Rolf Knie in seinem Atelier auf Mallorca: Erinnerungen an die erfolgreiche Zeit als Clown-Duo mit Gaston (l. auf dem Bild).

Rolf Knie: «Auch wenn ich Clown war, bin ich nicht blöd»

Fürs Naturaplan-Jubiläum hat Rolf Knie (68) zum Pinsel gegriffen. Im Interview auf Mallorca erklärt der Maler und Zirkusmensch, dass auf seiner Beerdigung gelacht werden soll und was ihm an moderner Kunst missfällt.

Rolf Knie, einverstanden, wenn ich über Sie sage: Sie haben für zwei gelebt?
Ja, absolut einverstanden. Ich habe immer den Anspruch gehabt, mehr als nur eine Sache anzupacken. Dazu aber braucht es Mut und man muss früher als die anderen aufstehen. Bei mir ist das so um fünf Uhr in der Früh. Ich mache all das, was ich nie gelernt habe. Und was ich gelernt habe, habe ich nie gemacht. Oder anders ausgedrückt: Ich mache nur das, was mir Freude bereitet. Das ist eine gute Voraussetzung, um auf einem Gebiet besser zu sein als alle anderen.

In einem Interview erklärten Sie, in der Jugend verschenke man viel Zeit. Ist das schlimm?
Nein. Das gehört zum Reifeprozess. Ein Wein braucht auch seine Zeit, bis er trinkbar ist… und bei mir habe ich das Gefühl, dass ich immer noch nicht trinkbar bin und der Reifeprozess weiterhin andauert. (Lacht.)

Sie verschwenden also immer noch Zeit?
Viel weniger als früher. Dieses Interview mit Ihnen ist verschenkte Zeit…

… danke…
… Spass beiseite. Neben der Kür muss man manchmal auch Zeit für die Pflicht aufwenden. Dazu gehören auch Interviews. Ich muss meine Produkte ja an die Leute bringen. Sie müssen informiert werden, was ich mache. Die Medien spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Leider sind sie sich ihrer Bedeutung oft nicht bewusst und verbreiten Fakenews.

Haben Sie das schon am eigenen Leib erfahren?
Klar, nicht nur ich, die ganze Familie. Da wird gelogen, geschummelt und auf Teufel komm raus eine Schlagzeile produziert, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Viele Medienmacher sind heute gleichzeitig Mediennutten. Ich habe schon einige Prozesse führen müssen…

… und haben gewonnen?
Selbstverständlich. Auch wenn ich ein Clown gewesen bin, bin ich nicht blöd.

Wie lebt man mit 68 Jahren?
Intensiver – in dem Sinn, dass man alles viel mehr geniesst. Man schätzt vor allem, dass man gesund ist.

Sie hatten einen Herzinfarkt. Hat dieser das Bewusstsein auch verändert?
Ach, das war nicht der Rede wert. Ich bin ins Spital gegangen, sie haben es repariert, danach bin ich sofort wieder mit dem Taxi ins Büro gefahren. Klar hätte es mich auch ins Grab bringen können. Aber am Ende ist es doch gut herausgekommen. Man muss auch Vertrauen haben, dass sie einen wieder herstellen. So wie bei einem Auto.

Wann ist ein Leben ein gutes Leben?
Die Grösse einer Person wird nicht mit den Zentimetern gemessen, sondern anhand ihrer Freiheit. Und je mehr man zustande bringt, desto freier wird man. Das gilt überall, auch in der Kunst: Wenn ich mit meinen Bildern gutes Geld verdiene, dann bin ich freier in dem, was ich anpacken will. Ich kann es dann ablehnen, den Hund von Frau Meyer porträtieren zu müssen. Oder für Herr Meyer seine Frau. Deshalb ist es wichtig, dass ein Künstler Geld verdient. Dafür aber braucht es Fleiss. Lesen Sie die Biographien der grossen Künstler: Alle haben gemalt, bis ihnen am Ende der Pinsel aus der Hand gefallen ist.


