Die Muskeln waren 1974 sein wichtigstes Markenzeichen, doch Arnold Schwarzenegger ist auch heute noch mächtig fit: «Ich trainiere täglich mit Gewichten.»

Pfundskerl: Arnold Schwarzenegger

Arnold Schwarzenegger packt für die Umwelt an und erzählt im Exklusiv-Interview, wie er in Hollywood trotz steirischem Akzent Karriere machte.

«Ich bekam zu hören: Mit diesem Akzent kriegst du nie eine Hauptrolle!»

«Ich bekam zu hören: Mit diesem Akzent kriegst du nie eine Hauptrolle!»
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Er ist ein Koloss des Showbusiness und der Politik: Arnold Schwarzenegger, Extrem-Österreicher und amerikanischer Vorzeige-Einwan-
derer. Am 30. Juli wird der Leinwand-Terminator 70 Jahre alt. Wir haben ihn in Cannes getroffen, wo er mit Jean-Michel Cousteau, Sohn der Taucherlegende Jacques Cousteau, den Film «Wonders of the Sea» präsentierte; es handelt sich dabei um ein spektakuläres 3-D-Abenteuer über das zauberhafte Leben der Ozean-Wesen. «Arnie» ist darin als Erzähler mit unverkennbar austro-amerikanischem Slang zu hören..

Arnold Schwarzenegger, Sie haben oft als Actionheld die Welt gerettet. Wollen Sie nun in der Ära Trump die Weltmeere retten?
Ich bin schon seit einiger Zeit auf einem Kreuzzug für den Umweltschutz unterwegs. Ich hatte das Glück, dass mein Neffe, ein Anwalt in der Unterhaltungsbranche, auf dieses Filmprojekt von Cousteau stiess. Er meinte, ich müsse mir das unbedingt anschauen, die Bilder seien unfassbar schön, der 3-D-Film würde mich umhauen. Einen Monat später sah ich ihn und verliebte mich tatsächlich sofort in ihn.

Verstehen Sie sich heute eher als politischer Aktivist oder als Schauspieler?
Ich bin einfach jemand, der sich leidenschaftlich für eine Sache begeistert und engagiert. Früher waren das Gewichtheben und Bodybuilding, jetzt ist es die Umwelt. Ich möchte, dass Menschen begreifen, dass es in ihrer Hand liegt, unsere Natur zu schützen. Wir dürfen nicht warten, dass Regierungen etwas unternehmen, sondern es selbst in die Hand nehmen.

Schade nur, dass wir Sie selbst nie tauchen sehen!
Ich mache lieber den Job über Wasser, nämlich, die Botschaft des Films zu verbreiten!

Könnte nicht auch eines Ihrer Actionspektakel eine konstruktive Botschaft haben, wie «Terminator 6 rettet das Great Barrier Reef»?
Solche Filme sollte man nicht für Themen dieser Art nutzen, glauben Sie mir! «Wonders of the Sea» schafft es viel besser, uns die Schönheit der Natur vor Augen zu führen, sodass du dich für ihren Schutz einsetzen möchtest.

Sie werden am 30. Juli 70 Jahre alt. Ist das zunehmende Alter ein Grund, warum Sie sich stärker um den Planeten sorgen?
Gegenfrage: Sehe ich wie jemand aus, der sich Sorgen macht? (Lacht.) Ich mache mir nie Sorgen! Anstatt mich zu sorgen oder laut zu jammern, stehe ich lieber auf und handele. Das rate ich auch jedem: «Ändere doch selbst etwas!» Im Schwarzenegger-Institut bringen wir Kindern bei, dass es nicht reicht, sich nur Wissen über Umweltschutz anzueignen – bevor man nicht aktiv wird und etwas tut, wird sich nichts ändern! Das ist mein Motto: Man muss aufstehen und sich die Hände dreckig machen – dann passiert auch was! Jean-Michel Cousteau ist genau so gestrickt: Er hat die Liebe zum Meer von seinem Vater Jacques geerbt und will es schützen. Also hat er fünf Jahre lang unter Wasser gedreht, um etwas in Gang zu bringen. In diesem Mann steckt viel Leidenschaft!

Was hat Sie so hingerissen, dass Sie den Film in breitestem Arnie-Steirisch kommentieren?
Die Botschaft zugunsten der Natur. Die Ozeane versorgen uns ja mit 50 Prozent unserer Nahrung und unseres Sauerstoffes. Also habe ich Cousteau und seine Leute kontaktiert, wir haben die Erzählertexte geschrieben und sie aufgenommen. Dann hiess es plötzlich, der Film komme nach Cannes!

