«Die Musik ist der rote Faden durch mein Leben»: Pepe Lienhard hat noch immer «viel zu viel Freude an der Musik», um aufzuhören.

Pepe Lienhard: «Musiker gehen nicht in Pension»

Persönlich. Ende Oktober geht Pepe Lienhard (67) mit seiner Big Band auf Schweizer Tournee. Der Vollblutmusiker über sein Leben im Rentenalter, seinen Neuanfang und sein Leben auf dem Land.

Coopzeitung: Auf Ihrer Tournee geben Sie ab 29. Oktober 15 Konzerte in 18 Tagen. Ist das für einen Rentner nicht etwas viel?
Pepe Lienhard: Klar, vom Alter her bin ich Rentner, aber ich fühle mich natürlich nicht so. Musiker gehen ja nicht in Rente. Ich wüsste nicht einmal, wer mich pensionieren sollte, ich bin ja nirgends angestellt – ausser bei mir selber. Dazu habe ich noch viel zu viel Freude an der Musik. 

Ein solcher Effort bedingt eine gute Gesundheit.
Klar, aber mir gehts zum Glück noch sehr gut. Klar, ich bin nicht mehr zwanzig, ich fühle mich nicht mehr wie zwanzig und ich führe mich auch nicht mehr auf wie ein Zwanzigjähriger.

Deutlich ruhiger geworden sind Sie aber auch nicht.
Doch, doch, definitiv. Ich kann zum Beispiel nicht mehr so viel trinken. Ich kann natürlich schon, aber ich vertrage es nicht mehr: Am nächsten Tag leide ich wie ein Hund, also lass ichs. Man wird vernünftiger. Nicht, dass ich keinen Fun mehr hätte – ich geniesse das Leben nach wie vor. 

Haben Sie wenigstens Ihr Arbeitspensum reduziert?
Es hat sich verschoben. Wenn ich nichts zu tun habe mit der Musik, «meche» ich im Garten rum, setze einen Baum oder pflege meine Tiere. Und: Ich habe die schlechte Eigenschaft, dass ich mich immer wieder in etwas reinziehen lasse. Einmal bin ich in einer Jury, einmal dirigiere ich ein Jugendorchester – das ist alles schön. Aber so reiht sich Termin an Termin. 

Wenn jemand kommt und Ihnen sagt: Sie verdienen gleich viel, aber Sie müssen keine Konzerte mehr geben und keine Promo-Arbeit machen – was sagen Sie?
Nein! – Die Musik ist der rote Faden durch mein Leben. Vielleicht würde ich etwas weniger spielen, dafür gezielter schöne Jazz-Konzerte geben. Und die restliche Zeit würde ich bauern – damit könnte ich gut leben. 

Ihre Tiere sind ein anderer roter Faden in Ihrem Leben.
Ganz einfach: Ich liebe Tiere. – Und einen Nebeneffekt haben sie auch: Es gibt Musiker-Kollegen, die sich fast etwas hollywoodmässig bewegen und abheben. Diese Gefahr bestand bei mir definitiv nie. Wenn du ein schönes Konzert gibst, morgens um vier Uhr nach Hause kommst und um acht Uhr wieder aufstehst, um die Tiere zu misten, Äpfel zu schnetzeln und Heu vom Dachboden zu holen, dann bist du sehr rasch wieder auf dem Boden. Das ist schön, diese Arbeit erdet. 

«

Klar, vom Alter her bin ich Rentner, aber ich fühle mich nicht so.»

Aber Sie sind ein Star, das Publikum liebt Sie. 
Ich habe nicht das Gefühl, alle müssten immer wie wild klatschen oder mich toll finden. Wer davon ausgeht und dann mal etwas weniger Erfolg hat, fällt in eine Depression. Das passiert bei mir nicht. Ich fange jeden Tag frisch an. Nicht, dass ich das bewusst machen würde – ich bin einfach so. 

«Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an», singt der mittlerweile 80-jährige Udo Jürgens, mit dem Sie nächstes Jahr wieder auf Tournee gehen. Ein Motto, das auch für Sie zutrifft.
Klar. Ich habe ja einen zweiten Versuch gestartet und Christine, meine langjährige Partnerin, geheiratet, und wir sind nach Frauenfeld gezogen – zwei einschneidende Schritte. Das war wie ein Neuanfang. 

Wie war das, von der Metropole Zürich in die Provinz zu ziehen?
Ich wohnte ja vorher schon sehr lange auf dem Land und komme vom Land. Als wir nun ein Haus suchten, realisierten wir rasch, dass wir in der Stadt nicht das finden würden, was wir uns vorstellten. Deshalb suchten wir etwas ausserhalb. Am Ende landeten wir in Frauenfeld – wegen dieses alten Bauernhauses aus dem 17. Jahrhundert. Als wir es zum ersten Mal sahen, sagten wir beide sofort: Das ist es. 