Rolf Knie war lange im Zirkus «und deshalb passt es dazu, dass ich meine Bilder auf alte Zirkuszelte male».

Ich habe bei meinen Interviews festgestellt, dass viele Künstler sich vor der Frage zieren, auf was sie stolz seien. Darf ich Sie trotzdem fragen: Auf was sind Sie stolz?
Das ist doch falsche Bescheidenheit! Ich fand es immer daneben, wenn man beispielsweise den Deutschen übelnahm, dass sie auf ihr Land stolz sind. Irgendwann muss man doch mal einen Schlussstrich ziehen und die nachfolgenden Generationen nicht mit den Sünden ihrer Grosseltern oder gar Urgrossenkeln belasten. Deshalb sollen sie ruhig sagen: Ja, wir sind stolz, Deutsche zu sein! Genau so bin ich auch stolz auf vieles, das ich getan habe. Ich bin stolz, dass ich ohne den grossen Buchstaben K auf dem Rücken meinen eigenen Weg gegangen bin und dafür Anerkennung gefunden habe.

Was bereuen Sie?
Dass ich zu früh aufgehört habe, Fussball zu spielen. Da war ich wirklich talentiert. Ich konnte beim FC Zürich mit meinen Gegenspielern machen, was ich wollte. Ich war schneller als sie, beweglicher und generell sportlicher. Meine Mutter war 17-fache Schweizer Meisterin im Tennis und zehnmal Schweizer Meisterin im Eiskunstlaufen. Auch mein Vater war nicht gerade ein «Gschtabi». Meine Eltern haben wohl all das ganz mir allein vererbt, denn es gibt niemanden, der antisportlicher ist als mein Bruder. Auch wenn er sagt: «Aber ich reite doch!» Dann sage ich: «Lieber Fredy das hat mit Sport nichts zu tun, sondern ist nur eine Fortbewegungsart.»

Auf welcher Position spielten Sie?
Vorne auf dem rechten Flügel. Ich war damals schnell und flink. Heute bin immer noch schnell… schnell müde.

Haben Ihre Trainer Ihnen manchmal gesagt: Diese Nummer kannst du im Zirkus zeigen, aber nicht bei uns auf dem Fussballplatz?
Nein, nicht einmal. Ich war eher schüchtern, meine Eltern rieten mir auch immer zu Zurückhaltung. Ich hatte es gut im Fussball. Der Fussballsport ist eine wunderbare Lebensschule: Man lernt, sich gegenseitig zu unterstützen und mit Niederlagen umzugehen.

Was waren Sie im Militär? Ich tippe auf Pontonier.
Falsch. Ich war gar nichts. Sie haben mich schlicht vergessen.

Wie geht das denn?
Keine Ahnung. Ich erinnere mich, dass ich einmal Bundesrat Kurt Furgler begegnete, als er gerade das Militärdepartement übernommen hatte. «Was sind Sie im Militär?», wollte er wissen. «Nichts», antwortete ich, «ich habe nach der Aushebung nie irgendetwas erhalten.» «Dann hat man Sie offenbar vergessen», sagte er, «aber ich verspreche ich Ihnen, dass ich Sie nicht verrate.»

Ihr Vater lehrte Sie Zurückhaltung. Was gaben und geben Sie Ihrem Sohn Gregory mit?
Mir war wichtig, dass er immer einen fröhlichen und aufgestellten Vater sieht. Offenbar hat das gewirkt: Gregory ist sehr offen, er hat ein sympathisches Auftreten und ein entwaffnendes Lachen.

Sie sind ein Mensch, der viel lacht.
Ja, sehr viel. Es heisst immer, dass der Clown hinter der Maske melancholisch sei und nie lache. Das ist der grösste Schwachsinn. Gaston und ich haben nur Blödsinn gemacht, auf und neben der Bühne. Es ist unmöglich, fürs Programm lustige Situationen aus dem täglichen Leben aufzugreifen und gleichzeitig ist man ein humorloser Sürmel. Das passt nicht zueinander.

