Papa Moll: Stefan Kurt über seine Herzensrolle

Papa Moll in echt? Nach 30 Bänden des Comic-Bünzlis ist es endlich so weit. Die Hauptrolle spielt der Berner Stefan Kurt.

Wer nach Papa Moll Ausschau hält, wird im Café Mühlebach in Zürich nicht fündig. Schauspieler Stefan Kurt (58) hat noch volles Haar, ist feingliedrig und im deutschsprachigen Raum bekannt für ernstere Rollen wie in «Giulias Verschwinden», «Der Verdingbub» oder dem «Tatort». In seinem neuen Film darf er erstmals sein komisches Talent ausleben.

«Nach eineinhalb Stunden war ich komplett nass geschwitzt.»

«Nach eineinhalb Stunden war ich komplett nass geschwitzt.»
http://www.coopzeitung.ch/Papa+Moll_+Stefan+Kurt+ueber+seine+Herzensrolle «Nach eineinhalb Stunden war ich komplett nass geschwitzt.»

Stefan Kurt, was ist Ihre erste Erinnerung an Papa Moll?
Ich habe ihn zum ersten Mal mit sechs oder sieben Jahren in den «Junior»-Heftli gesehen. In der Metzgerei gab es immer ein Wursträdli und in der Drogerie ein Junior-Heftli. Darin waren auf den letzten Seiten die Bildergeschichten von Papa Moll.

Sie hätten es sich wohl nie träumen lassen, einmal selbst Papa Moll zu sein.
Nein, niemals. Und deshalb habe ich mich wahnsinnig gefreut, als ich fürs Casting eingeladen wurde. Die Caster hatten zuerst etwas gezögert, weil ich sonst eher ernstere Rollen spiele. Ich fand super, dass sie mein komisches Talent, mein Slapstick-Talent, erkannten. Bisher hatte ich dieses nur im Theater zeigen können und nun endlich im Film – und erst noch mit einer so berühmten Figur.

Können Sie sich mit Papa Moll identifizieren?
Muss ich ja, wenn ich ihn spiele. Da habe ich keine Schwierigkeiten. Ich bin ein eher sonniges Gemüt, wie Papa Moll auch. Ich bin positiv und nehme mich selbst nicht allzu ernst, genau wie er. Ich kann auch sehr gut über mich selbst lachen. Insofern sind wir schon seelenverwandt.

Wie würden Sie ihn charakterisieren?
Wahnsinnig neugierig, ein wenig besserwisserisch, mit einer enormen Liebe zu seiner Familie. Er wird manchmal auch wütend, aber eben nie richtig. Das finde ich toll. Er ist ein grundliebender Vater und Ehemann und ein Clown. Ein sehr positiver Mensch.

Haben Sie eine Lieblingsgeschichte?
Nein … Es gibt so viele. Der Erfolg liegt in der Einfachheit der Geschichten. Es sind keine Schenkelklopfer, sondern Szenen aus dem Alltag. Mich faszinierte als Kind, dass der Papi mit seinem Nachwuchs etwas unternimmt. Gut, ich bin Jahrgang 1959. In den Sechzigerjahren war die Mutter zu Hause, und der Vater ging arbeiten. Bei der Arbeit sieht man Papa Moll ja eigentlich nie. Die Geschichten spielen sich zu Hause ab.

«

Mit der Glatze und dem Haarbüschel sah ich aus wie ein Zombie, sehr unsymphatisch.»

Stefan Kurt

Glauben Sie, dass Geschichten mit diesem traditionellen Rollenverständnis heute noch zeitgemäss sind?
Das müsste man die Kinder fragen. Ich glaube, die Überforderung von Eltern mit ihren Kindern oder das Gefühl von Kindern, die Eltern hören ihnen nicht zu, das ist heute so aktuell wie damals.

Viele Generationen sind mit Papa Moll aufgewachsen und haben von ihm eine genaue Vorstellung. Hatten Sie Bedenken, dieser gerecht zu werden?
Natürlich. Mit der Freude über diese Rolle ging nicht gerade Sorge einher, aber ich machte mir schon Gedanken. Mein Ziel war, dass acht von zehn Leuten sagen: Doch, das ist Papa Moll. Als wir das erreicht hatten, war die Rolle für mich relativ einfach zu spielen. Ich schaute die Comics an und sah mich im Spiegel mit dieser Maske und dem Bauch, da beginnt man automatisch anders zu laufen und zu reden.