Hier sind Sie ein Star: Sie werden als Aufwertung des Quartiers verstanden.
Na ja, so sehe ich das nicht. Klar, Frauenfeld ist nicht Zürich, hier ist alles ein bisschen persönlicher. Die Leute sagen einander «Grüezi», in den Geschäften schauen einen die jungen Girls noch an, wenn sie einem etwas verkaufen – in Zürich musst du ja froh sein, wenn sie das Handy vom Ohr nehmen, damit du ihnen das Geld geben kannst.

Sie hatten nie das Gefühl, nach Winterthur höre die Schweiz auf.
Ganz ehrlich: Als meine Frau sagte, sie habe in Frauenfeld etwas ganz Schönes gefunden, zog sich bei mir schon einiges zusammen. Aber seit ich das Haus gesehen und die Leute kennengelernt habe und wir uns hier so wohlfühlen, ist das überhaupt kein Thema mehr. Und auch meine Kollegen, die alle sagten: «Gaahts no!?» – wenn sie einmal hier gewesen sind, finden sie es genial. Es gibt hier einen so guten Groove, alles ist so entspannt. Abgesehen davon bin ich ja in einer halben Stunde in Zürich. Es fehlt uns nichts. 

Rundum glücklich?
Ja, absolut. Ich bin jetzt 67 und freue mich wie verrückt auf die nächste Tournee.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
T. C. Boyle: San Miguel

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Der Hundertjährige von Jonas Jonasson 

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
In Sachen Musik: der Jazz-Musiker Quincy Jones. Vor allem von der Breite seines Schaffens her. Er hat auch Michael Jackson und Rapper produziert, aber immer mit Qualität.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
„Rush“ – den sehr eindrücklichen Film über Nicki Lauda

Welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
„Amarcord“ ist für mich der Jahrhundertfilm 

Ihr Lieblings-Filmheld?
Mein Lieblings-Schauspieler ist Tom Hanks

Was für Musik hören Sie gerade?
Jazz, Jazz und Jazz

Welche CD würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Was, nur eine? – Dann „Kind of Blue“ von Miles Davis 

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Ich bin permanent mit Musikern am Trinken 

Was kochen Sie selber?
Meine Frau kocht fantastisch, und ich kann nur ein Rezept, das sie wirklich mag: Ghackets mit Hörnli. 

Ihre Lieblingsspeise?
Das ist mein grosses Problem: Ich esse alles, wirklich alles gerne – und davon immer ein bisschen zu viel. Ich bin sehr beliebt als Gast. 

Ihr Lieblingsgetränk?
Rotwein 

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Frau. Obwohl sie schlank ist, isst sie auch sehr gerne und ebenfalls alles – das war mit ein Grund, sie zu heiraten. Sie isst auch Kutteln und Nierli – und das hat mich schon sehr beeindruckt.

Und wo essen Sie am liebsten?
Egal

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Lieber Zug

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Schwimmen

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Ich bin nahe am Wasser gebaut. Auch bei „Rush“ habe ich wieder ein paar Tränchen verdrückt.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Wolf – ein Herdentier mit sehr hoher Sozialkompetenz. Wölfe haben eine beeindruckende Familienstruktur. 

Wovon träumen Sie?
Mein ganzes Leben lang lebe ich meinen Traum. Ich empfinde es als Gnade, dass ich mein Leben verdienen kann mit dem, was ich am liebsten mache.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Meine jetzige Situation

 

Pepe Lienhard

Geboren: 23. März 1946 in Lenzburg AG als Peter Rudolf Lienhard
Beruf: Musiker
Wohnort: Frauenfeld
Meilensteine: 1958: Gründung «The College Stompers Lenzburg»; 1969: Abbruch Jus-Studium, Gründung des Pepe Lienhard Sextetts; 1977: 6. Rang beim Grand Prix Eurovision de la Chanson mit «Swiss Lady»; 1980: Gründung der Big Band; ab 1982: Orchester von Udo Jürgens mit Tourneen rund um die Welt; 1984: Konzerte mit Frank Sinatra, Sammy Davis jr., Ute Lemper u. a. 1999: Übernahme der Swiss Army Big Band.
Aktuell: Ab 29. Oktober Tournee der Pepe Lienhard Big Band unter dem Motto «It’s Swing Time» mit 15 Konzerten in 18 Tagen. Erscheinen der gleichnamigen CD.

Mehr Informationen auf der Website von Pepe Lienhard

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Montag 21.10.2013, 11:14 Uhr

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