Ordentliche Kälte

Er: Wer kennt nicht den Witz vom Mann, der minutenlang vor dem geöffneten Kühlschrank steht und dann fragt: «Schatz, wo ist denn die Butter?» Abgesehen davon, dass ich kaum einen kenne, der seine Frau «Schatz» nennt, ist es ebenso ein Vorurteil, dass Männer nicht sehen, wo die Butter im Kühlschrank liegt. Das hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun, denn Männer würden die Butter finden, wäre sie dort, wo sie hingehört. Schliesslich hat alles seinen richtigen Platz im Kühlschrank: Gemüse in der Schublade, Fleisch im untersten Fach, Ketchup in der Türe. Das Problem ist, dass ich der Einzige in unserer Familie bin, der sich an diese Ordnung hält.

«

Ich bin der Einzige, der sich an die Ordnung hält.»

Öffne ich die Türe, blicke ich deshalb automatisch dorthin, wo die Butter logischerweise sein müsste: im zweitobersten Fach. Dort wird sie gekühlt, bleibt aber zart streichfähig, genau so wie ich es von einer Butter erwarte. Was aber machen meine Frau und meine Töchter? Sie versorgen die Butter irgendwo, oft sehr kreativ, einfach dort, wo es gerade Platz hat. Je nach Lage ist sie, die Butter, dann viel zu hart oder zu weich, weil sie neben Karotten in der Schublade deponiert wurde. Oder sie ist vollkommen unauffindbar. So wie jetzt.

Sie: «Wir haben keine Butter mehr», ruft Schneider leicht empört vom Kühlschrank her. Es ist Samstagabend, ich lümmle auf dem Sofa und ein Wochenende ohne Butter wäre alles andere als in Butter. Aber ich habe doch heute eine gekauft, da bin ich mir sicher: «Dohoch, mein Lieber. Es muss eine da sein.» «Da ist keine!» «Dohoooch, irgendwo hinten.» «Hinten? Im Kühlschrank gibts nur oben und unten.»

«

Hach, jetzt wird er auch noch gründlich.»

Also, wirklich! Stellt der sich extra doof an? Muss ich jetzt aufstehen und die Butter für ihn suchen? Ich hör ihn laut seufzen, also raffe ich mich auf. Ein Blick, ein Griff: «Guck mal, da ist sie!» Er schimpft: «Was soll die Butter hinter dem Riesenglas Preiselbeeren?» «Na, da war halt noch Platz.» «Die Preiselbeeren benützen wir zwei Mal im Jahr, die Butter täglich.» Hach, jetzt wird er auch noch gründlich. «Du könntest dich ruhig ein wenig anstrengen, wenn du in den Kühlschrank schaust», sage ich. «Und du solltest mehr System haben.» «Ich soll also in einem Haushalt mit vier Chaoten, die sich einen Deut darum scheren, ob wir Schuhschubladen haben, ein System einführen?», schimpfe ich. «Was stört dich an unseren Schuhen?» «Sie stehen rum. Immer!» «Wenn das mit der Butter nur auch so wäre!»

 (Coopzeitung Nr. 50/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 14.12.2015, 16:41 Uhr

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