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Fast schon golden wirken die feinen Staubfäden der Kamelienblüte.









Pflanzen gegen den Winterblues

Um den grauen Januartagen zu entfliehen, schwelgt Sabine Reber in südlichen Pflanzenträumen – sie bewundert ihre blühenden Kamelien und zieht aus Kernen Zitrusbäumchen.

Kamelien üben seit jeher eine grosse Faszination auf mich aus: ihre ledrigen Blätter – ihre runden, prallen Blütenknospen – verschmitzte Äuglein, aus denen sich prächtige, oft handtellergrosse Blüten entfalten, rot, rosarot, weiss, manche sogar gestreift, oh, wie schön! Die einfachen und halb gefüllten Sorten haben oft Staubfäden von reinstem Gold. Ganz besonders bewundere ich aber die gefüllten Sorten, die Anordnung ihrer Blütenblätter ist so harmonisch, ihre Proportionen sind perfekt, ja, die Blüten sind oft geradezu makellos und von fast überirdischer Schönheit. Kein Wunder, dass sie in asiatischen Religionen seit jeher verehrt werden. Sowohl im Buddhismus als auch bei Konfuzius gilt die Kamelie als Baum der Götter. Aus ihrem Holz werden Schreine und Zepter geschnitzt.

Das Wunderbarste an den Kamelien ist natürlich, dass sie bei uns zu einer Zeit blühen, wo draussen alles grau und unfreundlich ist. Und ja, im Prinzip gedeihen sie auch als Hauspflanzen. Ideal ist ein kühles, helles Zimmer mit 10 bis 14 Grad. Wer ein kaltes Schlafzimmer hat, halte dort eine Kamelie – was gibt es Besseres, als beim Aufwachen an einem tristen Januarmorgen erst einmal die üppigen Blüten wahrzunehmen! Auch im Treppenhaus gedeihen sie, wenn es dort hell und nicht zu zugig ist. Bei Durchzug verlieren sie leicht die Knospen. Ideal ist natürlich ein kalter Wintergarten, wo sich auch grössere Exemplare prächtig entfalten können. Den Sommer über dürfen die Kamelien dann nach draussen. Sie sollten im Halbschatten stehen und niemals austrocknen, sonst lassen sie die Blütenknospen gleich fallen. Das Giessen ist sowieso ein heikler Punkt. Man gönne ihnen stets Regenwasser, kalkhaltiges Leitungswasser mögen sie gar nicht. Auch das Substrat sollte eher sauer sein. Ideal ist handelsübliche Rhododendronerde.

Im Weinbaugebiet an geschützter Lage können etliche Sorten auch ins Freiland gepflanzt werden, wobei aber der Boden nicht zu kalkhaltig sein darf, und ausserdem muss stets für genügend Feuchtigkeit gesorgt werden. In den meisten Gärten gelingt die Kultur im Topf daher besser. Theoretisch ist es aber auch möglich, Kamelien in kühleren Gegenden draussen zu überwintern, indem man sie wie Palmen einpackt. Sie blühen dann im Frühling.
Kamelien gehören zur Gattung der Teegewächse, Theacea. Die Wildformen kommen hauptsächlich entlang dem Wendekreis des Krebses vor – von Bangladesch über den Südwesten Chinas bis Taiwan, wo sie im Halbschatten des Unterholzes wachsen. Darum sollten sie auch bei uns stets im Schutz von Mauern, Hecken oder immergrünen Bäumen gepflanzt werden. Im Tessin sieht man sie oft an voller Sonne, aber dann bekommen die Blüten rasch braune Flecken und halten nicht sehr lange.
Der eigentliche Teestrauch ist Camellia sinensis, aus dessen fermentierten Blättern der Schwarztee stammt. Auch zur Gewinnung von Öl aus den Samen (Camellia oleifera) und Parfum (einige Sorten duften sehr intensiv) kommt ihnen im asiatischen Raum wirtschaftliche Bedeutung zu.
Im 16. Jahrhundert brachten portugiesische Seefahrer die ersten Kamelien nach Europa. Noch heute findet man in Portugal jahrhundertealte, riesengrosse Kamelien. Besonders eindrucksvoll sind die zehn Meter hohen geschnittenen Kameliensäulen von Casa do Campo. Die wohl berühmteste historische Kamelie steht im Schlosspark Dresden-Pillnitz, sie ist an die 13 Meter hoch und hat ein fahrbares, beheizbares Überwinterungsgewächshaus.

