SRF-Produzent Roger Brunner – für die Dok-Serie «Der Äquator – Breitengrad der Extreme» diente der Globus als Spielwiese.

Roger Brunner: «Für mich ist das ein Traumjob»

Persönlich. Fernsehjournalist Roger Brunner über  die Dok-Serie «Der Äquator – Breitengrad der Extreme»,  seine prägendsten Erlebnisse und die Möglichkeit, im hohen 
Alter noch Vater zu werden.

Coopzeitung: Für die Dok «Der Äquator – Breitengrad der Extreme» reisten Sie nach Singapur, einmal begleiteten Sie eine schwarze SVP-Politikerin nach Nigeria oder eine Senioren-Sportlerin nach Finnland: ein echter Traum-Job.
Roger Brunner: Für mich ist es einer, ja. Als ich in die Journalistenschule ging, sagte ich: Ich will Dokumentarfilmer werden. Und jetzt gehe ich immer mehr in diese Richtung, bin erst 48 und habe sicher noch 20 Jahre vor mir.

Sicher 20 Jahre …?
Ich denke, dass wir nicht mehr mit 65 pensioniert werden. Vielleicht bin ich mit 65 auch froh, wenn ich noch ein bisschen weiter- machen kann. Ich kenne hier im Haus ein paar Leute, die sich schwer damit tun, sich abzunabeln.

Welches war das eindrücklichste Erlebnis in Ihrer TV-Karriere?
Ui, das ist schwer zu sagen ...

... wovon erzählen Sie immer?
Ich erzähle eigentlich wenig, das ist vielleicht eine Journalistenkrankheit, ich höre lieber zu. Aber ich denke immer wieder zurück an ein Interview, das ich mit Clown Dimitri geführt habe. Auf die Frage, worauf es im Berufsleben wirklich ankomme, sagte er: auf Fleiss und Bescheidenheit.

Ist das Ihr Lebensmotto?
Sagen wir: Ich versuche mich immer wieder daran zu halten. Bei beidem hapert es aber ab und zu.

Und von Ihren weiten Reisen, was ist da am nachhaltigsten haften geblieben?
Da gibt es vieles. Einmal durfte ich eine SVP-Politikerin, eine Schwarze, auf ihrer Spurensuche nach Nigeria begleiten. Ich hatte wirklich das Gefühl, sie wolle ernsthaft ihre Wurzeln suchen. Und dann waren wir bei ihren Tanten, die sich auf ihren Besuch gefreut und seit Wochen darauf vorbereitet hatten – und die Politikerin sagt nach zwei Stunden: So, wir müssen jetzt gehen. Die Tanten fielen aus allen Wolken. Ihre enttäuschten Gesichter habe ich immer noch vor Augen. Oder eine andere Episode: Einmal begleitete ich die 80-jährige Leichtathletin Ruth an die Senioren-WM. Dort gewann sie mehrfach Gold. Als für sie in einem Zelt mit einer Handvoll Zuschauern die Nationalhymne gespielt wurde, war das für sie wie für Roger Federer ein Wimbledon-Sieg. Da hat es mich «getschuddert», wahrscheinlich hatte ich ein Tränchen in den Augen.

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«Wahrscheinlich hatte ich sogar ein Tränchen in den Augen.»»

Gibt es einen Beitrag, der auch Ihr Privatleben nachhaltig beeinflusste? 
Den gibts. Bis ich 21 Jahre alt war, spielte ich in Ems 2.-Liga-Fussball. Dann hängte ich die Fussballschuhe an den Nagel und machte keinen Sport mehr. Vor sieben Jahren begann ich dann mit Yoga. Aber als ich mit der erwähnten Ruth unterwegs war, die erst mit 58 zu laufen begann, da dachte ich: Warum kann ich mit 46 nicht auch noch anfangen? Man wird ja nicht fitter im Alter. Seither gehe ich vier, fünf Mal pro Woche joggen. Das tut meinem Körper und meinem Geist extrem gut. Da hätten mir x Ärzte sagen können, es wäre gut, mich mehr zu bewegen, ich hätte das wohl nicht so ernst genommen. Aber diese 80-jährige Frau, die mir das vorgelebt und gezeigt hat, welche Welt sich dadurch eröffnet …

In der Äquator-Serie sind Sie vorwiegend Produzent. Was ist Ihr Job? 
Am Anfang standen mein Co-Produzent Mitja Rietbrock und ich vor dieser riesigen Weltkugel mit dem Auftrag, eine fünfteilige Dok-Serie über den Äquator zu machen. Wir haben dann viel gelesen, haben mit unzähligen Leuten gesprochen, mit Korrespondenten, mit Reiseveranstaltern und so weiter. Aufgabe des Produzenten ist es dann, kurz zusammengefasst, ein Konzept zu erarbeiten, Aufträge zu vergeben und aus dem eingehenden Material fünf spannende Filme zu schneiden.

