Raus oder rein?

Er: Ich klopfe vorsichtig an das Abdeckpapier in der Estrichecke. Es raschelt. Es quietscht. Das Papier ist aber unversehrt. Ich vermute deshalb, dass die Viecher von draussen unter die Fassade gekrochen sind. Vielleicht finde ich dort Kot oder sonstige verdächtige Spuren. Ich gehe hinaus in die Abenddämmerung und stelle die Leiter an die Hauswand. Das sind bestimmt keine Mäuse, denke ich. Vielleicht Siebenschläfer?

 
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Schreiber sichert die Leiter. «Sei vorsichtig», flüstert sie, als ich hochsteige. Oben angekommen, untersuche ich mit der Taschenlampe die Ecke, wo der Dachbalken aus der Holzfassade ragt. Die Bauteile sind nicht bündig. Ein Schlitz von einem Zentimeter Breite bietet einen Durchschlupf unters Dach.

«

Ich steige hoch. ‹Vorsicht!›, flüstert sie.»

Auf einmal schreit Schreiber unter mir und etwas flattert um meinen Kopf. Ich erschrecke, dann erkenne ich – eine Fledermaus! Fantastisch! Freudig steige ich die Leiter runter. Schreiber starrt zur Hauswand und beginnt zu zählen, was eine Weile dauert: « … 31, 32, 33. Das ist ja ein ganzes Nest!»
Sie ist erschüttert – nun jedoch aus einem anderen Grund: «Was für ein enger Spalt! Die kleinen Kerlchen sind ja kaum rausgekommen. Hoffentlich schaffen sie es wieder rein!»

Sie: Die Kinder haben die Falltreppe zum Estrich offen gelassen, und einer unserer Kater nutzt das, um sich dort oben umzuschauen. Auf einmal höre ich ihn laut miauen. Rasch steige ich hoch und sehe Caramello in der Ecke unseres Estrichs. Mehrmals schlägt er mit der Pfote gegen das helle
Abdeckpapier an der Wand.

«

Mäuse? Ratten? Was versteckt sich da?»

Verstecken sich Mäuse dahinter? Ratten? Ich rufe Schneider, der kurz danach neben mir steht und beobachtet, wie Caramello sogar an die Wand springt. Was attackiert der bloss? Ich fürchte, dass scharfzahnige Nager unser schönes Holzhaus klein raspeln und wir einen Schädlingsbekämpfer rufen müssen! Ich rufe unseren Kater und kraule seinen Nacken: «Toll, du Spürnase! Hast du gut gemacht.» Schneider kriecht derweil auf allen vieren in die Ecke.

«Was machst du?», frage ich. «Herausfinden, was hinter diesem Abdeckpapier lebt.» «Papa! Pass auf! Lass dich nicht beissen», kreischt unsere ältere Tochter, die auch hochgekommen ist. Himmel! Was, wenn zwanzig fette Ratten rausspringen und über die Treppe runter durch die Zimmer flitzen? Schneider drückt aufs Papier, dahinter fiept etwas. Jetzt kreische ich gemeinsam mit meiner Tochter. Was auch immer in unserem Estrich lebt: Es muss raus!

 (Coopzeitung Nr. 28/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 11.07.2016, 00:00 Uhr

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