Ihre Hochblüte hatten die Kamelien im 19. Jahrhundert, als über 2000 Sorten im Handel waren. Damals schwärmte das aufkommende Bürgertum für alles Exotische, insbesondere Fernöstliche, was sich auch in den Chinoiserien der Biedermeierzeit widerspiegelte. Kamelien schmückten als Topfpflanzen die Salons und Wintergärten jener Epoche. Im viktorianischen England wurden sie auch gern als Knopflochblüten getragen, ebenso in deutschen Ballsälen, wo mit einer Kamelie am Revers und im Haar der Damen Walzer getanzt wurde. Aus jener Zeit stammt auch «Die Kameliendame» von Alexandre Dumas. Die Hauptfigur des Romans erschien jeden Abend mit einem Kamelienstrauss an einem gesellschaftlichen Anlass, 25 Tage nacheinander waren es weisse Kamelien und fünf Tage lang rote, und gab ihren Verehrern so einen Hinweis auf ihre Verfügbarkeit. Wer keinen geeigneten Raum hat, um Kamelien im Topf zu ziehen, kann immerhin ein paar Zweige mit Knospen kaufen und sie in der Vase geniessen. Sie halten recht lange, und im Winter gibt es kaum einen schöneren Blumenstrauss als ein Bündel blühender Kamelienzweige.

Jetzt ist genau die richtige Zeit, um Kerne von Zitronen, Mandarinen oder Orangen einzupflanzen. Im Sommer stehen dann kleine Zitrusbäumchen auf dem Balkon.

Jetzt ist genau die richtige Zeit, um Kerne von Zitronen, Mandarinen oder Orangen einzupflanzen. Im Sommer stehen dann kleine Zitrusbäumchen auf dem Balkon.
Jetzt ist genau die richtige Zeit, um Kerne von Zitronen, Mandarinen oder Orangen einzupflanzen. Im Sommer stehen dann kleine Zitrusbäumchen auf dem Balkon.

Ausserdem säen wir in diesen Wochen die Kerne von Zitronen, Mandarinchen und Orangen. Jetzt im Januar gedeihen sie besonders gut. Wir drücken jeweils ein paar Kerne in kleine Töpfe mit Rhododendronerde. Zitruspflanzen schätzen wie die Kamelien saures Substrat, und auf jeden Fall kalkfreies Wasser. Am einfachsten gedeihen die Kerne von Bio-Mandarinchen, die im neuen Jahr oft schon grün gefärbt sind und so aussehen, als wollten sie gleich loslegen. Diese Kerne keimen eigentlich immer. Auch mit Zitronen klappt es meist ganz gut. Orangen und Grapefruits sind je nach Sorte etwas schwieriger, aber ein Versuch lohnt sich allemal. Die Töpfchen kommen auf einen hellen Fenstersims und werden stets feucht gehalten. Bis im Frühling wachsen kleine Zitrusbäumchen heran, die dann den Sommer über auch gerne draussen stehen können – im Gegensatz zu den Kamelien stehen sie auch gern an der prallen Sonne, wenn man sie erst einmal daran gewöhnt hat. Mit etwas Glück bringt man sie nach einigen Jahren zum Blühen. Ein Zitrusbäumchen in voller Blüte zaubert den konzentrierten Duft des Südens in die Wohnung. Glücklich, wer ein gutes Plätzchen hat für Kamelien sowie Mandarinchen-, Zitronen- und Orangenbäumchen! Mit Duft, Farbe und Vitaminen sind sie eines der besten Mittel gegen den Winterblues diesseits des Gotthards.

Für den Januar

  • Werkzeug aufräumen und putzen.
  • Rasenmäher und andere Geräte jetzt in die Reparatur bringen.
  • Töpfe und Plastikkübel reinigen und für den Frühling bereitstellen.
  • Gewächshaus aufräumen und putzen. Saubere Scheiben lassen viel mehr Licht durch!
  • Den Gemüsegarten planen und sich überlegen, wie man die Blumenbeete im neuen Jahr gestalten möchte.
  • Kataloge studieren undaatgut bestellen, Saatgut vom letzten Jahr sortieren und testen, ob die alten Samen noch keimen.
  • Schnee von Buchskugeln und anderen immergrünen Gehölzen schütteln, damit sie nicht erdrückt werden. Immergrüne Pflanzen giessen, wann immer der Boden nicht gefroren ist. Sie brauchen auch im Winter Wasser.
  • Zimmerpflanzen pflegen, die meisten Pflanzen schätzen es, wenn sie im trockenen Heizungsklima mit Wasser besprüht werden.
  • Kübelpflanzen im Winterquartier spärlich giessen und regelmässig auf Schädlinge und Fäulnis überprüfen.

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Sabine Reber

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Foto:
Stöh Grünig, iStockphoto
Veröffentlicht:
Dienstag 03.01.2012, 23:00 Uhr

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