Hatten Sie schon Bauchweh vor Lachen?
Gerade eben war Marco Rima bei mir zu Besuch. Wir hatten es zwei Tage lang richtig lustig. Wir waren mit einer ganzen Clique im Restaurant, Marco und ich spielten uns die Bälle zu und veranstalteten nur Quatsch. Schon bald schauten alle zu uns herüber, am Ende lachte das ganze Lokal. Also das pure Gegenteil von dem, was man heutzutage im Restaurant erlebt. Da stummen sich die Gäste, manchmal ganze Familien, ein Abendessen lang nur an und fummeln an ihren Handys herum. Ich finde das krank.

Mit welchem Humor können Sie gar nichts anfangen?
Humor ist ja etwas sehr Subjektives. Aber wenn einer versucht lustig zu sein und dabei nicht authentisch ist, dann funktioniert das nicht. Der Komiker oder Clown muss es selber lustig finden, was er vorführt. Deshalb haben die grössten Komiker der Geschichte ihre Pointen auch selber geschrieben. Heute ist es allerdings schwieriger geworden. Früher konnte einer mit seinem Programm zehn Jahre lang auf Tournee gehen, heute verbreitet sich dieses innert kürzester Zeit viral. Man muss sich immer schneller neu erfinden. Ich bin froh, dass Gaston und ich auf dem Höhepunkt aufhören konnten.

Eine Rückkehr von euch als Duo ist also ausgeschlossen?
Ja, das Kapitel ist abgeschlossen. Ich vergleiche das mit einem Spitzensportler: Wenn Sie lange weg vom Fenster sind, dann ist es schwierig, sofort wieder auf hohem Niveau mitspielen zu können. Ausser du heisst Roger Federer. Je mehr Distanz zwischen Deinem letzten Auftritt und dem Comeback liegt, desto heldenhafter bist du in der Erinnerung der Menschen. Dann ist die Fallhöhe viel höher.

Über welchen Humor lacht jeder?
Nicht mal bei Charlie Chaplin lachten alle. Obwohl er der grösste Komiker aller Zeiten war. Es gibt immer ein paar Prozent im Publikum, die etwas nicht lustig finden. Und das dann leider auch äussern, gerade via soziale Medien. Unglaublich, welch üblen Kommentare manchmal verbreitet werden – ungestraft! Auf den Komikern kann man offenbar herumtrampeln, wie man will.

Komiker ist kein einfacher Beruf.
Komiker sind Freiwild. Gaston und ich haben in allen grossen Fernsehshows am Samstagabend mitgespielt. Wie oft habe ich es erlebt, dass man vor vermeintlichen Superstars zu Kreuze kroch! Die Komiker hingegen konnten froh sein, dass sie überhaupt auftreten durften. Doch was blieb dem Publikum nachher von der Show in Erinnerung? Die Komiker, die den Zuschauern Tränen in die Augen trieben, weil sie so lustig waren.

Was raten Sie Menschen, die nicht mehr lachen können?
Dass sie schon mal auf dem Friedhof Probe liegen sollen.

Darf auf Ihrer Beerdigung gelacht werden?
Unbedingt. Ich möchte, dass es ein Riesenfest gibt, das Spass bereitet und als Gaudi in Erinnerung bleibt. Und irgendwann erscheine ich als Videobotschaft in der Kirche.

http://www.coopzeitung.ch/Rolf+Knie_+_Auch+wenn+ich+Clown+war_+bin+ich+nicht+bloed_ Rolf Knie: «Auch wenn ich Clown war, bin ich nicht blöd»
«

Die Grösse einer Person misst sich an seiner Freiheit.»

