Probiers doch mal!

Sie: Während Schneider in der Kabine schon mal zwei schicke Hemden anprobiert, entdecke ich weiter hinten im Laden weitere tolle Anziehsachen: einen ochsenblutroten Pulli und Chinos in Beige.

«

Ich hab noch tolle Sachen für ihn gefunden.»

Boah! Oder dieses Gilet, sehr nostalgisch, sehr schön. Das muss er auf jeden Fall probieren. Den Pulli auch. Auf dem Weg zur Garderobe fallen mir edle italienische Anzüge auf. Er trägt zwar kaum Anzüge, aber wer weiss. Ich werde nachher mal die Grössen durchsehen. «Huhu, wo bist du?», rufe ich in Richtung der Kabinen. Alle Vorhänge sind zugezogen. «Hier hinten, links», höre ich seine Stimme. Mir scheint, er klingt etwas gestresst. Egal. «Du, ich hab noch tolle Sachen für dich gefunden», trällere ich, schiebe meine Ladung rein und mache mich auf zur zweiten Runde. Der hats ja wirklich gut, denke ich, kann einfach in die Kleider schlüpfen und sich locker auf seine persönliche Stylistin verlassen.

Er: Ich bin mit zwei Hemden in die Umkleidekabine und damit auf der sicheren Seite, denn man darf, so steht es auf einem Schild, maximal vier Teile mitnehmen. Ich ziehe mich obenrum aus und blicke erschreckt in den Spiegel. Sollte dieser mich nicht schlanker machen, damit ich in Kauflaune gerate? Schreiber reicht mir einen Arm voll Kleidungsstücke durch den Vorhang. Ich zwänge mich umständlich in ein Hemd, als sie bereits weitere Teile hinstreckt und flötet: «Passt was?» Ohne eine Antwort abzuwarten, rauscht sie von dannen und ich höre, wie sie einen Verkäufer fragt: «Haben Sie den Anzug noch in Dusk Blue?» 

«

Ich will nur noch eines: raus hier.»

In bitte was? Einkaufen stresst! Und dass Schreiber auch noch zu kleine Grössen wählt, ist zwar ein Kompliment, aber eines, das zwickt. Zudem: Wenn es schon kompliziert ist, in die Kleider reinzukommen, ist es noch viel kniffliger, das Zeug auszuziehen, ohne dass die Nähte platzen. Ich bin schweissgebadet, es ist eng, irgendwo im Kleiderberg sind meine Ursprungskleider verschwunden, aber rechts am Haken da hängt, was mir immerhin gepasst hat. Um die Tortur zu beenden, hieve ich einige Teile Schreiber in die Arme und hechle: «Das passt.» Denn ich will nur noch eines: raus hier!

 (Coopzeitung Nr. 47/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 16.11.2015, 12:54 Uhr

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