In Diessenhofen von Bord gehen? Es lockt ein kleiner Bummel durch das hübsche Städtchen. Und weiter gehts auf dem Rhein.

Reiselustig: Unterwegs mit Kahn, Bahn und Bus

Zweite Etappe: Von Schaffhausen auf dem Rhein bis nach Stein am Rhein und unter den Sternenhimmel. 

SIE & ER: in der Lilliputbahn

SIE & ER: in der Lilliputbahn
SIE & ER: in der Lilliputbahn

SIE: Komm jetzt! Das Schiff wartet nicht.

ER: Aber wenn du rennst, siehst du ja die schönen Häuser nicht.

SIE: Doch. Ich kann schnell gehen UND Häuser betrachten.

ER: Erstaunlich!

SIE: Dass ich alles gleichzeitig kann?

ER: Nein. Dass kaum jemand weiss, wie wunderschön die Schaffhauser Altstadt ist!

SIE: Hast du nicht gesagt, immer mehr Chinesen und Inder kämen her?

ER: Ja, das hat mir jemand von Schaffhausen Tourismus erzählt. Doch wir Schweizer wissen gar nicht, dass wir nördlich vom Rhein noch Land besitzen.

Krippentheater in Stein am Rhein

Krippentheater in Stein am Rhein
Krippentheater in Stein am Rhein

SIE: Schneider ist begeistert. Am liebsten würde er hier wohnen, sagt er. Mich aber ziehts weiter, denn die Schiffsfahrt, die vor uns liegt, ist genauso fantastisch. Man sagt, es gäbe keine schönere Stromlandschaft in Europa als jene zwischen Schaffhausen und Bodensee.

ER: Ich mache mir die Inschrift am Schaffhauser Schwabentor zu eigen: «Lappi, tue d’Augen uf.» Gemütlich gleitet unser Kahn flussaufwärts; grünblaues Wasser, durcheinandergewirbelte Grenzen. Hier die Kantone Schaffhausen, Zürich und Thurgau, dort Deutschland. Nie weiss der Laie, auf wessen Staatsgebiet er gerade blickt.

SIE: In Diessenhofen gehen wir von Bord. Schneider hat im Internet von einem alten Stadthaus gelesen, das zum Verkauf steht. Nun will er es mit eigenen Augen sehen. Macht er ständig. Ginge es nach ihm – und verfügten wir vor allem über das nötige Kleingeld – hätten wir zig Wohnsitze in der Schweiz. Weil es ihm überall so gut gefällt. Ein Denkfehler! Ich liebe die Schweiz nämlich noch mehr als er, und genau deswegen will ich frei sein. Sonst müsste ich immer an dieselben Orte fahren. Wie jammerschade wäre das denn!

SIE: im Silo

SIE: im Silo
SIE: im Silo

ER: Wir spazieren durch die mittelalterlichen Gassen zum besagten Haus. Hm, im Internet sah es eindeutig besser aus.

SIE: Uff! Glück gehabt! Wir gehen wieder an Bord. Jetzt hoffe ich, dass er sich nicht am nächsten Ort in ein Haus verliebt!

ER: Faszinierend, wie unser Schiff unter der zweihundertjährigen Holzbrücke hindurch passt. Nach einer weiteren Dreiviertelstunde verbreitert sich der Fluss und wir nähern uns Stein am Rhein.

SIE: Neben der Anlegestelle befindet sich der nostalgische Bahnhof der Liliputbahn. «Los», sage ich zu Schneider, «da müssen wir mit!» Ihm ist das peinlich.

die Leiter des Krippenmuseums: v.l.n.r. Josef und Monika Amrein und Alfred Hartl

die Leiter des Krippenmuseums: v.l.n.r. Josef und Monika Amrein und Alfred Hartl
die Leiter des Krippenmuseums: v.l.n.r. Josef und Monika Amrein und Alfred Hartl

ER: Da wir uns auf der Grand Train Tour befinden, sollten wir auch diese Little Train Tour, Spurweite achtzehneinhalb Zentimeter, mitmachen, findet Schreiber. Sie löst sofort zwei Billetts zu je vier Franken, der Lokführer schiebt mit einer kleinen Schaufel Kohle nach und los gehts.

SIE: Ich liebe solche Touristenattraktionen und winke lachend den Spaziergängern zu. Ein bisschen albern sein gehört zum Reisespass. Schneider versteckt sich derweil hinter seiner Sonnenbrille. Nach der Fahrt will er die Burg Hohenklingen erklimmen. Ist mir zu anstrengend. Ich bleibe in der Altstadt mit den spektakulär bemalten Fassaden, schlendere am Haus «zur Geduld» vorbei und lande im Krippenmuseum. Museumsleiter Josef Amrein erzählt mir, dass es kein anderes religiöses Sujet gäbe, das weltweit dem jeweiligen Kulturkreis angepasst würde. Deshalb sind Maria und Josef mal Peruaner oder Afrikaner oder Chinesen, mal braun, mal schwarz, mal gelb.

