Säfte sind ihr (Berufs)-Leben: Nina Ardizzone.

Phänomenal: Superfood erobert die Schweiz

Ob exotisch oder einheimisch: Gewisse Lebensmittel gelten als besonders gesund. Experten erklären, was es mit dem Hype auf sich hat und wie Superfood uns zu besonderem Genuss verhilft.

Waldheidelbeere: Reich an Mangan. Ernährungsphysiologische Wirkung: Mangan schützt die Zellen vor oxidativem Stress.

Waldheidelbeere: Reich an Mangan. Ernährungsphysiologische Wirkung: Mangan schützt die Zellen vor oxidativem Stress.
http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Waldheidelbeere: Reich an Mangan. Ernährungsphysiologische Wirkung: Mangan schützt die Zellen vor oxidativem Stress.

Zuerst waren die Chiasamen. Dicht gefolgt von Quinoa und Matchapulver. Dann kamen die Açai- und die Gojibeeren, zuletzt auch die Aroniabeeren. Und in diesem Sommer haben Wissenschaftler einen weiteren Superfood gekürt: den Emmentaler Käse. In ihrer Studie weisen die Forscher der Korea University in Seoul auf die im Emmentaler enthaltenen Propionibakterien hin. Sie sollen einen guten Einfluss auf unser Immunsystem haben.

Kürbiskerne: Reich an Magnesium, Eisen, Zink. Ernährungsphysiologische Wirkung: Magnesium ist wichtig für die Muskelfunktion. Eisen spielt eine Rolle bei der Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin. Zink unterstützt die Fruchtbarkeit und Reproduktion.

Kürbiskerne: Reich an Magnesium, Eisen, Zink. Ernährungsphysiologische Wirkung: Magnesium ist wichtig für die Muskelfunktion. Eisen spielt eine Rolle bei der Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin. Zink unterstützt die Fruchtbarkeit und Reproduktion.
http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Kürbiskerne: Reich an Magnesium, Eisen, Zink. Ernährungsphysiologische Wirkung: Magnesium ist wichtig für die Muskelfunktion. Eisen spielt eine Rolle bei der Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin. Zink unterstützt die Fruchtbarkeit und Reproduktion.

Kathrin Seidel (35), Ernährungsexpertin bei Coop, winkt ab: «Emmentaler liefert zwar viele Proteine, als Superfood würde ich ihn aber trotzdem nicht bezeichnen.» Tatsächlich gibt es keine offizielle Definition oder gar eine gesetzliche Regelung dafür, was als Superfood gilt. «Bei Coop halten wir uns an den Leitsatz: Alle Lebensmittel sind ein Superfood, wenn sie reich an einem Vitamin, Mineralstoff oder sekundären Pflanzenstoff sind und dadurch einen hohen gesundheitlichen Nutzen mit sich bringen», sagt Seidel.

Was reichlich technisch klingt, wird mit einem Beispiel leicht verständlich: Federkohl übertrifft mit seinem Vitamin-C-Gehalt sogar die Orange um ein Dreifaches. Das Vitamin C trägt zu einer normalen Immunfunktion bei. Ergo gilt der Federkohl als Superfood. Trotzdem sollte man sich nicht nur davon ernähren: Ein Mix aus fünf Portionen Früchten und Gemüsen am Tag bleibt unerlässlich.

Voll im Saft dank Guarana und Co.

Champignons: Reich an Vitamin D, Vitamin B2, Kupfer. Ernährungsphysiologische Wirkung: Vitamin D ist für die Verwertung und Aufnahme von Calcium und die Erhaltung unseres Knochenbaus wichtig.

Champignons: Reich an Vitamin D, Vitamin B2, Kupfer. Ernährungsphysiologische Wirkung: Vitamin D ist für die Verwertung und Aufnahme von Calcium und die Erhaltung unseres Knochenbaus wichtig.
http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Champignons: Reich an Vitamin D, Vitamin B2, Kupfer. Ernährungsphysiologische Wirkung: Vitamin D ist für die Verwertung und Aufnahme von Calcium und die Erhaltung unseres Knochenbaus wichtig.

Szenenwechsel. Einen Guarana Booster, einen Spirulina Power oder einen Super Detox: Wer bei Nina Ardizzone (26) einen Fruchtsaft bestellen will, muss die Anzeigetafel genau studieren. Seit einem Jahr betreibt Ardizzone den Saftladen «U-Juice» in Zürich. Das ehemalige Model mixt Kreationen mit den Superfood-Pulvern. Und das mit Erfolg: «Die Kunden mögen die exotischen Zutaten und stellen dazu oft Fragen», sagt die St. Gallerin. Wenn jemand müde ist, empfiehlt sie etwa einen Saft mit Matchapulver: «Das macht schön wach!» Diese Erfahrung hat sie am eigenen Leib gemacht: Während ihres sechsmonatigen Aufenthalts in Tokio hat sie abends reichlich Matchasäfte getrunken – und konnte nachts nicht schlafen. Wen wunderts? Matcha ist zu feinstem Pulver zermahlener Grüntee. «Daher empfehle ich den Saft am Abend nicht mehr», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Früchte und Gemüse top

Lauch: Reich an Folsäure und Vitamin C. Ernährungsphysiologische Wirkung: Folsäure verringert die Müdigkeit und Ermüdung. Vitamin C stärkt das Immunsystem.