Was verbinden Sie mit dem wichtigsten Filmfestival der Welt, das – wie Sie auch – dieses Jahr ebenfalls seinen 70. Geburtstag feiert?
Ich war genau vor 40 Jahren das erste Mal hier, mit «Pumping Iron», und der wurde sehr erfolgreich. Daher dachte ich: «Wunderbar, in Cannes bekommt ein Film den besten Start!» Bisher sind die Reaktionen grossartig, Interessenten aus allen Ländern wollen den Film kaufen. «Wonders of the Sea» zielt auch darauf ab, Menschen in aller Welt für den Meeresschutz zu gewinnen. Jacques Cousteau hat immer gesagt: «Du schützt das, was du liebst.» Wir möchten erreichen, dass sich die Leute durch den Film für das Leben unter Wasser begeistern. Und es schützen.

«

Ich rate jedem: Ändere selbst etwas, statt zu jammern.»

Sie legen Umweltschutz in die Hand der Menschen, nicht der Politiker? Ahnten Sie, dass Trump aus dem Klimavertrag von Paris aussteigen würde?
Amerika ist ja auch nicht nur Donald Trump. Wir verlassen uns auf diesem Planeten glücklicherweise nicht nur auf eine Person – sondern auf eine Erdbevölkerung von über sieben Milliarden Menschen. Jede erfolgreiche Initiative ist immer aus Bewegungen innerhalb des Volkes entstanden, nicht aus der Macht des Kapitals. Bisher kam keine grandiose Idee aus der Ecke des Kapitals, soweit ich weiss – und ich kenne mich in Geschichte etwas aus!

Sie waren von 2003 bis 2011 Gouverneur von Kalifornien. Haben Sie als Politprofi genug für die Umwelt getan?
Als ich das Amt übernahm, hatte ich das Glück, gute Nachhilfe von richtig guten Leuten zu bekommen, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Denn ich hatte eigentlich gar nicht viel Ahnung von diesen ganzen Themen. Aber die Ratgeber waren grossartig. Daher arbeitete ich mit den Demokraten zusammen und setzte mit ihnen in Kalifornien die härtesten Umweltschutzgesetze der USA durch. Wir zogen sogar gegen die Bundesbehörde vor Gericht, weil sie sich uns in den Weg stellte. Damals war George W. Bush noch amtierender Präsident. Wir gingen bis zum Obersten Gerichtshof, ich verklagte also meine eigene Partei. Doch es lohnte sich: Sie verloren, wir gewannen. Darum ist Kalifornien bis heute führend im Umweltschutz der USA. Man darf ein Nein nie akzeptieren.

Was bestürzt Sie am meisten?
Dass jährlich sieben Millionen Menschen an Umweltverschmutzung sterben, weil wir nicht von den fossilen Brennstoffen wegkommen. Die Klimaveränderung ist auch eine grosse Gefahr für die Zukunft. Über Amokläufe und Terroranschläge wird viel geredet, doch kaum über die viel grössere Zahl an Toten, die durch Umweltverschmutzung sterben.

Auch Al Gore hat zum zweiten Mal mit einem Film «Ein unbequemes Sequel» vor dem Klimawandel gewarnt und bietet Lösungen an. Wie ist Ihr Verhältnis zum Ex-Vizepräsidenten von Bill Clinton?
Ich habe mich gerade gestern mit ihm unterhalten. Al Gore ist ein grossartiger Kerl, klug, engagiert, passioniert – ich bewundere ihn seit Jahren. Er leistet hervorragende Arbeit. Unsere Organisationen operieren unabhängig voneinander, trotzdem, darüber sprachen wir gestern, verfolgen wir dieselben Ziele: Wir wollen die fossile Energie loswerden, wollen moderne Technologie verwenden, um die Erde zu einem besseren Ort zu machen.

Wenn Sie sich jetzt noch einmal für ein politisches Amt zur Wahl stellen würden, würden Sie dann für die Demokraten antreten?
Warum sollte ich das tun? Ich bin Anhänger anderer Prinzipien als die Demokraten. Doch in Umweltangelegenheiten atmen Republikaner und Demokraten dieselbe Luft und trinken dasselbe Wasser und leben auf demselben Planeten, oder nicht? Die Parteien tun nur so, als ob das Thema ihnen gehört. Das ist halt Teil des Politgeschäfts, nur sollten Bürger auf diesen Mist nicht hereinfallen: Umwelt geht uns alle an, genau so wie Erziehung, Haushalts- und Aussenpolitik. Diese Themen gehören den Menschen. Die Politiker müssen verstehen, dass sie sich bei allen parteipolitischen Unterschieden zusammensetzen müssen, um für diese Bereiche gemeinsame Lösungen zu finden. Das hat Vorrang.

