Pudel nass!

Er: Keine Ahnung warum, aber unser Hund wälzt sich gerne in Schwanenkacke. Das ist klebrige, schwarze, fast schon teerartige Masse, die übel riecht, kaum aus dem Fell zu kriegen ist und zurzeit verbreitet am Ufer des Rheins herumliegt. Wenn ich mit Lilla am Fluss spaziere und in Gedanken versunken bin, nutzt sie meine Unaufmerksamkeit, um sich mit diesem exklusiven Fremdduft zu schmücken und schiebt sich ergriffen und vollständig vom Kopf bis zu den Hinterläufen durch den Kot. Unter Hunden mag das attraktiv sein – bei mir als Zweibeiner löst das Brechreiz aus. Kommt hinzu, dass ich weiss, wie mich Schreiber anschaut, wenn ich ihr zum Frühstück ein Stinktier serviere. Denn den Hund zu säubern, passt in der Regel nicht in meinen Zeitplan.

«

Das passt gar nicht in meinen Zeitplan.»

Aber vielleicht mache ich diesmal besser eine Ausnahme: «Keine Sorge, ich erledige das», rufe ich bei meiner Heimkehr deshalb prophylaktisch und hechte mit Lilla gleich unter die Dusche, bevor Schreiber mich tadeln kann. Unser Hund blickt mich schwer beleidigt an, als ich den Duschvorhang ziehe und unparfümiertes Doggy-Shampoo zücke. Lilla kennt dieses Prozedere nur zu gut. Und ich muss es jetzt wohl oder übel ebenfalls kennenlernen.

Sie: «Wie? Du hast gleichzeitig mit Lilla geduscht? Dafür ist die Dusche doch zu klein!» «Ja. Darum ist Lilla ja rausgesprungen.»

Schneider kniet vor mir, patschnass. «Da hast du dann von der Dusche aus einfach weiter den Hund geschrubbt?» Er nickt und wischt mit einem Badetuch den Boden. Eigentlich verteilt er nur das Wasser im ganzen Bad. Unterm Waschbecken kauert unser Hund. Tropfnass. Im Fell dunkle Restbestände vom Morgenspaziergang. Deshalb der Modergeruch im dampfenden Badezimmer. Ich blicke wieder auf Schneider, der auf allen vieren rumkrabbelt: «Wieso nimmst du nicht einen Bodenlumpen?» Er blickt mich ratlos an.

«

Stellt er sich absichtlich so an? »

Ich seufze, und bevor er triefend durchs Haus hüpft und dabei alles nass macht, hole ich den Lappen. Als ich zurückkehre, schüttelt sich Lilla: Schmutztropfen klatschen an die weissen Wände, Schneider springt auf und flucht. Er hat wirklich Talent, denke ich, eine simple Aufgabe zur Staatsaffäre zu machen. Oder stellt er sich absichtlich so an? Damit ich das Zepter, in diesem Fall die Brause, übernehme? «Soll ich?», frage ich. Er murrt: «Nein, ich mach das fertig.»«Gut. Mein Tipp: Hund in die Duschwanne, du bleibst draussen. So wird nur einer pudelnass!»

 (Coopzeitung Nr. 26/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 27.06.2016, 15:00 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Annette Lefevre antwortet heute
Sextest
Liebe Schreiber und Schneider, ... 
Oli Skyler antwortet vor zwei Tagen
Fan und forsch
Habe Ihre Kolummne heute in de ... 
Veronica antwortet vor 2 Wochen
Die Velotortour
Besser Butterschnitte statt da ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?