Lauch: Reich an Folsäure und Vitamin C. Ernährungsphysiologische Wirkung: Folsäure verringert die Müdigkeit und Ermüdung. Vitamin C stärkt das Immunsystem.
http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Lauch: Reich an Folsäure und Vitamin C. Ernährungsphysiologische Wirkung: Folsäure verringert die Müdigkeit und Ermüdung. Vitamin C stärkt das Immunsystem.

Ardizzone gewann vor zehn Jahren den Schönheitswettbewerb Elite Model Look. Als Gymnasiastin stand sie immer wieder vor der Kamera. Eine ausgewogene Ernährung war also schon immer wichtig für sie. Sie setzt im Alltag auf viel Früchte und Gemüse. Deshalb sieht sie ihre frischen Säfte als Ergänzung: «Sie sind voll mit Vitaminen und Mineralstoffen», sagt sie. «Die exotischen Zutaten geben den Drinks einen zusätzlichen Kick.»

Schon seit 13 Jahren im Gespräch

Mandarine: Reich an Vitamin C. Ernährungsphysiologische Wirkung: Vitamin C unterstützt die Kollagenbildung, trägt so zur Festigkeit von Bindegewebe, Knorpel und Knochen bei.

Mandarine: Reich an Vitamin C. Ernährungsphysiologische Wirkung: Vitamin C unterstützt die Kollagenbildung, trägt so zur Festigkeit von Bindegewebe, Knorpel und Knochen bei.
http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Mandarine: Reich an Vitamin C. Ernährungsphysiologische Wirkung: Vitamin C unterstützt die Kollagenbildung, trägt so zur Festigkeit von Bindegewebe, Knorpel und Knochen bei.

Auf der Suche nach einem neuen Kick durch Lebensmittel ist Simone Jones tagtäglich. Die 42-Jährige ist Trendscout und Produktentwicklerin bei Betty Bossi. Wann sie das erste Mal mit einem Superfood in Kontakt gekommen ist, kann sie nicht mehr genau benennen. Der Hype entstand bereits 2004 in Nordamerika.

Damals wurden die Superfruits – die Superfrüchte – ausgerufen. Damit einher ging der Trend zu Smoothies und Säften, und allmählich begannen auch seltene Getreidesorten und Beeren aus Südamerika, Asien und Afrika eine Rolle zu spielen. Mittlerweile finden sich auf der Foto-Plattform Instagram unter dem Hashtag #superfood über 2,5 Millionen Beiträge, unter dem vor allem im anglosächsischen Raum verwendeten #superfoods gar beinahe 1,5 Milliarden Fotos.

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«

Jeder Mensch will die beste Version seiner selbst sein.»

Simone Jones (42), Trendscout

Der Geschmack ist zentral

Für Simone Jones sind nicht nur das perfekte Arrangement des Essens, sondern primär die Zutaten wichtig. Ihren morgendlichen Porridge dekoriert sie saisonal unterschiedlich. Superfood verwendet sie nur punktuell: «Für mich steht der Geschmack im Vordergrund», erklärt sie. Denn: Das Aufkommen von unbekannten Lebensmitteln öffnet in der Küche völlig neue Möglichkeiten. Neue Geschmäcker würden neue Kombinationen erlauben. Klar, Superfoods hätten auch wertvolle Inhaltsstoffe, aber: Alleine durch deren Verzehr werde man nicht gesünder oder fitter. «Jeder Mensch will die beste Version seiner selbst sein», sagt die Kulinarik-Expertin. Hierfür bedürfe es allerdings auch Arbeit und Disziplin. «Dass es Lebensmittel gibt, die schlank und unsterblich machen, ist ein Ammenmärchen.» Dafür sei der menschliche Körper viel zu komplex.

Neuer Trend Hühnersuppe?