ER: beim Picknick vor dem Silo

ER: beim Picknick vor dem Silo
ER: beim Picknick vor dem Silo

ER: Die zweihundert Höhenmeter durch die Reben haben es in sich, aber meine Mühe lohnt sich. Tolles Bauwerk! Die Burg ist, da sie in 600 Jahren nie zerstört wurde, in ihrer originalen Form erhalten. Die Aussicht ist grandios! Könnte noch lange hier oben bleiben. Schreiber und ich aber haben uns am Fluss hinterm Kloster Sankt Georgen verabredet. Dort soll mal ein Nachtwächter ins Wasser gefallen sein. Jetzt sitzt ein indisches Liebespärchen unter der Trauerweide. Schreiber quatscht die beiden an, typisch!

SIE: Witzig, die wollten eigentlich nach Basel, haben sich verfahren und bleiben nun für eine Nacht hier. Diesmal drängelt Schneider. Wir fahren im frühen Abendlicht mit dem Postauto in wenigen Minuten nach Hemishofen, spazieren eine Viertelstunde an Feldern vorbei und erreichen einen Bauernhof. Will Schneider etwa mit mir ins Stroh?

ER: Siehst du das alte Futtersilo?

SIE: Was ist damit?

ER: Darin schlafen wir.

SIE: Nicht dein Ernst!

ER: Doch, eine neuzeitliche Krippe.

SIE: Ich dachte eher an ein historisches Hotel.

ER: Nächstes Mal. Schau, da steht schon der Bauer.

Stein am Rhein

Stein am Rhein
Stein am Rhein

SIE: Heinz Morgenegg, ein Mann voller Energie, erzählt vom ausrangierten Silo, in das er aus Jux ein Stübchen und ein Bett eingebaut habe, worauf kurz danach ein Bekannter darin Hochzeitsnacht feierte. «Unterdessen übernachten viele arabische Touristen im Silo», lacht er. «Die haben das auf ihrem Navi einprogrammiert.»

ER: Ich greife nach dem Picknickkorb mit Trockenfleisch und Büffelmozzarella vom Hof, lächle Schreiber zu und spaziere zum Silo rüber. Der Himmel ist wolkenlos, die Luke oben offen. Wir schlafen also unter den Sternen!

SIE: Na ja, originell ist es ja immerhin. «Du erfüllst dir bestimmt einen Traum mit dieser Nacht im Silo, oder?» Er grinst: «Also, die Idee einer Hochzeitsnacht klingt jedenfalls verlockend.»

Schaffhausen

  • An fantastischer Lage hoch über der Stadt: architektonisch einzigartige Sternwarte.
  • Übernachtung in alten und neuen Weinfässern: www.rueedi-ferien.ch

In und um Diessenhofen:

  • Eine kreative Reise im Haus zur gewesenen Zeit: www.gewesenezeiten.ch 
  • Fisch im Zentrum: www.kundelfingerhof.ch
  • Kreativ in die Vergangenheit reisen im im «Haus zur gewesenen Zeit». 
  • Auf dem idyllischen Kundelfingerhof dreht sich alles um Fische.

Trasadingen

  • Auf den Spuren des griechischen Philosophen Diogenes: eine Nacht im Weinfass verbringen.

Hallau

  • Farbige Glaskugeln selber blasen in der einzigen Farbglas-Schauhütte der Schweiz.

Stein am Rhein

  • Wie man im 19. Jahrhundert lebte, mit echten Hühnern im Hof und zartem Porzellan auf dem Tisch. Museum Lindwurm (offen zwischen 1. März bis 31.Oktober) www.museum-lindwurm.ch
  • Die Krippenwelt macht ihrem Namen alle Ehre: 500 Krippen von allen Kontinenten sind im Museum ausgestellt, und ein Imbiss wird ebenfalls serviert.

Bargen

  • Panoramaweg zum legendären Grenzstein Nummer 593, dem nördlichsten Punkt der Schweiz. Länge: 15 Kilometer, Dauer 3 Stunden, 45 Minuten.

Unsere Kolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider sind unterwegs in der Schweiz. Sie folgen der Grand Train Tour und berichten einmal im Monat über Bekanntes und Unbekanntes. Heute: Folge 2 von Schaffhausen nach Stein am Rhein.

Links zur zweiten Etappe

www.urh.ch
www.steinerliliputbahn.ch
www.burghohenklingen.ch
www.krippenwelt-ag.ch
www.bolderhof.ch
Die ganze Grand Train Tour of Switzerland
Tickets für die Grand Train Tour
Portal zu allen weiteren touristischen Infos

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

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Foto:
Sybil Schreiber und Steven Schneider
Veröffentlicht:
Montag 31.10.2016, 15:21 Uhr

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