Perlen des Bordeaux

Wer sich nicht von den grossen Namen blenden lässt, kann im Bordeaux einiges entdecken: Kleinere und unbekanntere Châteaux bieten Weine mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Subskription ermöglicht es Liebhabern von Bordeaux-Weinen, sich jetzt schon auserlesene Weine des sehr guten Jahrgangs 2014 zu sichern. Laut Önologe Jan Schwarzenbach finden sich neben den grossen Namen zahlreiche Trouvaillen von noch unbekannteren Produzenten. «Diese stecken viel Können und Herzblut in ihre Weine, der Qualitätsanspruch ist hoch, die Preise vergleichsweise günstig. Zu entdecken gibt es viele wunderbare Weine zwischen zwölf und dreissig Franken.»

Das Angebot unter www.mondovino.ch

 

CHÂTEAU LIMBOURG

Der Tüftler
Château Limbourg liegt in Pessac-Léognan, wo die Temperaturen meist zwei Grad wärmer sind als im Médoc. Das ergibt vollere und schwerere Weine. Für den Ausbau seiner Weine benutzt Alain Maufras (60) zu 100 Prozent Eichenfässer aus dem Burgund und nicht aus dem Bordelais – was für Bordeaux sehr ungewöhnlich ist. Er arbeitet mit grösster Sorgfalt in den Rebbergen und tüftelt im Keller immer wieder an seinen Methoden herum. «Seine Weine sprechen auch ein jüngeres, urbanes Publikum an, ohne aber ihren Charakter, ihre Eigenständigkeit zu verleugnen», sagt Jan Schwarzenbach. Nicht zuletzt zeige sich dies auch an der knalligen, orangefarbenen Etikette.

Château Limbourg 2014 Pessac-Léognan AC Fr. 12.95/75 cl, Fr. 77.70 pro Karton à 6 Flaschen, Trinkreife 2018–2034.

 

CHÂTEAU D’ESCURAC

Der Vollblutwinzer
In dritter Generation führt der 52-jährige Jean-Marc Landureau das Château d’Escurac im Médoc, also auf der linken Seite der Gironde. Reben gab es immer auf Château d’Escurac. Dazu auch Landwirtschaft und unter seinem Grossvater gar eine ansehnliche Rennpferde-Zucht. Heute konzentriert sich der studierte Önologe, der nach seiner Ausbildung und diversen beruflichen Stationen 1990 auf Château d’Escurac zurückkehrte, nur noch auf Wein. Die 23 Hektar Reben (11 ha Merlot, 10 ha Cabernet Sauvignon, 2 ha Petit Verdot) verteilen sich auf 18 Lagen. Für den Fassausbau braucht Landureau zu zwanzig Prozent Barriques aus amerikanischer Eiche. Jan Schwarzenbach: «Sein Wein ist eine veritable Entdeckung.»

Château d’Escurac 2014 Haut-Médoc AC Fr. 14.95/75 cl, Fr. 89.70 pro Karton à 6 Flaschen, Trinkreife 2022–2034.

 

CHÂTEAU PIERRE 1ER

Nomen est omen
Die Rebberge von Château Pierre 1er liegen gegenüber jener des Château Figeac auf einer Kuppe mit optimalem Wasserabzug. Nicht zuletzt deshalb werden hier jedes Jahr sehr reife Trauben geerntet und verarbeitet. Der 58-jährige Besitzer Jean Dutreuilh geht für die Vinifizierung auf Nummer sicher und arbeitet seit Jahren mit dem grossen Bordeaux-Spezialisten Michel Rolland zusammen. «Die Weine sind voll strukuriert, aber finessenreich und machen in jedem Reifestadium, ob jung, angereift oder gereift, viel Spass. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist deshalb aussergewöhnlich», hält Jan Schwarzenbach fest. In einem jahrelangen Gerichtsverfahren hat das Château Figeac, das «Figeac» exklusiv für sich beansprucht, erzwungen, dass sich auch Château Croix Figeac nicht mehr so nennen darf. Croix Figeac firmiert nun also als Château Pierre 1er.

Château Pierre 1er 2014 St. Emilion AC Grand Cru Fr. 14.95/75 cl, Fr. 89.70 pro Karton à 6 Flaschen, Trinkreife 2019–2029.

