Planlos indisch

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Schneider: Vor einer Weile hat Schreiber einen Indisch-Kochkurs besucht. Damals bat ich sie, mir das auch beizubringen, denn ich liebe indisches Curry.
Mit zwei Jahren Verspätung ist es endlich so weit. Schreiber zückt ihre Kursunterlagen aus dem Kochbuchregal und verteilt daraus verschiedene Zettel an mich und unsere zwei Töchter, denn es soll ein Familienkurs werden. Unsere Ältere liefert den passenden Sound – orientalische Chill-out-Klänge.

Die Jüngere wiegt Ingwer klein und ich bin für die Zwiebeln zuständig. «Behalte einen Schluck Wasser im Mund, dann brennts nicht in den Augen», sagt Schreiber in einem Ton, als hätte sie ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht als Kochkurse zu geben. «Und schön klein hacken, gell!», schiebt sie lehrerhaft hinterher. Derweil öffnet sie diverse Döschen und zerstösst den Inhalt im Mörser zu Pulver.

«

Sie erteilt Aufträge. Sie tut es etwas lehrerhaft.»

Trotz Wasser im Mund tränen meine Augen und ich sehe alles bloss verschwommen. Schreiber brät ihre Mischung aus Wasauchimmer im Öl an.

«Hmmm, wsmchstn?», nuschle ich.

«Ich würze.»

«Wmt?»

«Womit? Ach, etwas Kardamon, also nur die Kapseln von den Grünen, und Masala, da habe ich so eine Art Mischung vorher vorbereitet ...»

Vorbereitet? Ich dachte, wir machen das gemeinsam!

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Schreiber: Meine Familie bewundert meine Curry-Kochkünste, die ich im Lauf der Zeit weiterentwickelt und verfeinert habe. So verwende ich zum Beispiel mehr Ingwer als im Rezept, und das Huhn ersetze ich durch Tofu, den ich in einer selbst kreierten Gewürzmischung mariniere. Statt zu schwarzem Kardamon greife ich zum Kreuzkümmel.

«Wsnds?», fragt Schneider beim Anblick meiner Marinade.

«Kann ich nicht so genau erklären, ist eher intuitiv.»

Schneider spuckt das Wasser aus, schüttelt den Kopf, reibt sich die Augen, murmelt etwas und nimmt sich meine Unterlagen vor. «Hier steht doch alles ganz genau. Wieso machen wir das nicht so? Schritt für Schritt!»

«

Die Familie bewundert meine Curry-Kochkünste.»

«Weil ich das alles schon verbessert habe.»

«Verbessert? Du kochst, wie du Landkarten liest. Voll planlos!»

«Vertrau mir! Erstens habe ich den Weg noch immer gefunden und zweitens hat dir mein indisches Essen jedes Mal geschmeckt. Also jetzt nicht meckern, sondern her mit den Zwiebeln!»

Schneider mault was von «unmöglich» und reicht sie mir. Ich sehs sofort: Die Zwiebeln müssten vieeel feiner geschnitten werden! «Kannst gleich noch mal dahinter», sage ich, «und nicht vergessen: Wasser in den Mund.» Denn dann kann ich endlich ungestört weiterkochen.

Die Kolumnisten live mit ihrem neuen Programm «Mein Leben als Paar»: 23. Februar 2017, Hauptprobe in der Buchhandlung Haupt in Bern; Premiere am 2. März in Bronschhofen; Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 20.02.2017, 14:45 Uhr

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