Sie sehen wirklich nicht «Moll-ig» aus. Mussten Sie massiv zunehmen?
Das wollten wir zuerst. Aber ich hätte derart zunehmen müssen, damit auch das Gesicht so rund wird, das wäre nicht gegangen. Der Bauch ist ja das Einfachste, dafür gibt es «Fatsuits», in die man reinsteigen kann. Schwierig war das Gesicht, um diese Comic-Figur wirklich in die dritte Dimension zu übertragen. Das war ein langer Prozess. Bei der Frisur kamen wir zum Schluss, dass eine Eins-zu-eins-Umwandlung nicht funktionieren würde. Papa Moll hat in den Comics zwar nur dieses Haarbüschel, aber mit der schwarzen Umrandung um die Glatze wirkt es trotzdem, als habe er eine Frisur. Wir versuchten es erst mit Glatze und Haarbüschel, aber ich sah aus wie ein Zombie, überhaupt nicht sympathisch. Schliesslich kamen wir zur Endvariante, dass man mir einen Haarkranz und ein Inselchen obendrauf stehen lässt und den Rest rasiert.

Die Verwandlung ist verblüffend: Stefan Kurt als Papa Moll.

Die Verwandlung ist verblüffend: Stefan Kurt als Papa Moll.
http://www.coopzeitung.ch/Papa+Moll_+Stefan+Kurt+ueber+seine+Herzensrolle Die Verwandlung ist verblüffend: Stefan Kurt als Papa Moll.

Sie sprechen Berndeutsch, beruflich meist Hochdeutsch, Papa Moll ist irgendwo im Ostaargau zu Hause. Hatten Sie Mühe mit dem Dialekt?
Auch die Kinder kommen aus verschiedenen Kantonen. Luna  («Evi» Anm. d. Red.) kommt aus Bern, ich auch. Da wir als Familie alle den gleichen Dialekt sprechen sollten, haben wir uns auf den «Bahnhof-Olten-Dialekt» verständigt, um allen gerecht zu werden. Luna musste so eher Richtung Zürichdeutsch sprechen, ich habe etwas dazwischen probiert.

Papa Moll ist der Inbegriff des positiven Bünzlitums. Funktioniert er, weil der Schweizer in Papa Moll den Bünzli in sich wiedererkennt?
Gute Frage. Ja, vielleicht erklärt das den grossen Erfolg. Ich glaube schon, dass er mit uns allen etwas zu tun hat. Wie schweizerisch das ist, weiss ich nicht, aber es ist eine kleinbürgerliche heile Fantasiewelt mit Pannen, die in jedem Haushalt passieren. Wenn man das mit Humor sehen kann, ist das gut. Wenn nicht, möchte man sich wohl lieber nicht den Spiegel vorhalten lassen.

Sie leben seit 30 Jahren in Deutschland. Hat das Ihre Wahrnehmung der Schweiz und den Blick auf dieses Bünzlitum verändert?
Wahrscheinlich schon. Ich merke, dass ich zu vielem, was in der Schweiz passiert, keinen grossen Bezug habe. Trotzdem schätze ich die Schweiz sehr und ich freue mich immer, zurückzukehren. Ich merke, wie hier anders diskutiert wird und andere Dinge im Fokus stehen als in Deutschland.

Vor Ihrer Schauspiel-Karriere waren Sie Primarlehrer. Konnten Sie bei der Arbeit mit den Kindern in «Papa Moll» davon profitieren?
Ja, schon. Die Arbeit mit den Kindern war gleichermassen toll und anstrengend. Wenn man mit Kindern und Tieren arbeitet, muss man viel üben. Zumal, wenn es viel Slapstick gibt, der mit möglichst wenigen Schnitten auskommen soll. Es braucht Disziplin, in derselben Szene immer wieder auf die gleiche Ausgangsposition zu gehen und die Dinge immer möglichst exakt zu wiederholen. Kinder sind da eher spontan, und das ist wunderbar und anstrengend zugleich! Manchmal funktionierts, manchmal nicht.