Einigen Ländern zum Beispiel in Mittelamerika ist es wichtiger, die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen, als sich um die Umwelt zu kümmern. Wie gewinnt man die für Naturschutz?
Das eine schliesst doch das andere nicht aus! Würde Kalifornien sonst auch wirtschaftlich an der Spitze der US-Bundesstaaten liegen? Das Wirtschaftswachstum von Kalifornien lag im letzten Quartal bei fünf Prozent, das der gesamten USA nur bei 0,7. Wir stehen sogar besser da als die beiden Bundesstaaten zusammen, die an Platz 2 und 3 stehen! Wäre das möglich, wenn wir nicht die härtesten Umweltschutzgesetze haben? Ganz klar: Nein! Gerade damit ist es uns doch gelungen, neue, «grüne» Arbeitsplätze zu schaffen! Jobs im Umweltsektor sind die gefragtesten, kein anderer Wirtschaftsbereich bietet so viele Arbeitsplätze an. Und gesünder sind diese Jobs obendrein! Wir brauchen keine Bergarbeiter mehr, die Kohle fördern und unter Tage ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Kalifornien hat umweltpolitisch die Nase vorn und wirtschaftlich – daher kann es stolz auf sich sein.

Würden Sie eine Abspaltung Kaliforniens von den USA unterstützen?
Warum sollte ich? Amerika ist das grossartigste Land der Welt. Wir haben unsere Probleme, aber die haben wir bisher immer lösen können.  Ob Watergate oder den Wahnsinn in den 60er Jahren – wir haben es immer recht unbeschadet überstanden.

Fühlen Sie sich wie die Verkörperung des Amerikanischen Traums?
Auf jeden Fall!

Haben Sie gezielt auf Ihren Erfolg in den USA hingearbeitet?
Es hat sich eher so ergeben. Ich wollte meine Träume leben, und Amerika erwies sich für mich als ein Land, in dem du das machen kannst – wenn du genügend Willenskraft mitbringst. Für meine Wünsche war Amerika perfekt. Ich wollte Weltmeister im Bodybuilding und dann Schauspieler werden. «Muscle Beach» befindet sich nun mal in Kalifornien, Hollywood ist auch dort. Also ging ich dorthin.

Halten Sie die USA nach wie vor für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
Absolut! Ein Grund dafür ist auch, dass die Menschen in Amerika dir deinen Erfolg nicht neiden. Wenn du ihnen erzählst, dass du gerade deine erste Million verdient hast, würde dir keiner den Wagen zerkratzen. Nein, sie freuen sich für dich und feiern mit dir.

Haben Sie das selbst so erlebt, als Sie Millionär wurden?
Ja, ich hatte ein Haus für 200'000 Dollar gekauft und hörte am Telefon, dass es über eine Million wert sei. Das ging durch den Lautsprecher: «Alle mal herhören, Schwarzenegger ist gerade Millionär geworden!» Ich stand im Fitness-Center, um mich herum 25 Leute, die mit mir feierten. Die Leute lassen sich durch deinen Erfolg inspirieren. Hier ist in Europ hingegen fährt jemand lieber mit einem älteren Auto durch die Gegend, bevor er sein neues zu zeigen wagt.

Ihr Dialekt ist auch nach knapp 50 Jahren USA unverändert. Ist Ihr steirischer Akzent mittlerweile kein Nachteil mehr?
Zu Anfang bekam ich in Hollywood immer sofort zu hören: «Vergiss das Filmgeschäft. Mit so einem Akzent kriegst Du nie eine Hauptrolle!» Es hiess auch immer, dass mein Körper zu bullig war – in den Siebzigern waren Typen wie Dustin Hoffman, Al Pacino und Woody Allen angesagt. «Das sind die neuen Sexsymbole!», hiess es, und ich dachte nur: «Gütiger Himmel…». Mein Akzent wurde bei Castings gern zum Schluss erwähnt: «Wenn Du redest, rollen sich mir die Fussnägel hoch. Für eine Nebenrolle als Nazi-Offizier haut Dein Akzent vielleicht mal hin, aber alles andere ist ausgeschlossen.» Ich musste gegen viel negatives Feedback kämpfen!