Rolf Knie, 68

Ein Junger will Clown werden. Was raten Sie ihm?
Ich sage ihm: Nur zu, wenn es deine Leidenschaft ist! Sei dir aber bewusst, dass du früher oder später grausam auf die Schnauze fallen wirst. Dann musst du wieder aufstehen. Ich selber habe schon Nervenzusammenbrüche erlebt. Als ich Clown wurde, war in der ersten Saison alles wunderbar. Die Zuschauer hatten grossen Spass an meinem Programm. Ich wurde übermütig und erlebte in der zweiten Spielzeit das pure Gegenteil. Bei der Hauptprobe merkte ich, dass ich überhaupt nicht lustig war. Niemand lachte im Publikum. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Clown. Ich ging dann in meine Garderobe zurück und schlug alles kreuz und klein. Mein Vater half mir danach wieder auf die Beine. Ich lernte damals wahnsinnig viel, vor allem, wie wichtig eine seriöse Vorbereitung ist.

Was macht Sie glücklich?
Wenn mir in meinem Atelier ein Bild gelingt. Wenn ich in guter Gesellschaft bin. Wenn ich mit meiner Frau draussen im Garten sitze und ein paar Sonnenstrahlen geniesse. Ganz einfache Dinge.

Und was macht Sie unglücklich?
Wenig und ganz sicher nichts, auf das ich keinen Einfluss habe. Die Ausnahme ist die virtuelle Welt, die eine immer grössere Rolle spielt. Und traurig finde ich auch das Fernsehprogramm. Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit und zappen Sie sich durch die Sender. Ich garantiere Ihnen, dass Sie nur Mord und Totschlag sehen. Und dann wundert man sich, dass die Welt immer brutaler wird. Wir verblöden langsam.

Was brachte Sie zum letzten Mal zum Weinen?
Wenn ich Siegerehrungen sehe, fliessen die Tränen. Oder wenn Roger Federer nach einem Sieg heult, dann schluchze ich mit. Emotionen sind etwas Wunderbares und ungemein wichtig. Wer keine Emotionen mehr teilen kann, sollte sich ebenfalls in Richtung Friedhof aufmachen.

Sie spielen gerne Tennis.
Ja, sehr. Ich habe hier auf Mallorca sogar schon gegen Rafael Nadal gespielt, als er ungefähr zehn Jahre alt war. Nachher fragte ich seinen Onkel Toni: «Was habt ihr dem Jungen zu essen gegeben, dass der so herumrennen kann?»

Was langweilt Sie?
Abendessen oder Empfänge, zu denen ich gehen muss, weil ich dazu verpflichtet bin. Ich versuche das auf ein Minimum zu reduzieren, ärgere mich aber jedes Mal, wenn ich wieder neben einem Botschafter oder dessen Gattin sitze und mich zu Tode langweile.

Sie könnten sie ja zum Lachen bringen, dann wäre es vielleicht kurzweiliger.
Das ist an diesen Anlässen unmöglich. Da vergeht sogar mir das Lachen.

Sie sind im Zirkus Knie nur noch im Verwaltungsrat tätig, in der Manege treten Sie schon lange nicht mehr auf. Was vermissen Sie?
Die Kollegialität. Es ist wunderbar, wie solidarisch man im Zirkus miteinander umgeht. Schön finde ich auch, dass du immer ein paar Tage an einem Ort bist und bei jeder Rückkehr altbekannte, dir vertraute Leute triffst, sei es der Bäcker oder der Metzger. Noch bevor es bereits wieder langweilig wird, brichst du zum nächsten Ort auf und baust Dir Deine Umgebung neu auf. Es wird nie langweilig.

Sie planen nächstes Jahr ein grosses Zirkus-Musical. Erklären Sie in zwei Sätzen, um was es geht und weshalb man sich das unbedingt anschauen soll.
Wir rollen die Geschichte des Zirkus Knie ab 1803 auf. Ins Musical packen wir die ganze Palette an Artistik, Akrobatik, Zauberei, Clownerie, Gesang rein – und erzählen dabei eine wahre Geschichte. Unglaublich, wie viel Fleisch am Knochen es da gibt. Zum Beispiel, was sich während des Zweiten Weltkrieges zugetragen hat.