Slapstick sieht auch körperlich anstrengend aus. War es das?
Ja, sehr. Es war ein wunderschöner Sommer, sehr heiss. Mit diesem «Fatsuit» und den vielen Kleidern an habe ich stark geschwitzt. Aber nach eineinhalb Stunden ist man eh komplett nass, und der Schweiss läuft einem in einem Bach den Rücken runter. Am Abend sind wir mit den Kindern nach Bad Zurzach AG, wo wir im Hotel wohnten, und erfrischten uns im Bad. Das war lässig.

Ist eine Fortsetzung von Papa Moll schon in Planung?
Nein, bis jetzt noch nicht. Schauen wir zuerst einmal, wie der Film ankommt, dann sehen wir weiter.

Haben Sie eine Lieblingsrolle?
Papa Moll gehört wirklich zu meinen Lieblingsrollen. Schon als junger Schauspieler wollte ich mein komisches Talent ausleben – nur fragte mich damals niemand. Stattdessen war ich gesetzt für zerrissene, ernste Charaktere. Das ist auch o. k., aber so etwas Überdrehtes, Slapstickartiges zu machen, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Quasi Ihre Herzensrolle.
Ja. Und als ich zusagte, wusste ich genau, dass ich das kann. Und nun ist es auf Film verewigt.

Jetzt sind Sie Papa Moll.
Ja, zumindest der erste. Man weiss ja nie …

Aber es ist doch wie bei James Bond: Der erste ist immer der beste.
Genau, ich bin Ur-Moll.

Zur Webseite von Stefan Kurt
Lesen Sie hier das Porträt über Papa Molls Zeichner und Schöpfer

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Der Berner Stefan Kurt unterrichtete als Primarlehrer und absolvierte die Schauspielschule in Bern, ehe er vor 30 Jahren in Deutschland ganz auf die Schauspielerei setzte. Neun Jahre lang war er Ensemblemitglied am Thalia Theater in Hamburg, bevor er den Durchbruch in TV und Kino schaffte. Inzwischen tritt er auf der Bühne ebenso auf wie im Theater. Zudem stellt er Foto-Kunstwerke aus. Stefan Kurt lebt in Berlin.

Die Vielfältigkeit seiner Tätigkeiten zeigt ein Ausblick auf Kurts nächste Projekte: Im Moment ist eine Ausstellung seiner Fotografien in Bad Zurzach AG am Laufen, danach folgt eine zweite Ausstellung in Hombrechtikon ZH. Im Februar dreht er in Deutschland einen Film mit Regisseur Bernd Böhlich, bevor er im Sommer wieder in der Schweiz ist und am Casino-Theater in Winterthur in der «Fledermaus» mitspielt. «Das nächste Jahr ist also schon fast voll», sagt der Schauspieler, der Ende November 2017 in Lyon auch noch eine Sprechrolle in einer Oper hatte. «Ich liebe die Abwechslung!»

Zu Stefan Kurts Fotoausstellung in Bad Zurzach

Das Problem: Wie setzt man den berühmtesten Schweizer Comic-Papa in Realfilm um? Die Lösung: Mit Slapstick und viel Humor.

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Jetzt wissen wir endlich, wo Papa Moll wohnt: in Murmlikon! Wo das ist? Irgendwo im Ostaargau, aber das spielt eigentlich keine grosse Rolle, denn es ist eine erfundene Welt. Ebenso wenig wichtig ist, ob das erste Leinwandabenteuer des Schweizer Comic-Alltagshelden in den Fünfziger- oder in den Sechzigerjahren angesiedelt ist. Das Einzige was zählt: Papa Moll gibt es jetzt in Fleisch und Blut. Und wer das kürzlich erschienene Buch «Papa Moll und der fliegende Hund» bereits gelesen hat, kennt auch schon die Handlung. Es ist der Jubiläumsband Nr. 30, der verfilmt wurde, doch eigentlich ist es ein Prequel zum allerersten Band, denn es wird die Geschichte erzählt, wie Tschips zur Familie Moll kam.

