Orangen: Wilde Träume

Einst erregten Orangen die Fantasien über Afrika, Löwen oder Oasen. Heute sind sie nur noch gut.

Sehr erfrischend, der sizilianische Orangensalat: Orangen dünn schneiden, mit gehackter Zwiebel, glatter Petersilie, ein paar Oliven, etwas Olivenöl sowie Salz und Pfeffer mischen. Dann kühl stellen.

Sehr erfrischend, der sizilianische Orangensalat: Orangen dünn schneiden, mit gehackter Zwiebel, glatter Petersilie, ein paar Oliven, etwas Olivenöl sowie Salz und Pfeffer mischen. Dann kühl stellen.
Sehr erfrischend, der sizilianische Orangensalat: Orangen dünn schneiden, mit gehackter Zwiebel, glatter Petersilie, ein paar Oliven, etwas Olivenöl sowie Salz und Pfeffer mischen. Dann kühl stellen.

Immer so kurz nach Neujahr kam die Gotte vorbei, lächelte ihr gütiges Lächeln, kramte in der ­unendlichen Tiefe ihrer braunen Ledertasche und förderte ein paar runde, in dünne Papierchen eingewickelte Orangen zutage. 
Ehrlich - das Beste an den damals eher sauren Orangen waren die Bilder auf dem ­Seidenpapier: Bäumchen, manchmal eine Oase, verschleierte Frauen und fast ­immer ein schwarzes, rundes Gesicht mit dicken, roten Lippen und strahlend weissen Zähnen. Dazu der Schriftzug «Moro». Den Rassismus-Artikel gabs damals noch nicht, und niemand dachte sich etwas Böses dabei.

Die Orangenpapierchen regten die unschuldig-kindliche Fantasie an: Afrika, Löwen, Wüsten, Oasen - und eben schwarze Menschen in Baströckchen zogen vor dem geistigen Auge vorbei. Erst in der vierten Klasse, als die gesammelten und mit Mutters Bügeleisen heimlich geglätteten Papierchen schon fast vergilbt waren, kam die Wahrheit dank des neuen Lehrers zutage: Die Moro-Orangen kamen nicht aus Afrika, sondern aus Sizilien! Der Traum verblasste, die Papierchen mit den kraushaarigen Schwarzen landeten im Altpapier.

Die Jahre zogen ins Land und Orangen gabs mit der Zeit nicht mehr nur um Weihnachten herum. Und zu den dunklen, kräftigen Moro-Blutorangen gesellten sich helle, mild-süsse Navellinas aus Spanien oder kräftig-süsse Taroccos mit roten Einsprengseln aus Sizilien. Aber alle brauchten und brauchen sie den Winter: Erst die Kälte sorgt dafür, dass sich die roten Farbpigmente im Fleisch und auf der Schale bilden. Ohne Kälte gäbe es Grünangen statt Orangen. Übrigens - über die Reife der Frucht sagt die Farbe nichts. In Italien und Spanien werden die Orangen auch gegessen, wenn sie äusserlich noch grün sind. Aber ob grün, rot, blond oder sommersprossig wie die Tarocco - Geschichten erzählen sie alle. Etwa, dass der Name Orange über das urprovenzalische Auranja, und das spanische Naranja aus dem arabischen Nrandsch hergeleitet wird. Oder dass ein Orangenbaum erst ab dem Alter von etwa fünf Jahren nennenswert Früchte trägt.

Heute gibt es fast das ganze Jahr frische Orangen, nur das Einwickelpapier, das gibts nicht mehr. Warum eigentlich? Als man damit begann, Orangen von Süditalien und Spanien auf langen Wegen in die Schweiz zu transportieren, verdarb ein Grossteil der Früchte, weil sie von Fäulnis oder Schimmel befallen wurden. Dann merkte ein kluger Kopf, dass das Seidenpapier die Früchte schützte. Heute sind Orangen schon 36 Stunden nach dem Pflücken im Coop. Papierchen mit den schönen Aufdrucken und den Träumen von Afrika, den Löwen und Oasen brauchts nicht mehr. Eigentlich schade.

Rezept: Orangen-Tarte

Vor- und Zubereitungszeit: ca. 1 Std.
Ziehen lassen: 24 Std.

Zutaten

  • 1 süsser Mürbeteig, rund ausgewallte (320 g)
  • 3 Bio-Orangen
  • 160 g Zucker
  • 2 Vanilleschoten, längs aufgeschnitten und ausgekratzt

Zubereitung

Orangen heiss abspülen und in dünne Scheiben schneiden. 2 dl Wasser mit dem Zucker und den Vanilleschoten aufkochen. Orangenscheiben etwa 15 Min. im Zuckerwasser köcheln lassen. Danach die Orangen mit dem Sirup in ein Glas geben und ca. 24 Std. im Kühlschrank ziehen lassen. Den kalten Mürbeteig in eine Kuchenform geben Die Orangenscheiben abtropfen lassen, darauf verteilen und ein wenig in den Teig hinein drücken.  Bei 180 Grad ca. 40 bis 50 Min. backen.

Tipp: Nach Ende der Backzeit den Kuchen aus der Form nehmen und 5 Minuten in den offenen Ofen stellen, so wird der Boden knuspriger. Falls Orangenscheiben übrig bleiben, diese für ein Dessert, z.B. mit Vanilleglace, verwenden.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Sonntag 24.07.2011, 16:11 Uhr

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