Sybil Schneider vor dem Napoleonmuseum Arenenberg.

Reiselustig: Beim Kaiser – Wasserland und Stoffkanton

Dritte Etappe: Schneiders grosser Tag – erst Fischen in Ermatingen und dann auch noch Lastwagenchauffeur spielen. 

Der Fischer vom Bodensee.

Der Fischer vom Bodensee.
Der Fischer vom Bodensee.

ER: Guten Morgen! Bist du ausgeschlafen?

SIE: Oh, ja. Und du? Müde?

ER: Ach woher! Ich bin beschwingt! Der frühe Vogel fängt den Wurm.  

SIE: Ich hoffe, es waren eher Fische.

ER: Stell dir vor! 140 Felchen, 40 Eglis, 3 Zander und ein norwegischer Geselle, der nicht in den Bodensee gehört.  

SIE: Hat sich also gelohnt, um 4 Uhr aufzustehen?

ER: Und wie! Du hast etwas verpasst. Auf dem See den Tag zu begrüssen, ist ein Traum.

SIE: Jedem seine Träume. Schneider hat sich einen alten Wunsch erfüllt und ist frühmorgens mit einem Fischer auf den See hinaus. Darum wollte er also unbedingt nach Ermatingen. Dem langweiligsten Ferienort der Schweiz, wie sich der Ort selbst nennt. Ich würde eher sagen: einmalig schön verschlafen am romantischen Untersee. Wer sich jetzt noch beklagt, dass die Schweiz nicht am Meer liegt, sollte mal herkommen.

ER: Nur Wasser, Weite, Dunst. Später kam die Sonne. Es war wundervoll auf dem See. Berufsfischer Rolf Meier erklärte mir alles akribisch, zurück an Land gabs hausgeräucherte Felche zum Zmorge. Köstlich!

SIE: vor dem Napoleonmuseum Arenenberg.

SIE: vor dem Napoleonmuseum Arenenberg.
SIE: vor dem Napoleonmuseum Arenenberg.

SIE: Nach Schneiders Fischfang-Solo gehts nun wieder gemeinsam weiter: Wenige Minuten ab Bahnhof Ermatingen mit dem Postauto erreichen wir das Napoleonmuseum Arenenberg. Ein prachtvolles Herrschaftshaus, von wo der Neffe Napoleon Bonapartes jahrelang sehnsüchtig aus dem Fenster Richtung Paris geschaut hat. Der Blick auf den See ist atemberaubend. Am Eingang werden uns dicke Finken über die Schuhe gestülpt, nun schlurfen wir über edle Parkett-Böden durch die Gemächer.

ER: Das Kinderzimmer des Kaiserlichen Prinzen ist möbliert wie für einen Erwachsenen. Bloss im Kleinformat. Denn im 19. Jahrhundert betrachtete man Kinder als «behinderte Erwachsene», erklärt eine Museumsführerin. Interessant auch das Zimmer seiner Mutter: komplett vollgestellt. Jeden Abend ein Hindernislauf, bis sie im Bett war!

SIE: Man stellte damals eben alles zur Schau, was man besass. Wenn ich da an unseren ganzen Karsumpel im Estrich denke … Schneider quetscht die Museumswärterin aus. Er will wissen, wie man diese Villa vor 180 Jahren heizte. Sie erklärt uns das Prinzip der Warmluftheizung, die von einem Ofen im Keller gespeist wurde. Nun erkundigt sich Schneider, wie das damals mit der Beleuchtung war. Später im Zug werde ich ihn mal fragen, weshalb er so viel fragt.

ER: Ganz einfach: «Wer nicht fragt, bleibt dumm», hiess es, als ich Bub war.  

SIE: Wer dauernd fragt, verpasst aber auch, jeweils den Moment zu geniessen. Schau mal, der See! Ist er nicht zauberhaft!

ER: Doch, doch. Du, könnte es sein, dass diese Zugstrecke diejenige mit den meisten Barrieren der Schweiz ist? Überall kreuzen die Gleise die Strasse und die Autos warten.  

SIE: Am Bodensee hat die Bahn Vortritt. Ist mir sympathisch.

ER: Wusstest du, dass der Bodensee aber auch Motorenheimat ist. Hier kommen die legendären Saurer her.

SIE: Motorisierte Saurier?

ER: Nein, S-a-u-r-e-r. Kennt man nicht, wenn man wie du in Deutschland aufgewachsen ist. Aber als Schweizer Bub liebt man diese wunderbaren Lastwagen.

SIE: in der (Schlaf-)Röhre des Hotels Wunderbar.

SIE: in der (Schlaf-)Röhre des Hotels Wunderbar.
SIE: in der (Schlaf-)Röhre des Hotels Wunderbar.

SIE: Schneider will nun unbedingt ins Saurer-Museum. Von mir aus, aber ich wäre auch gern ein wenig in Romanshorn geblieben und am Hafen flaniert. In Arbon angekommen, staune ich: Das Museum liegt direkt am See. Daneben ein Hotel, ehemals die Kantine der Saurerfabrik, in dessen Garten Hasen hoppeln. Der Hoteldirektor persönlich zeigt uns die etwa drei Meter langen Betonröhren «Köbi» und «Regina» auf der Wiese, die zu Zimmern umfunktioniert wurden, dann führt er uns durch das Hotel mit neun weiteren Zimmern, die Namen tragen wie Flosse, Wiibli, Blütenstaub und Philosoph. Höchst originell ausgestattet. Zum Hotel gehört auch ein Restaurant, in dem leckere Suppe mit Spatz aufgetischt wird. Wir essen und kaufen uns dann die Museumstickets am Tresen.  