Doch bis es soweit ist, hat die ganz Familie erstmal eine Reihe von Abenteuern zu bestehen. Nun, vielleicht nicht die ganze Familie, denn Mama Moll verabschiedet sich in ein Wellness-Wochenende mit ihren Freundinnen in Bad Zurzach. Was ihren Mann kurz aus dem Gleichgewicht bringt, weil ihm auch noch sein unsympathischer Chef Stuss seinen verzogenen Nachwuchs aufdrückt. Halb so schlimm, findet Moll, denn er wollte ohnehin den Herzenswunsch seiner Tocher Evi erfüllen, die unbedingt den fliegenden Hund im Zirkus Pompinelli sehen will. Kurzerhand nimmt Moll Jackie und Johnny Stuss mit in die Vorstellung, wird selbst aber immer wieder von seinem überforderten Mitarbeiter Glotz in die Schoggi-Fabrik gerufen, weil dort die Maschinen wegen Stuss' hirnrissigem Produktionsplan überhitzen. Er kann ja nicht ahnen, dass Stuss' Kinder die Erzfeinde seiner eigenen sind, und so sieht sich Moll plötzlich an allen Fronten gefordert…

  • Augen auf: Hier kommt Papa Moll. Links Evi, rechts Willy.
  • Die ganze Familie: Fritz, Evi, Papa, Mama und Willy.
  • Mama Moll verreist, hat aber fürs Wochenende vorgekocht – Moll fehlt der Überblick.
  • Weil Molls Chef Stuss sich ebenfalls ein freies Wochenende nimmt, muss Moll auch noch dessen Kinder übernehmen.
  • Er ahnt nicht, dass Johnny und Jacky seine Kinder terrorisieren. Fritz lässt sich aber nicht einschüchtern.
  • Moll geht mit ihnen in den Zirkus – und kommt unverhofft zu einem Auftritt.
  • Doch in der Schoggi-Fabrik klemmts – Moll muss abtauchen.
  • Hinzu kommt das angespannte Verhältnis mit Wachtmeister Grimm.
  • Mama Moll erfährt im Wellness-Weekend in Bad Zurzach vom Aufruhr in Murmlikon, …
  • … während ihr Mann richtig in die Hosen muss, um die Katastrophe zu verhindern.
 

Es war ein ambitioniertes Projekt, den Mann mit Schnauz und den fünf Haaren als Realfilm ins Kino zu bringen. Vor allem aber ist der Erwartungsdruck bei den vielen Generationen von Papa-Moll-Lesern gross. Jeder kennt den etwas ungeschickten Familienvater, der sich vor keiner Reparatur drückt, keine Sportart unversucht lässt, dabei aber immer um das Familienwohl besorgt ist. Wie Hauptdarsteller Stefan Kurt in unserem Interview betont, sind es im Normalfall keine spektakulären Geschichten, sondern Alltagssituationen, die uns mit Papa Moll mitfühlen lassen. Für die Verfilmung deshalb auf eine runde Geschichte mit etwas mehr Action zu setzen, war die richtige Entscheidung. Ebenfalls jene, den Bünzli-Helden in eine überdrehte Slapstick-Komödie zu schicken.

Das Endergebnis dürfte viele überzeugen. Den Charakterdarsteller Stefan Kurt in den bekannten blauen Anzug über rotem Strick zu stecken, ist ein genialer Schachzug. Er verleiht der Figur die nötige Portion Humor, ohne dabei in billigen Klamauk abzudriften. Er trägt diesen Film, wird aber unterstützt von einem tollen Schweizer Cast mit vielen Nachwuchsdarstellern. Das Gesamtpaket wird dem Familienpublikum viel Freude bereiten.

Credits:
Filmstart: ab 21. Dezember 2017 in den Deutschschweizer Kinos
Land: CH, 2017
Länge: 90 Minuten
Regie: Manuel Flurin Hendry

Cast:
Papa Moll – Stefan Kurt
Mama Moll – Isabella Schmid
Evi – Luna Paiano
Fritz – Maxwell Mare
Willy – Yven Hess
Jackie – Lou Vogel
Johnny – Livius Müller Drossaart
Stuss – Martin Rapold
Wachtmeister Grimm – Erich Vock

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