energieeffizienten Öfen ist auch in anderen Gegenden Kenias vorhanden. «Andere Massai haben von diesem Projekt gehört und möchten nun auch solche Öfen», freut sich der Oserian-Verantwortliche Alasdair Keith. Coop und der WWF prüfen, wie das weitere Engagement von Coop in diesem Projekt aussieht.

Liebe Coopzeitung-Leser

Vielen Dank für euer reges Interesse an diesen speziellen Öfen. Die im Artikel erwähnten Holzöfen stammen von der Firma «Envirofit» und werden ausschliesslich in Nairobi (und den USA) hergestellt. Speziell für die Coop Projekte wird das Modell «M-5000» eingesetzt.

Die Firma «Envirofit» gibt es in Amerika, Asien und Afrika, nicht aber in Europa.

Mehr Informationen dazu finden Sie unter: www.envirofit.org

Freundliche Grüsse
Coopzeitung

Das ist der Vorteil

Wenn Coop den CO2-Ausstoss kompensiert, muss das über sogenannte Gold-Standard-Projekte passieren. Der «Gold Standard» ist sozusagen die Champions League der CO2-Kompensation. Um das Label zu erhalten, das von über 60 Nicht-Regierungs-Organisationen getragen wird, müssen strengere Bedingungen erfüllt sein als für gewöhnliche Kompensationsprojekte:

  • Das Projekt trägt zu zusätzlichen CO2-Reduktionen bei.
  • Das Projekt involviert und beteiligt die lokale Bevölkerung.
  • Das Projekt trägt zum Aufbau von Know-how mit einfachen Technologien bei.
  • Das Projekt nimmt Rücksicht auf die Natur und trägt zur Biodiversität bei.

Eine unabhängige Studie hat über 100 Klimaprojekte untersucht und kommt zum Schluss, dass solche Projekte neun Mal mehr Nutzen generieren, als der reine Zertifikatwert kostet. Zum Beispiel ein Projekt in China: Mit 1600 energieeffizienten Öfen generiert es durch die CO2-Reduktion Emissionszertifikate im Wert von 160 000 Franken pro Jahr. Darüber hinaus ergeben sich Mehrwerte von mehr als einer Million Franken:

  • Der ökonomische Wert des von der Abholzung verschonten Gebietes: 350 000 Franken
  • Der volkswirtschaftliche Wert der durch die geringere Rauchbelastung
    verhinderten Todesfälle: 325 000 Franken
  • Der wirtschaftliche Mehrwert der durch die Holzsuche eingesparten Zeit: 600 000 Franken.

Coop machts konsequent

CO2-Vision Coop ist Mitglied der Gruppe «WWF Climate Savers» und macht Ernst mit dem Klimaschutz: Das Unternehmen will bis 2023 beim eigenen CO2-Ausstoss CO2-neutral werden.

Der eigene CO2-Ausstoss umfasst alle CO2-Emissionen, die Coop als Unternehmen direkt verursacht, zum Beispiel durch Lastwagentransporte, Stromverbrauch und Heizungen. Klimaneutral werden will Coop durch die Verbesserung der Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energieträger. CO2-Emissionen, die nicht zu vermeiden sind, wird Coop nach 2023 kompensieren. Unabhängig davon kompensiert Coop seit 2007 CO2-Emissionen, die durch den Transport von Produkten per Flugzeug, Geschäftsreisen und die Lieferungen von Coop@home entstehen.

Hierfür entwickelt Coop in Zusammenarbeit mit dem WWF Projekte auf verschiedenen Kontinenten. Unter anderem wurden 1600 energieeffiziente Öfen an die Bevölkerung jener Region Chinas verteilt, in der die vom Aussterben bedrohten Grossen Pandas leben. So kann in der Gegend die Abholzung gebremst oder gar gestoppt werden. Seit drei Jahren verfolgt Coop den Ansatz, dass alle Kompensationsprojekte in der eigenen Wertschöpfungskette entwickelt werden. Das heisst, in den Genuss der Projekte kommen Menschen, die für Coop arbeiten und Dinge produzieren, die bei Coop verkauft werden. Mit dem Projekt in Kenia unterstützt man so das Herkunftsgebiet der Fairtrade-Rosen, in Indien werden Bio-Gasanlagen für die Produzenten des Fairtraide-Bio-Basmatireises gebaut, und in Tansania ist man daran, ein Ofen-Projekt mit den Bauern aufzubauen, die Bio-Baumwolle für Naturaline produzieren.

Mehr zum Thema Kompensation con CO2-Emissionen finden Sie hier
Das PDF-Dossier zum Thema Energie und Klimaschutz zum downloaden finden Sie hier
 
01
von
 

 

Kommentare (27)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Text: Mélanie Haab

Foto:
Charly Rappo
Veröffentlicht:
Montag 19.01.2015, 16:00 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?