Sängerin Regula Mühlemann liebt es, in Luzern zu sein.

Regula Mühlemann: «Ich bin ziemlich draufgängerisch»

Die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann sorgt auf den Bühnen dieser Welt für Furore. 
Und im Januar auch im Kanton Aargau.

Kritiker rühmen ihre Stimme als schnörkellos, glockenrein. Selber bezeichnet sie sich als «lyrischen Koloratursopran mit einer eher leichten, beweglichen Stimme». Wer diese mit Wärme gepaarte Leichtigkeit hören will, kann dies im Januar tun. Regula Mühlemann tritt mit dem Symphonieorchester «argovia philharmonic» im Kanton Aargau und Zürich auf. Sonst ist sie nur auf grossen Bühnen im Ausland anzutreffen.

Wann haben Sie Ihre Stimme entdeckt?
Wir haben daheim immer viel gesungen, Beatleslieder und so. Dann lernte ich Klavier spielen. Später, als es in Adligenswil Gesangsunterricht gab, nahm ich dort die ersten Stunden. Meine Lehrerin empfahl mir die Luzerner Kantorei, ein Chor, der klassische Musik singt. Dort erwachte meine Begeisterung für diese Musik. Im Gymnasium war Singen mein Hobby, ich nahm Stunden und sang im Mädchenchor der Kantorei mit.

Und dann wollten Sie Sängerin werden?
Ein Lehrer der Kantorei hatte mir oft ermöglicht, im Chor Soli zu singen. Er brachte mich auf die Idee, Musik zu studieren und zum Beruf zu machen. Zuerst hatte ich Angst, dass ich die Freude am Singen verlieren könnte, doch ich merkte, dass die Freude wuchs, je mehr Zeit ich mir dafür nehmen konnte.

Hat die Ausbildung die Stimme verändert?
Je mehr Technik der Körper begreift, desto grösser wird die Stimme. Man lernt, die eigenen Resonanzräume zu nutzen. Das ist wichtig, um in einem grossen Raum ohne Mikrofon zu singen.

«

Bei Opern kommt man recht ins Schwitzen.»

Sie singen ja nicht nur Opernarien.
Ich möchte alles machen: Liederabende, Konzerte, Oratorien und Opern natürlich auch! Das beeinflusst sich gegenseitig positiv. Bei der Oper sind auch Schauspiel, Kostüme und Bühnenbild wichtig. Das macht Spass, doch ein Konzert, wo es nur um den Klang des Orchesters und der Stimmen geht, ist auch sehr reizvoll.

Wie viel üben Sie täglich?
Richtig üben ist nicht dasselbe, wie mit halber Stimme die Töne eines neuen Liedes zu lernen. Mit voller Stimme übe ich nicht mehr als zwei Stunden pro Tag. Vor wichtigen Konzerten übe ich mehr, vielleicht fast zu viel. Danach muss sich die Stimme erholen.

Was gehört noch zum Programm einer Sängerin? Sport vielleicht?
Ich bin eher unsportlich, gehe nicht joggen und besuche keine Kurse. Manchmal mache ich daheim Turnübungen. Aber beim Singen setzt man ja den Körper eh ein, vor allem bei Opern kommt man oft richtig ins Schwitzen.

Für jede Stadt macht sie sich Reiseführer.

Für jede Stadt macht sie sich Reiseführer.
Für jede Stadt macht sie sich Reiseführer.

Nehmen Sie immer noch Gesangsstunden?
Ja, bei Barbara Locher, die an der Hochschule in Luzern unterrichtet. Denn es stellen sich immer neue Herausforderungen. Wenn ich weg bin, berät sie mich auch per Mail oder per Whatsapp.

Sind Sie noch nervös, wenn Sie für eine neue Rolle vorsingen müssen?
Nicht mehr so wie früher. Vorsingen ist fast wie Auftreten, daran kann man sich gewöhnen – und ich bin ziemlich draufgängerisch. Zudem bin ich jetzt in der privilegierten Situation, dass ich oft direkt von Dirigenten zum Vorsingen eingeladen werde.

Wie wichtig ist das Aussehen?
Ein Auftritt hat auch eine optische Komponente, das gilt für alle Musiker, auch für Dirigenten, am meisten für Operndarsteller. Bei Konzerten achte ich darauf, ein schönes, nicht zu auffälliges Kleid zu tragen. Ein unpassendes Kleid stört und lenkt vom Klanglichen ab.

Sie waren letztes Jahr viel unterwegs. Leidet dadurch nicht Ihr Privatleben?
Es ist sicher nicht ganz einfach. 2013 war ich nur drei Monate in Luzern, 2014 waren es vielleicht fünf. Dabei liebe ich Luzern, wo ich wohne und daheim bin.

Sie sammelt Schachtelchen.

Sie sammelt Schachtelchen.
Sie sammelt Schachtelchen.

Wohnen Sie allein?
Ich wohne mit meinem Freund zusammen. Zum Glück kann er es nun ab und zu einrichten, mich zu begleiten, wenn ich etwa für eine Oper länger weg bin.

Welches sind Ihre nächsten Auftritte?
Im Januar gibt es die Konzerttournee mit dem Orchester «argovia philharmonic», im Aargau, aber auch in Biel und zum Abschluss in der Tonhalle Zürich. Im Februar trete ich in Amsterdam in der Zauberflöte als Papagena auf, dann in Turin als Gretel in der Oper «Hänsel und Gretel».

Was werden Sie in der Schweiz singen?
Ich beschäftige mich momentan intensiv mit Mozart. Ich werde mit dem Aargauer Orchester drei Mozart-Konzert-arien singen. Da ist viel Dramatik drin, es sind fast kleine Opern. Mozart hat neben seinen eigentlichen Opern etwa 50 solche Konzertarien geschrieben!

4 Daten im Leben von Regula Mühlemann


1986 In eine Musik liebende Familie geboren, Kindheit in Adligenswil LU.

2005–2012 Musikhoch-schule Luzern. Abschluss: Master in Performance und Master in Soloperformance.

2008 Beim Wettbewerb «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes» kommt sie als erste Sängerin ins Finale.

2013 Karrierestart: Auftritte in grossen Häusern wie der Staatsoper Berlin oder dem Theater an der Wien.

Interview mit Regula Mühlemann zum Projekt mit argovia philharmonic

Webseite und Konzertdaten von Regula Mühlemann

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Eva Nydegger

Redaktorin der Coopzeitung

Foto:
Davide Caenaro
Veröffentlicht:
Montag 12.01.2015, 15:57 Uhr

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