Nämlich?
Dafür brauche ich aber mehr als einen Satz. Der Zirkus Knie war sehr erfolgreich und hatte zahlreiche ausländische Artisten unter Vertrag. Otto Küchler, Gesandter des Deutschen Reiches, setzte meinen Vater unter Druck. «Sie müssen Ihre Pferdenummer in Berlin vor Hitler darbieten», sagte er, «sonst machen wir die Grenzen für den Zirkus Knie dicht und dann können Sie schauen, wie Sie Ihr Programm füllen.» Das tat er. Nach der Vorführung im Berliner Wintergarten hätte er Hitler bei einem Empfang die Hand schütteln müssen. Er sagte jedoch, dass sich ein Pferd verletzt habe und er dringend zu ihm müsse. «Zuerst das Ross, dann Hitler.» Stattdessen machte er sich mit seinen Tieren aus dem Staub. Im Bombenhagel übrigens. Wenn mein Vater diese Geschichte erzählte, veränderte sich seine Gesichtsfarbe.

Hätte er doch nicht vor Hitler auftreten sollen?
Eine schwierige Frage. Er befand sich in einem Dilemma. Wie würde das Schweizer Publikum reagieren, wenn es erfährt, dass er vor Hitler auftritt? Es gibt eine Wochenschau, wo man meinen Vater bei seiner Nummer sieht. Andererseits riskierte er bei einer Absage, dass der Zirkus seine Tore hätte schliessen müssen. Weil wir die Artisten aus dem Ausland brauchten.


Gibt es den Zirkus Knie in 50 Jahren noch?
Wenn die nächste Generation am Steuerrad genug klug handelt und sich immer wieder erfindet, sehe ich eine Zukunft. Der Zirkus muss auch unbedingt avantgardistisch bleiben, er darf sich nicht nur auf seine grosse Tradition berufen. Es braucht kreative Köpfe, die Events gestalten. Das ist wie beim Fussball. Da reicht es längst nicht mehr, dass nur ein Match gespielt wird und in der Pause ein paar Bratwürste verkauft werden. Nein, es wird heute ein Rundum-Angebot erwartet.

Reden wir über die Malerei. Wie entsteht ein Bild bei Ihnen?
Mit einem Gedanken oder einer Inspiration, die irgendwo entsprungen ist. Die erste Idee kann sich mit jedem weiteren Strich komplett verändern und in eine andere Richtung führen.

Sind Ihre Bilder Kunst?
Das sollen andere beurteilen. Meine Bilder sind ein Spiegelbild meines Lebens. Ich war lange im Zirkus und deshalb passt es sehr gut dazu, dass ich meine Bilder auf alte Zirkuszelte male.

Welche Kunst gefällt Ihnen?
Es ist einfacher zu erklären, was mir nicht gefällt: hochgejubelte Kunst, bei der nichts dahinter ist. Schauen Sie sich die Art Basel an: Das ist für mich nur noch Kasperlitheater. Mit Kunst hat das nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Marketing. Finden Sie es normal, wenn auf der grössten Kunstmesse der Welt 90 Prozent der Bilder Müll sind? Wenn die Idee eines Kunstwerks einzig im Portemonnaie steckt, dann läuft etwas schief. Nehmen Sie Lucio Fontana: Kürzlich wurde ein Bild von ihm verkauft. In dieses hatte er mit einem Teppichmesser fünf Schlitze reingeschnitten. Ein Käufer bezahlte 1,6 Millionen Franken. Da muss ich feststellen: Genial ist nicht das Bild, nein, genial ist, dass sie einen Löli fanden, der für so etwas so viel Geld hinblättert.

