Plattenbacken

Sie hilft beim Basteln und er landet einen Hit. 

Sybil Schreiber: Ich finde es wunderbar, wie unsere Kinder aus Abfall Kunst machen: Ich besitze ein Portemonnaie, das mal eine Milchpackung war. Meine Stifte stehen in einer Pelati-Dose, die wie Lillifees Schmuckschachtel funkelt, und an meinem Schlüsselanhänger baumeln Muscheln aus Caorle. Unsere Töchter sind ausgesprochen kreativ und verwerkeln eifrig Plunder, der sonst im Abfall landet. Ihr aktuelles Projekt: «Wir machen Schüsseln aus Platten.» 

«

Unsere Töchter verwerkeln eifrig Plunder.»

«Aus Platten?» «Ja, Mama, so ein Ding, mit dem ihr früher Musik gehört habt.» «Eine CD?» «Nein, noch viel, viel früher!», erklären sie. Ah! Sie meinen Langspielplatten. «Die tun wir dann im Ofen backen und formen.» Das haben sie offenbar im Internet recherchiert – und wenn sie auf eine Idee kommen, dann wollen sie diese auf der Stelle umsetzen. Mir fällt ein, dass wir im Schuppen noch die alten Platten von meinem Vater haben: verstaubte Jazz- und Klassikscheiben. Da wir keinen Plattenspieler mehr besitzen, greife ich mir die Oberste und gebe sie den Kindern. Hören tut die ja eh niemand mehr. Mein Vater wäre sicher beeindruckt, dass seine alten Platten fantasievoll weiterentwickelt werden. Auf diese Weise wird Wertloses wieder wertvoll.

Steven Schneider: Schreiber ruft mich am Nachmittag im Büro an, um zu plaudern. Dabei erzählt sie, dass unsere Töchter gerade eine originelle Bastelarbeit umsetzen. «Und dann legt man die im Ofen aufgeheizte Schallplatte über einen Topf, drückt sie rein und formt daraus eine Schüssel!» Aha. Ich weiss zwar nicht, wozu das nützlich sein soll, eine Schüssel mit einem Loch in der Mitte, aber Hauptsache, die Kinder haben Spass. «Weisst du, wir haben im Schopf eine Schachtel mit alten Schallplatten von meinem Vater», erzählt Schreiber weiter. «Wusste ich nicht», sage ich und frage, was für LPs das seien. 

«

So schnell habe ich noch nie 75 Dollar verdient!»

«Och, dies und das. Keine alten Rock-Scherben, die dich interessieren würden. Ich habe eine rausgesucht mit einem Violinkonzert von einem …», es raschelt, vermutlich greift sie nach dem LP-Cover, «… einem gewissen David Oistrakh.» Nie gehört – aber nachdem ich aufgelegt habe, google ich aus Neugier den Namen im Internet. Ich traue meinen Augen nicht, als ich auf einer Verkaufsplattform lande. Sofort wähle ich Schreiber an: «Ist die Platte schon im Ofen?» Schreiber sagt was von «kurz davor». Ich rufe in den Hörer: «Finger weg – ich komme!»

(Coopzeitung Nr. 46/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 11.11.2013, 07:37 Uhr

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