Ihr Durchbruch kam 1982 als Conan, der Barbar. Waren die Kritiker dann stumm?
Der «Conan»-Regisseur John Milius hat auf einer Pressekonferenz mal gesagt: «Wenn es Schwarzenegger nicht gäbe, hätten wir ihn uns bauen müssen.» Ab dann war mein Körper immer ein grosses Plus.  Ein paar Jahre später sagte James Cameron bei der «Terminator»-Premiere: «Was diesen Film so glaubhaft macht, ist, dass Arnold wie eine Maschine redet.» (Lacht schallend.)

Das klingt aber gar nicht nach einem Kompliment...
Damit hat er mir bescheinigt, dass ich anders als jeder andere spreche. Seitdem galt mein Akzent plötzlich als «akzeptabel» und und später sogar als «hip». Mit einem Mal entwickelten sich meine Filmsätze zu den häufigsten Filmzitaten, gerade wegen meines Akzents. Ich sprach den Text ja nicht nur anders aus, sondern vieles auch einfach falsch. «It’s not a doumer» statt «It’s not a tumour». Aber das sorgte eben für Lacher, die Kids liebten das, also blieb deswegen so im Film. Und ich musste das Wort jedes Mal wieder genau so aussprechen.

Kultivieren Sie Ihren Ösi-Akzent sogar? Könnten Sie längst perfektes Amerikanisch sprechen, wollen es aber gar nicht mehr?
Nein, dieser Akzent kommt ganz natürlich aus mir raus, dazu muss ich mich nicht anstrengen! (Lacht.) Er ist wirklich zu meinem Markenzeichen geworden. Die Leute erkennen mich an meiner Stimme, noch bevor sie mich um die Ecke biegen sehen.

Träumen Sie auf Deutsch oder auf Englisch?
Sowohl als auch. Alles, was mit dem Sprechen zu tun hat, spielt sich bei mir auf Englisch ab. Doch wenn es um Zahlen geht, wechsle ich automatisch ins Deutsche! Ich war schon als Kind gut in Mathematik, weil meine Eltern mich immer wieder abfragten. Als Gouverneur rechnete ich in den Budgetverhandlungen immer im Kopf mit, ob die angegebenen Einschätzungen auch stimmen. Da war ich meist fixer und genauer als die mit den Taschenrechnern! Alles mit Zahlen spielt sich ausschliesslich auf Deutsch bei mir ab!

Hand aufs Herz: Was halten Sie persönlich von Donald Trump? Im März sind Sie ja schon mit ihm aneinandergeraten, als er Ihre TV-Moderation von «The Apprentice» schlecht machte und Sie konterten, Sie könnten ja die Jobs tauschen, mit Ihnen als Präsident könnten die Amis wieder besser schlafen.
Ich habe ihn zwar nicht gewählt, trotzdem nehme ich mir aber die Freiheit, ihn zu kritisieren, wenn er meines Erachtens nach einen Fehler macht.

Wann war das der Fall?
Ich habe ihn angegriffen, als er 1,2 Milliarden Dollar für Nachmittagsbetreuung der Kids einsparen wollte. Dafür hatte ich mich zuvor 25 Jahre lang besonders engagiert, da halte ich dann ja nicht still. Das zeigte Wirkung, weil die Presse und Social Media es entsprechend. Jetzt ist der Posten wieder im Budget drin. Genauso werde ich vorgehen, wenn er etwas Falsches in Sachen Umweltschutz vorhat. Wenn ich an etwas glaube, werde ich immer meine Stimme dafür erheben.

Doch in erster Linie wünschen Sie Trump Erfolg?
Ja, weil ich möchte, dass Amerika erfolgreich ist. Es gibt weltweit so viele Probleme, die nur von uns gemeinsam gelöst werden können. Dazu brauchen wir Stärke – aber auch etwas mehr Tiefe. Um unsere Probleme zu verstehen, muss man schon in die Tiefe der Materie einsteigen. Unsere Welt ist heute nun mal sehr komplex.

Ist das ein Rat an Donald Trump, sich besser und ernsthafter zu informieren?
Ich habe als Gouverneur damals sehr schnell gemerkt, dass alle Themen eine viel tiefere Dimension haben, als man erst mal annimmt. Erst, wenn Du auf so einem Stuhl sitzt, begreifst Du, dass die Dinge viel weitreichendere Auswirkungen mit sich bringen können, als du je gedacht hast. Du musst dich gründlich mit dem ganzen Hintergrund, der Geschichte des Themas und seinen religiösen, politischen, sozialen Aspekten befassen. Ich hoffe, dass jemand, der neu ist in der Politik und so ein Amt bekleidet, das ebenso realisiert: Dass er lesen, sich informieren und recherchieren muss. Dass er gute Berater um sich schart. Ich hatte immer Leute um mich, die sehr viel klüger waren als ich.