 

Dieses Jahr hatten die Coop-Weinexperten eine ganz besondere Mission. Önologe Jan Schwarzenbach und die Einkäufer Caroline Dessort und Ludovic Zimmermann machten sich auf, um unbekanntere Bordeaux-Perlen zu finden. Keine einfache Aufgabe, denn das Bordelais im Südwesten Frankreichs umfasst 121 000 Hektar Reben.  Im Wallis, dem grössten Weinbaukanton der Schweiz, sind es im Vergleich dazu nur 5100 Hektar. Doch allzu mühselig kann die Reise nicht gewesen sein. «Wir degustierten einige hervorragende Weine», sagt Jan Schwarzenbach. «Der 2014er ist ein toller, ausgewogener, frischer und langlebiger Jahrgang. Viele Weingüter konnten vom warmen, trockenen Herbst profitieren.»

 
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Entdeckung im Médoc

Auf der Suche nach Trouvaillen ist das Team im Médoc, eine Autostunde von der Stadt Bordeaux entfernt, fündig geworden: In Saint Yzans du Médoc liegt das Weingut Château Fleur La Mothe. Seit 2008 gehört es den drei Önologen Edouard Massie, Antoi-ne Medeville und Henri Boyer. Von insgesamt 25 Hektar des Besitzes erwarben sie die 15 Hektar der besten Lagen auf einem Hochplateau. Ihr Kellermeister Jean Luc Labaisse besorgt mit drei Mitarbeitern das Tagesgeschäft in den Reben und im Keller. Denn die «drei Musketiere» besitzen mit einem weiteren Partner noch einen anderen Geschäftszweig: das 1990 gegründete Labor «Oeno-conseil». Die Firma ist auf Hygiene, Reifeprüfungen, Analysen, Kontrollen und Beratungen spezialisiert. Unter ihren 250 Kunden finden sich berühmte Namen wie Château Lynch-Bages, Château d’Yquem, Château Calon-Ségur und Château Léo-ville-Poyferré.

«Dass wir selber auch Weine keltern, hat bei unseren Kunden eine zusätzliche Akzeptanz bewirkt», sagt Antoine Medeville. «Unser Austausch ist persönlicher und konkreter geworden, weil wir die gleichen Probleme und Sorgen, aber auch die Freuden und die Liebe zum Wein teilen». Auch Jan Schwarzenbach ist überzeugt: «Château Fleur La Mothe ist etwas ganz Besonderes. Die drei haben im gleichen Jahrgang das Önologie-Studium in Bordeaux abgeschlossen und setzen auf Fleur La Mothe ihre Erfahrung und ihr Wissen mit viel Engagement in die Praxis um.» Die Affinität zum Wein haben die drei schon lange. Die Eltern von Henri Boyer sind Winzer und er selber hat als 5-Jähriger die ersten Tropfen Wein gekostet: «mit dem Finger vom Glasrand», erzählt er lachend. Edouard Massies Vater war Courtier, er degustierte Weine für die Händler. Er liess seinen Sohn schon mit elf Jahren Primeurweine probieren. Und Antoine Medeville erinnert sich: «Ich war 13-jährig, als ich mit dem Vater von Henri Boyer einen Château d’Yquem Jahrgang 1929 verkosten durfte.»

Ein Traum erfüllt

Wichtig ist den Dreien auch der Respekt für die Natur und das damit einhergehende grössere  Quantum an Handarbeit. «Letztes Jahr haben wir Tausende von Schnecken von Hand aus den Reben entfernt», erzählt Henri Boyer. Für sie alle hat sich mit der Übernahme von Château Fleur La Mothe, das  zuvor während vier Generationen im Besitz einer Familie war, ein Traum erfüllt. «Unsere Arbeit wurde noch spannender und unsere Partnerschaft noch enger», sagt Edouard Massie. «Einziger Nachteil ist, dass meine Frau mir manchmal sagen muss, dass ich fast mehr Zeit mit meinen Geschäftspartnern verbringe als mit ihr.» Doch wer Ale-xandre Dumas gelesen hat, weiss, dass dies bei Muske-tieren gang und gäbe ist. Und wer die Weine der drei degustiert, weiss ebenfalls, dass die Zeit auf Fleur La Mothe gut investiert ist.

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Nadine Bauer

Redaktorin

Text:
Sophie Dürrenmatt
Foto:
Olivier Maire, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 15.06.2015, 17:01 Uhr

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