Parallelwelten

Er und sie verständigen sich missverständlich.

Sybil Schreiber: Was für ein stimmungsvoller Abend! Die tief stehende Sonne färbt alles rotgolden und die Weitsicht ist grandios.
Während Schneider uns beide durch den Autobahnverkehr lotst, sind meine Gedanken wieder einmal bei unserer älteren Tochter, die sich so sehr ein Handy wünscht. Ich sage Ja, Schneider sagt Nein. Ich muss also sachte ins Thema einsteigen: «Du, was ich noch wegen des Handys für Alma sagen wollte ...» Schneider unterbricht mich: «Also, vielleicht lass ich da mit mir reden.»
«Ach, ja?»
«Herzenswünsche sind da, um erfüllt zu werden.»
Ich staune und nutze die Gunst der Stunde: «Schön, dass du das auch so siehst. Es ist einfach so: Die Welt verändert sich. Da dürfen wir nicht zu sehr bremsen.»
«In Ordnung, aber lass uns mit ihr Handy-Regeln abmachen. Dann, ja, kann sie eines haben.» 
Ich juble still. Ist doch beachtlich: Mein Mann entwickelt sich tatsächlich weiter und verweigert sich nicht länger grossen Wünschen!
Da sagt er verträumt: «Gell, der Porsche eben war wirklich wunderschön!»

«

Wann war da wo ein Porsche?»

Porsche? Wann war da wo ein Porsche? Muss ein Missverständnis sein: «Äh? Wie? Mit ‹wunderschön› meinte ich die Berge in der Ferne. Sieh mal, wie schön rot sie leuchten.»

Steven Schneider: 

Schreiber und ich fahren im Auto an eine Lesung. Der Verkehr ist rund um Zürich wie immer heftig, und deshalb habe ich den Rückspiegel ständig im Blick. Dabei sehe ich, wie sich auf der Überholspur ein Porsche nähert.
Schönes Auto!
Und ein Wink: Am Nachmittag war ich bei meinem Bruder, einem leidenschaftlichen Auto-Fan, der als Hobby auch mit Autos handelt. Er zeigte mir sein neuestes Prunkstück, ein gebrauchtes Porsche-Cabrio in tadellosem Zustand zum, so meinte er, sagenhaft günstigen Preis. Ich sah mir das Ding an und zum ersten Mal in meinem Leben dachte ich: Warum nicht? 
Ist schon ein wenig seltsam. Autos haben mich nie besonders interessiert, ganz im Gegensatz zum Autorennsport. Ist das vielleicht das Alter? Mit abnehmender Lebensdauer nehmen die Ansprüche bekanntlich zu. Ich betrete in der Lebensmitte vielleicht eine neue Welt ...

«

Ein Porsche. Schönes Auto. Mmhh …»

Als ich meinem Bruder sagte, dass mich das Cabrio durchaus reizen könnte, wusste ich aber, dass der Reiz einen Haken hat: Schreiber. Sie hat kein Auge für schöne Karosserien und keinerlei Gespür für potente Motoren.
Oder doch? 
Als nämlich der Porsche vorfährt und im Abendlicht glitzert, raunt sie: 
«Wunderschön!»

 (Coopzeitung Nr. 22/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 02.06.2014, 18:30 Uhr

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