Seit 25 Jahren sammeln wir PET. Jetzt können wir auch Plastikflaschen von Waschmitteln, Shampoos, Essig und Öl separat sammeln.

Plastikflaschen: Bitte nicht mehr wegwerfen

Neuerdings gehören Shampoo- oder Essigflaschen in die Sammlung. Nicht in den Kehricht. Möglich macht dies die schweizweit erste Sortieranlage für Plastikflaschen in Frauenfeld.  

Wir Schweizer sind Weltmeister im Wertstoffsammeln: Glas, Papier, Metall, PET – alles tragen wir brav zur Sammelstelle. Wir sind ja auch motiviert, denn dieser «Abfall» würde nur unseren gebührenpflichtigen Abfallsack unnötig füllen. An den Sammelstellen kann man dagegen alles gratis abgeben. Jetzt sind es nur noch die Waschmittel-, Shampoo-, Essig- und Ölflaschen, die unseren Gebührensack belasten. Oder besser: belasteten. Denn neu kann man auch diese Plastikflaschen getrennt entsorgen. In den Coop-Läden sind die entsprechenden Sammelstellen zum überwiegenden Teil bereits eingerichtet. Und wo nicht, dürfen sie übergangsweise zu den Milchflaschen (PE-Flaschen) geworfen werden. Möglich macht dies alles die erste vollautomatische Sortieranlage der Schweiz, die diese Woche in Frauenfeld TG offiziell eingeweiht wird. Sie entfernt Metall und andere Materialien, die nicht zum Kunststoff gehören, aus dem Sammelgut und sortiert die Gebinde nach Farbe und Material. «Wir erreichen eine Reinheit von 98 bis 99 Prozent», erklärt Firmenchef Cäsar Müller. Der so gewonnene Kunststoff wird als hochwertiger Rohstoff zu neuen Produkten weiterverarbeitet.

 
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Von Flasche zu Flasche

«Mittelfristiges Ziel ist natürlich, den Materialkreislauf dieser Flaschen zu schliessen, sodass aus Milch- oder Shampooflaschen am Ende wieder Milch- beziehungsweise Shampooflaschen werden,» sagt Müller, der zehn Millionen Franken in seine neue Anlage investiert hat. Gemeinsam mit Sohn Thomas leitet er den Betrieb, die Müller Recycling AG. Von den Sammelstellen in den Coop-Läden gelangen die Plastikflaschen – genauso wie die PET-Flaschen – separat in Ballen gepresst direkt in die Sortieranlage nach Frauenfeld. Durch die Pressung verringert sich das Volumen des Kunststoffs auf etwa zehn Prozent. Das ist wichtig, denn obschon die Ballen ökologisch per Bahn zur Firma kommen, soll ja Kunststoff, nicht Luft transportiert werden. In offenen Säcken hingegen werden nur jene Plastikflaschen angeliefert, die in unmittelbarer Nähe der Sortieranlage anfallen. Das Pressen einer Tonne Plastik kostet nämlich rund 50 Franken. «Das lohnt sich nicht bei kurzen Wegen», sagt Müller.

«

Wir erreichen eine Reinheit von 98 bis 99 Prozent.»

Cäsar Müller, Chef der Müller Recycling AG über die neue Plastiksortieranlage.

Und die Salamischale?

Fragt sich noch, weshalb man nur Plastikflaschen und nicht sämtlichen Kunststoff, etwa Fleisch- und Käseverpackungen, in die Plastiksammlung geben kann. Müller: «Das ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll.» Für die Wiederverwertung als Kunststoff seien diese Verpackungen derzeit nicht geeignet. Die Sortieranlage könne diese Materialien zwar problemlos aussortieren, am Ende landeten sie aber wieder als Restabfall in der Kehrichtverbrennung. «Dafür muss eine Salamischale nicht den Umweg über eine Sortieranlage machen», sagt Müller.

Der Kunststoffkreislauf: Plastik wird vielfältig verwertet

Plastik mit der Bezeichnung PE wird gereinigt wieder verarbeitet.

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Remo Nägeli, zVg, Grafik: Jacob Kadrmas
Veröffentlicht:
Montag 25.05.2015, 16:57 Uhr

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