Pump up the volume!

Schreiber: Schneider blickt mich ratlos an: «Ich hab’ doch nicht geschrien, oder?» – «Nein, hast du nicht», sage ich und lache. Was keine gute Idee ist. Denn nun werde auch ich von Alma beschimpft, und zwar wüst: «Ihr haltet immer zusammen! Echt!» Sie steht zornig auf, rennt raus, ihre jüngere Schwester hinterher. Die Mädels verbünden sich gegen uns. Was ich gut finde. Weniger gut finde ich das Dilemma mit der Lautstärke und der verunglückten Vater-Tochter-Kommunikation. Ich versuche Schneider deshalb die Teenagersprache zu übersetzen, die er nicht versteht: «Wenn sie brüllt, bedeutet das nur: ‹Ich bin anderer Meinung›.»

«

Die Mädels verbünden sich gegen uns.»

Er stutzt. «Und sagt sie ‹meine Fresse›, heisst das ‹Ach, nein!›» Während ich ihm Almas Sprache entschlüssle, fühle ich mich pädagogisch wertvoll. Ich bin beeindruckt von meinem Verständnis für Menschen in Zeiten der Hormonstürme. Da stürmt unser Teenager zurück in die Küche: «Ich hab’ alles gehört. Ihr nervt! Soll ich noch mit dem Hund raus? Das Zimmer aufräumen? Die Wäsche aufhängen? Wann soll ich dann noch lernen oder mich mal ausruhen? Du checkst es einfach nicht, Mama!» Schneider nutzt ihre Atempause und erklärt mir: «Das bedeutet wohl: ‹Mama ich find dich cool›.» Jetzt lächelt er.

Schneider: Als wir unsere erste Kolumne schrieben, hatten wir noch keine Kinder. Jetzt ist unsere Grössere bereits auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Und dabei, das wissen Teenager-Eltern, gibt es für alle Beteiligten einige Hürden zu nehmen. Wie gerne erinnere ich mich, wie sanft und zuckersüss sie als kleines Mädchen war, mit ihren blonden Locken und den grossen blauen Augen. Zum Fressen!

«

Alma holt tief Luft und brüllt los.»

Heute sagt sie schon mal «du meine Fresse!», was sie wohl in einer deutschen Vorabendserie aufgeschnappt hat. Sie sperrt stets ihre Zimmertüre hinter sich zu, und Gutenachtküsschen gibts schon lange nicht mehr. Pubertät. Damit müssen wir beide fertig werden, sie und ich. Natürlich ist sie immer noch Schreibers Zaubermaus und mein Goldschatz. Sie ist nur ganz fest in ihrem Ich-Universum, wir Eltern stören dabei eigentlich in dieser Welt. Dennoch erlaube ich mir ab und zu, sie in ganz normaler Lautstärke darauf hinzuweisen, dass wir als Familie ein Team sind und es gewisse Regeln gibt. Die Spülmaschine auszuräumen, zum Beispiel. Ihre Reaktion darauf ist zwar überraschend, aber vermutlich altersgerecht, denn sie holt tief Luft und brüllt: «Schrei mich nicht immer gleich so an!»

 (Coopzeitung Nr. 02/2015)

Das Duell: Darf es in der Familie laut werden?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 29.12.2014, 00:00 Uhr

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