Salvador Dalì oder Pablo Picasso?
Beide sind Vorbilder, grossartige Künstler, aber auch exzellente Selbstdarsteller.

Jean Tinguely oder Hans Erni?
Erni war eher unterschätzt, Tinguely dafür überschätzt – und damit beide ungefähr auf dem gleichen Niveau. Ich war bei Tinguely zu Hause, als während des Mittagessens das Telefon läutete. An der anderen Seite der Leitung: die renommierte Marlborough Gallery in London. Und was brummte Tinguely in den Hörer? «I have no time… I have no time!» Dann hängte er auf und sagte: «Die können mich alle mal!» Wenn du erst einmal dort oben stehst, kannst du tun und lassen, was du willst. Da lässt dich niemand mehr fallen, auch weil sie viel zu viel Geld verlieren würden.

Emil brachte Ihnen einst das perspektivische Zeichnen bei. Wie kam es dazu?
1977 war er bei uns im Zirkus dabei. Als er mich malen sah, sagte er: «Ich sehe, dass du Schwierigkeiten mit der Perspektive hast.» Dann malten wir zusammen. Er hatte ja die Kunstgewerbeschule besucht. Bis heute schicke ich ihm immer wieder Bilder von mir, damit er sie beurteilt. Seine Kritik ist knallhart, aber glaubwürdig, weil sie von einem Fachmann stammt und nicht von irgendeinem Ohrfeigengesicht, das gar nichts von der Sache versteht, aber zufälligerweise für eine Zeitung schreiben darf.

Sie haben schon so viele grosse Persönlichkeiten kennen gelernt. Welche hat Sie am meisten beeindruckt?
Charlie Chaplin. Wenn wir mit dem Zirkus Knie in Vevey weilten, durften wir bei den Chaplins ins Haus. Manchmal machte er eine kleine Vorführung für uns. Ich bin heute noch immer gut befreundet mit seinen Kindern. Erst viel später merkte ich, welch grosses Glück ich hatte, dass ich ihm begegnen durfte. Mein Vater und ich waren zusammen mit seiner Familie die Einzigen, die an seiner Beerdigung dabei sein durften.

Sie lernten im Haus von Charlie Chaplin auch Michael Jackson kennen.
Ja, das kam so: Géraldine Chaplin rief mich aus Rom an, sie sei am Konzert von Jackson gewesen. Der wolle unbedingt ihr Elternhaus besuchen: «Du musst das organisieren und mit dabei sein, meine Mutter lässt ihn sonst nicht rein!» Als Jackson dann 1988 in Basel auftrat, fädelte ich alles ein. Wir trafen uns tatsächlich in Chaplins Haus in Vevey. Er kam viel zu spät, weil er die Adresse nicht fand. Verzweifelt rief er von einer Tankstelle in Vevey an. Wir holten ihn dann ab. Jackson hatte eine riesige Freude, dass er das Haus besuchen durfte, er war aber auch sehr schüchtern. Alle tranken Cola, ausser Michael: Er wollte partout nichts trinken. Irgendwann sagte er, dass er einen Vertrag mit Pepsi habe. Eine Cola käme für ihn nicht in Frage. Er war eine sehr beeindruckende, gleichzeitig sehr zurückhaltende Persönlichkeit.

   

Auf die Kuh gekommen - Knie malt fürs Jubiläum

Zum 20-jährigen Bestehen von Naturaplan durfte Hans Erni seinen künstlerischen Beitrag leisten. Zum 25. Gründungsjahr fällt diese Ehre nun Rolf Knie zu. Schnell war ihm klar, dass es ein farbenfrohes Bild werden sollte, «auf dem ich die Elemente Wasser, Erde, Getreide und Tiere miteinander verbinde». Ins Zentrum pflanzte er eine Kuh, die dem Betrachter sofort ins Auge springen soll. Knies Werk ist auf einigen Naturaplan-Produkten abgebildet.

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