Tun Sie das lieber, als mit der Kamera vor Ort zu den Menschen zu gehen? 
Nein, vor Ort zu gehen ist schon spannender. Und bei der Äquator-Serie habe ich neben der Produzentenarbeit ja auch gedreht, und zwar unsere Geschichte in Singapur. Das Schönste an der Arbeit des Produzenten ist für mich die Auseinandersetzung mit den Autoren und den Chefs, das Ringen um das beste Produkt. Das Buchhalterische wie Budgetkontrolle und Anzahl Arbeitstage zählen sind dann eher die Schattenseiten.

Sie sagen, Ihrem Karriereziel seien Sie ziemlich nahe. Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für sich in den nächsten 20 Jahren? 
Oh ich habe noch viele Ziele. In den nächsten Jahren möchte ich gerne ein, zwei Dokfilme drehen und ein paar schöne Reportagen. Vielleicht auch wieder einmal eine Serie, wie jetzt über den Äquator, produzieren. Aber auch im privaten Bereich gibt es noch Herausforderungen, indem ich zum Beispiel im hohen Alter zum ersten Mal Vater werde. Ich lebe in einer tollen Beziehung und könnte mir ein Kind sehr gut vorstellen. Dann würde ich sicher mein Arbeitspensum reduzieren, um für die Familie da zu sein.

Sie würden dann pensioniert, wenn Ihr Kind gerade in der Pubertät steckt. 
Darum mache ich ja Yoga, damit ich eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen kann … Nein, Spass beiseite: Ich kenne hier beim Fernsehen ein paar gute Kollegen, die im hohen Alter noch Vater geworden sind. Die machen mir einen sehr glücklichen und zufriedenen Eindruck und sind gut drauf. Das ist für ein Kind wohl mitentscheidend, dass es glückliche und zufriedene Eltern hat.

Roger Brunner

Geboren: 21. Juli 1965 in Domat/Ems GR
Beruf: Journalist
Zivilstand: «In toller Beziehung»
Wohnort: Zürich-Höngg
Karriere: Ausbildung am Medienausbildungszentrum MAZ, Bündner Tagblatt, Coopzeitung, seit 1999 Reporter/Produzent beim SRF für Rundschau, Kulturplatz, Eco, Reporter, Dok.
Aktuell: Vom 23. August bis 20. September sendet SRF 1 jeweils am Freitagabend ab 21 Uhr die Dok «Der Äquator – Breitengrad der Extreme». Darin verweben die beiden Produzenten Roger Brunner und Mitja Rietbrock sechs Porträts von Menschen.

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
„Kein Wort mehr über die Liebe“ von Hervé Le Tellier „Fred und Franz“ von Arno Camenisch

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Die indischen Schneider aus „Das Gleichgewicht der Welt“

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Kluge, bescheidene Menschen in meinem Umfeld

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
„La Grande Bellezza“

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
„Toto le Hero“

Ihr Lieblings-Filmheld?
Oftmals die Anti-Helden

Was für Musik hören Sie gerade?
Ich höre selten Musik. Mir geht Musik zu stark zu Herzen.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Eine Arien-CD von Maria Callas

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Musiker: Kuno Lauener
Musikerin: Steff la Cheffe und Katie Melua

Was kochen Sie selbst?
Vieles und querbeet, zum Beispiel Dal, Risotto oder Pollo al Limone

Ihre Lieblingsspeise?
Capuns und Tom Ka Gai

Ihr Lieblingsgetränk?
Wein und Cola Zero

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Freundin

Und wo essen Sie am liebsten?
Auf über 2000 m.üM

Mac oder PC?
Egal

Auto oder Zug?
Zug

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
An der Expo.02 gab es Streichholzschachteln mit Fragen darauf. Eine lautete: La mer ou la montagne? Ich habe die Antwort für mich bis heute nicht gefunden.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Vor ein paar Tagen.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit absurden oder klugen Sätzen im richtigen oder noch besser im falschen Moment..

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Steinbock

Wovon träumen Sie?
Von den Überbleibsel des Tages.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Mit meiner Liebsten und Freunden an einer langen Tafel zu sitzen. Gerne auch ganz lange.

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Patrick Gutenberg
Veröffentlicht:
Montag 19.08.2013, 17:00 Uhr

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