ER: Schreiber bockt ein bisschen, sie interessiert sich nicht sonderlich für Lastwagen und Camions. Aber Moment: Hier im Museum stehen ja ebenso grosse Textilmaschinen herum. Was soll denn das?

SIE: im Saurer-Museum an der Textilmaschine in Arbon.

SIE: im Saurer-Museum an der Textilmaschine in Arbon.
SIE: im Saurer-Museum an der Textilmaschine in Arbon.

SIE: Was für eine Überraschung! Gigantische Spitzenmaschinen am Laufmeter. Ich habe vor hunderttausend Jahren selbst mal Mode studiert und nun sehe ich die alten Damen der Stickereikunst vor mir stehen. Und das Tollste: Sie laufen wie am Schnürchen. Der einstige Pantografsticker Ernst Bächler ist zwar längst im Ruhestand, seine Maschinen sind es aber nicht. Ich kaufe als Souvenir ein paar Meter Bordüren made in Arbon. Klar, wir befinden uns im Textilland rund um St. Gallen, die Hochburg der Stickerei.

ER: Unglaublich: Ich stehe vor einem Saurer mit Holzkabine und Holzrädern, der fast 100 Jahre lang in Brasilien im Einsatz war. 2003 wurde er zurückgeholt und restauriert.

Paolas Kleid im Textilmuseum Arbon.

Paolas Kleid im Textilmuseum Arbon.
Paolas Kleid im Textilmuseum Arbon.

SIE: Bezahlt wurden die Sticker nach Stichen: Pro 100 Stück gabs Lohn. Machten sie nur einen einzigen Fehler, mussten die Arbeiter den Stoff selbst berappen. Das Schürfen des weissen Goldes war sowohl Präzisionsarbeit wie Ausbeutung. Ich suche Schneider, der die Textilmaschinen links liegen gelassen hat. Im hinteren Teil des Museums sehe ich ihn einen Lastwagen erklimmen. Darf der das?

ER: Toll, nicht nur gucken, sondern auch selber ausprobieren. Man darf sich in einen Berna von 1950 setzen, ein Radarwagen fürs Militär. Mach ich natürlich. Und nein, der von Saurer 1929 übernommene Lastwagenproduzent Berna war nicht in Bern zu Hause, sondern in Olten.

ER: im Saurer-Museum in einem Berna sitzend.

ER: im Saurer-Museum in einem Berna sitzend.
ER: im Saurer-Museum in einem Berna sitzend.

SIE: Ich weiss, du würdest gerne noch tagelang hier Lastwagenchauffeur spielen, aber wir sollten weiter nach St. Gallen. Ich habe da ein Hotel in der Altstadt für uns. Eine ehemalige Männerherberge für Hilfsbedürftige.

ER: Okay, ich bin ein Mann. Aber deshalb muss ich doch dort nicht absteigen.

SIE: Lass dich überraschen. Das «Vadian» hat bis heute seine soziale Ausrichtung beibehalten. Es liegt beim Kloster, unser Zimmer in der Dependance wird dir gefallen.

Dependance des Hotels Vadian in der St. Galler Altstadt.

Dependance des Hotels Vadian in der St. Galler Altstadt.
Dependance des Hotels Vadian in der St. Galler Altstadt.

ER: Gefallen? Das Zimmer begeistert mich mit dem schmucken Erker, Fensterchen in jede Richtung und dem alten Riemenboden. Eine Art historische Suite. Hat Schreiber super ausgesucht. Ich weiss aber auch, wie ich mich revanchieren kann und reserviere fürs Abendessen einen Tisch in der Lok-Remise, einst ein Dampfross-Stall, heute ein Kulturlokal mit Kino, Theater und Restaurant.

ER: Gut sortierte Speisekarte. Was bestellst du?

SIE: Den Kondukteur.

ER: Wie?

SIE: Hast du es nicht gesehen? Hier stehts: Kalbs-Cordon bleu, gefüllt mit Pantlimasse und St. Galler Klosterkäse.

ER: Klingt lecker. Ich ein Bier, ein sogenanntes Bähnler Rugeli. Und den Fisch aus dem Bodensee. Das schlägt den perfekten Bogen zu meinem Tagesanfang.

Kreuzlingen

  • Von Kreuzlingen führt eine Inline-Skaterstrecke immer mit Seeblick nach Romanshorn.
  • Schiffe, Fische und der Bodensee sind die Themen des Seemuseums.

Altnau:

  • Mitten im Apfelland und am See: Altnaus Steg ist mit 300 Metern der längste am Bodensee und wird liebevoll auch der Stiel des Apfeldorfes genannt.

Arbon

St. Gallen

Unsere Kolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider sind unterwegs in der Schweiz. Sie folgen der Grand Train Tour und berichten einmal im Monat über Bekanntes und Unbekanntes. Heute: Folge 3 von Ermatingen nach St. Gallen.

Links zur dritten Etappe

Restaurant Seegarten, Ebmatingen
Napoleonmuseum Arenenberg
Saurer-Museum, Arbon
Hotel Wunderbar, Arbon
Lokremise, St. Gallen
Hotel Vadian, St. Gallen
Die ganze Grand Train Tour of Switzerland
Tickets für die Grand Train Tour
Portal zu allen weiteren touristischen Infos

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Sybil Schreiber und Steven Schneider
Veröffentlicht:
Montag 28.11.2016, 10:00 Uhr

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