Kathrin Seidel (35), Ernährungsexpertin

Kathrin Seidel (35), Ernährungsexpertin
http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Kathrin Seidel (35), Ernährungsexpertin

Auf wie viele neue Superfoods sich unser Geschmackssinn noch freuen kann, ist offen. «Derzeit wird viel über pflanzliches Ausnahme-Essen gesprochen», sagt Gesundheitsexpertin Kathrin Seidel. Noch keinen Platz im Rampenlicht hätten hingegen die tierischen Superfoods: «Dabei stecken auch in einer Hühnersuppe, in einem Ei oder etwa in Fisch wichtige Nährstoffe», erklärt sie. Allmählich finde bei den Konsumenten zudem ein Umdenken statt: Etwa bei der Avocado, einem Superfood der ersten Stunde. «Da sie in der Produktion viel Wasser benötigt und für die Umwelt schädliche Monokulturen entstehen, hat sie an Beliebtheit eingebüsst», weiss Seidel. Dafür seien regionale und saisonale Produkte wieder stark gefragt: «Denn auch Sellerie, Krautstiele, Lauch und Rande sind echte Schweizer Superfoods!»

«Am Mittag ein Müesli, abends Fast Food»

http://www.coopzeitung.ch/Phaenomenal_+Superfood+erobert+die+Schweiz Phänomenal: Superfood erobert die Schweiz

Thomas Brunner (41) ist Professor für Konsumentenverhalten an der Berner Fachhochschule. Sein Fokus liegt auf dem Verhalten punkto Lebensmitteln.

Superfood ist omnipräsent. Wie erklären Sie sich das?
Der Megatrend bei Nahrungsmitteln lautet seit einigen Jahren: Gesundheit. Das kann ich etwa bei den Convenience-Produkten beobachten: Immer mehr ist dabei die Gesundheit zentral. Das Essen soll zwar möglichst bequem und schnell sein, doch bitte auch mit gesundem Inhalt. Superfoods schlagen nun genau in diese Kerbe: Sie versorgen uns mit vielen Vitaminen und Nährstoffen. Dabei verlangt der Trend dem Konsumenten ganz schön etwas ab.

Weil es Disziplin braucht?
Das natürlich auch. Aber das Anstrengende ist, dass alle paar Monate ein neues Produkt auf Social Media aufblitzt. Dieses will nun berücksichtigt und verköstigt werden. Da fällt es einem schwer, den Überblick zu behalten!

Somit sind die Leute bereits etwas Superfood-verdrossen?
Nein, das sicher nicht: Die Leute geniessen es, neue Lebensmittel in Form von Früchten, Gemüse und Körnern zu entdecken. Sie mixen auch gerne Alt mit Neu, das Bedürfnis nach Abwechslung beim Essen ist so gross wie nie zuvor.

Unsere Geschmacksknospen jubeln also. Probieren die Schweizer denn alle auch Neues aus?
Selbstverständlich hat sich die Globalisierung auch auf die Schweizer Konsumenten ausgewirkt. Ich habe zwar keine gesicherten Daten, aber ich denke, dass wir Schweizer offener geworden sind. Doch nach wie vor gilt: Es gibt nicht den Konsumenten schlechthin, wir ticken alle anders.

Einige setzen noch immer zum Zmittag auf Salat, andere auf Fast Food.
Das wäre der Klassiker. Was ich aber meine, ist vielschichtiger. Das Konsumentenverhalten bei Lebensmitteln ist oft hybrid, wir ernähren uns äusserst flexibel: Am Mittag ein Salat oder Müesli, abends Fast Food. So fällt es natürlich sehr schwer, verschiedene Ess-Muster trennscharf zu benennen. Aber das macht es für mich auch spannend: Mir wird die Arbeit nie ausgehen (lacht)!

Apropos Arbeit: Zu welchem Superfood greifen Sie im Alltag immer mal wieder?
Meine Favoritin ist derzeit die Heidelbeere.

Welche Vitamine brauchen wir?

Das ist gesetzlich geregelt

Die Formulierungen «hoher Gehalt an», «reich an» und «eine Quelle von» sind bei gewissen Lebensmitteln ausgewiesen. Im Fachjargon werden sie als «nährwertbezogene Auslobungen» bezeichnet. Sie dürfen nur dann verwendet werden, wenn in einem Lebensmittel mindestens 30 Prozent respektive bei «Quelle von» 15 Prozent der Referenzmenge enthalten sind. Die Referenzmenge bezieht sich dabei auf die tägliche Zufuhr an einem Vitamin oder Mineralstoff für einen Erwachsenen.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Substanzen wie Carotinoide, Flavanoide oder Phenolsäuren, welche dem Menschen keine Energie in Form von Kalorien liefern. In der Pflanze wirken sie als Farbstoff, Duftstoff, Botenstoff und Schutzstoff. Sie haben aber auch eine gesundheitsfördernde Wirkung für den Menschen. Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage sollen sie möglicherweise vor verschiedenen Krebsarten schützen und können dazu beitragen, die Blutgefässe zu erweitern und den Blutdruck zu senken. Weiterhin werden ihnen neurologische, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkungen zugesprochen.

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Carole Gröflin

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt - Illustrationen: Marta Spendowska
Veröffentlicht:
Montag 06.11.2017, 15:54 Uhr

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