Sie selbst sind also erst im Amt zum Politiker gereift?
Ich sass jeden Tag bis ein Uhr nachts im Wohnzimmer am Kamin und bildete mich weiter. Denn es ist eine überwältigende Herausforderung – so ein Amt bringt eine grosse Verantwortung mit sich. Im Wahlkampf macht’s noch riesigen Spaß, es allen zeigen zu wollen und sie alle zu zerquetscnen. Was hatte ich eine Gaudi, ihnen zu zeigen, dass ein Bodybuilder Gouverneur werden kann! Doch im Amt muss man einen anderen Gang einlegen. Da ist das Spiel vorbei, da muss man ernst werden. Mir ist das zum Glück sehr schnell klar geworden. Aber diesen Lernprozess muss jeder selbst durchlaufen.

Was war Ihre spannendste Zeit: als Bodybuilder, Schauspieler oder Politiker?
Das Spannendste war sicher meine Zeit als Staatsbeamter. Ich habe wirklich versucht, dem Volk zu dienen. Politiker vertreten ja nicht per se das Allgemeinwohl einer Gesellschaft. Doch als staatliche Führungsperson kannst du politische Gruppierungen dazu bringen, für das Wohl der Öffentlichkeit Kompromisse einzugehen. Diese Möglichkeit hat mich besonders. Daher war der Job als Gouverneur der beste, den ich je hatte.

Haben Sie als Gouverneur das Filmgeschäft vermisst?
Als Politiker stehst du auch andauernd vor der Kamera! (Lacht.) Die Medien begleiten dich bei deiner Arbeit, du gibst regelmässig Pressekonferenzen – ich habe allerdings keine fiktiven Charaktere spielen müssen. Die Herausforderungen des Amtes haben mich so beansprucht, dass mir gar nicht die Zeit blieb, an meine Schauspielkarriere zu denken.

Warum gehen Sie es heute nicht langsamer an? Sind Sie ein Workaholic?
Das Ganze läuft ohne grosse Hektik ab. Ich habe einen guten Rhythmus gefunden. Ich bin nicht glücklich, wenn ich nichts zu tun habe. Arbeit bereitet mir grosse Freude.

Für wen ist es schwerer zu altern: für den Terminator oder Schwarzenegger?
Es ist in beiden Fällen kein Problem. Für den Terminator muss im Skript das Passende stehen, und im echten Leben muss ich mich fit halten. Ich trainiere jeden Tag mit Gewichten, absolviere ein Cardio-Programm mit Fahrradfahren und Schwimmen, im Winter laufe ich oft Ski. Ein Körper, der in Bewegung ist, bleibt nun mal besser in Form. Du lebst nicht länger, aber kannst dein Leben länger geniessen. Früher in Österreich habe ich Menschen mit 60 oft im Rollstuhl oder am Stock gesehen. Dank moderner Medizin kann dir ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden wie mir oder du wirst am Herzen operiert und kannst dich danach wieder ohne Einschränkungen bewegen. Ich kenne Leute, die noch mit über 80 Ski fahren.

Wenn Sie eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen könnten, welche Fehler würden Sie gern vermeiden?
Ich würde nichts ändern wollen. Ich bin glücklich mit meinem Leben und würde mit niemandem tauschen wollen. Wissen Sie, es ist offensichtlich, dass ich Fehler gemacht habe, was einige Entscheidungen angeht, die ich im Job und auch in meinem Privatleben getroffen habe. Aber wenn ich eine Zeitreise unternehmen dürfte, würde ich gern in die Zeit reisen, als in Ägypten die Pyramiden erbaut wurden. Diese Bauten faszinieren mich und es wird unendlich viel über sie spekuliert... Ich wäre gern dabei. So wüsste ich heute, welche Geheimnisse sich dort verbergen.

Arnold Schwarzenegger, 1947 in der Steiermark geboren, wanderte 1968 in die USA aus, wo er Fitnessgeräte und -nahrung vertrieb und als Immobilienmakler Millionär wurde. Von da an war «Arnie», wie ihn seine Fans nennen, nicht mehr zu stoppen: Er wurde Mister Universum, eroberte als Schauspieler Hollywood und machte als Gouverneur in Kalifornien Politik.

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Text:
Roberta Cohen
Foto:
George Long/Sports Illustrated/Getty Images, AFP.
Veröffentlicht:
Montag 10.07.2017, 11:00 Uhr

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