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Silvan Grütter
schreibt am 26.09.2017


Offenbarung beim Papst

Es ist wohl das urschweizerischste aller Schweizer Nationalgerichte: das Fondue.

Vor langer Zeit aus Bescheidenheit und Brüderlichkeit geboren: ein Stück übrig gebliebener Käse, über dem Feuer geschmolzen, das Brot gebrochen, die Käsesuppe aus einem Caquelon genossen – gemeinsam mit Freunden oder Fremden.

Dieses gemeinsame Mahl aus einem Topf hat sogar schon Kriege verhindert: 1529 setzten sich die verfeindeten Innerschweizer und Zürcher an einen Tisch und löffelten die Suppe – damals eine Milchsuppe – gemeinsam aus. Und statt Blutvergiessen gab es Frieden.

Für unsere Titelgeschichte besuchte Coopzeitung-Redaktor Andreas Eugster keinen Geringeren als den Schweizer Fondue-Papst Raoul Colliard. Der Fribourger Bauer und Restaurantbetreiber verrührt in seiner Beiz rund zwölf Tonnen Käse pro Jahr. Sein Geheimnis: Liebe, Luft – und seine silberne Gabel. Für Eugster war die Audienz beim Käse-Papst eine Offenbarung: «Schlicht und einfach das beste Fondue, das ich je gegessen habe», so sein Fazit.

Dass Fondue nicht nur verbindet, sondern das Land auch spaltet, musste ich zuvor an unserer Redaktionssitzung erleben. Auf meine Frage, was bei ihnen denn Brauch sei, wenn beim Rühren im Käse das Brot von der Gabel fällt, schaute mich die Hälfte der Redaktorinnen und Redaktoren ratlos an. Dieser Brauch – für mich so selbstverständlich wie der Kirsch zum Fondue – war ihnen gänzlich unbekannt.

Höchste Zeit, dass ich sie einmal zum gemeinsamen Fondue einlade ...


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