Donnschtig-Jass-König Roman Kilchsperger in Feierabendstimmung.

Roman Kilchsperger: «Ich wäre gern etwas mehr Macho»

Der Zürcher hält sich beim stundenlangen Jassen mit literweise Kaffee wach. «Allemal besser als hübsche Tauben zu jagen», wie er sagt.

Roman Kilchsperger (46) ist wieder auf Tournee: Bis zum 18. August reist er mit dem Donnschtig-Jass (SRF, 20.05 Uhr) durch die Schweiz. Wichtiger als die Karriere sind dem leidenschaftlichen Jasser jedoch seine Ehefrau Viola Tami (35) und ihre gemeinsamen Söhne (7 und 10).

Als Werber ist es Ihre Aufgabe, andere Leute zu überzeugen. Verführen Sie gern?
Wenn Sie mir diese Frage gestellt hätten, als ich zwanzig war, hätte ich die Vorstellung, dass aus mir ein Werber werden könnte, entrüstet von mir gewiesen. Ich war damals extrem in die Kunst vertieft und bewegte mich in einer sehr schöngeistigen Welt, fernab jeglichen oberflächlichen Konsums. Ich spielte Klavier und schrieb Gedichte. Ich kam mit 600 Franken im Monat aus.

Weshalb haben Sie den musikalischen Weg verlassen?
Die Berufswahl fiel mir sehr schwer, da ich vielseitig interessiert bin und zwei Seelen in meiner Brust wohnen. Ich habe eine hoch kreative, manchmal leicht chaotische und eine sehr analytische, mathematische Seite. So habe ich nach der Matura einer Familientradition entsprechend Jura studiert, träumte aber weiter von einer Pianisten-Karriere – bis ich mit 22 Jahren unverschuldet einen Vespa-Unfall erlitt.

«Fussball, um mit meinen Jungs zu spielen.»

«Fussball, um mit meinen Jungs zu spielen.»
«Fussball, um mit meinen Jungs zu spielen.»

Was macht für Sie einen guten Jass aus?
Wichtig ist, dass die richtigen Leute dabei sind: Nicht nur, damit alle in etwa die gleiche Spielstärke haben, sondern vor allem, damit sich am Tisch eine Feierabendstimmung einstellt und jeder erzählt, was er erlebt hat. Deshalb nehme ich nur selten an Jassturnieren teil, bei denen es vor allem darum geht, wer am Ende den grössten Salami bekommt.

Wie kommt es, dass Sie als Zürcher zum Jassen in den Aargau fahren?
Hier gibt es die stärksten Spieler! Wir sind etwa 20 Jasser aus allen Berufsgattungen, von denen sich immer ein Dutzend am Freitag um 16 Uhr im «Löwen» in Boswil trifft und bis nach Mitternacht Coiffeur jasst. Dafür fahre ich gerne eine halbe Stunde und geniesse auch die bodenständige Lebensart auf dem Land – weg vom ganzen Fernsehzirkus!

Sie halten sich also mit dem «Nationalsport» fit …
Als Sport würde ich das Jassen sicher nicht bezeichnen, obwohl man dabei die kleinen grauen Zellen trainiert. Für mich sind es die ungesündesten Stunden der Woche. Wir sitzen herum, rauchen unheimlich viel und leeren literweise Kaffee in uns rein! Die Jassabende sind trotzdem besser, als wenn ich in einer Midlife-Crises stecken und nächtelang in Bars hübsche Tauben jagen würde.

«All meine Eitelkeit hat in einer Dose Haarwachs Platz. Aber die muss sein.»

«All meine Eitelkeit hat in einer Dose Haarwachs Platz. Aber die muss sein.»
«All meine Eitelkeit hat in einer Dose Haarwachs Platz. Aber die muss sein.»

Wann hat Sie das Jass-Fieber gepackt?
Vor 20 Jahren in den Ferien auf den Malediven; die Karten kannte ich schon, weil ich mit den Eltern im Wohnwagen immer «Tschau Sepp» gespielt hatte. Als mir dort ein anderer Schweizer namens Rolf den «Schieber» beibrachte, wurde die Reise doppelt so teuer ... Trotzdem wurde Rolf zu einem meiner besten Freude. Leider ist er im vergangenen Jahr gestorben. Bei unserem letzten Gespräch haben wir noch einmal darüber gelacht, wie er mich damals abgezockt hat. Als wir uns zum Abschied ein allerletztes Mal umarmten, gab ich ihm den Auftrag, im Himmel ein nettes Plätzchen zu suchen. Wir werden weiterspielen, sobald ich hier nicht mehr gebraucht werde.

Wie wurde der «Donnschtig-Jass» zu Ihrer Erfolgssendung?
Als Monika Fasnacht 2011 nur noch den «Samschtig-Jass» moderieren wollte, hat mir Redaktionsleiterin Sibylle Marti, die meine Begeisterung fürs Jassen kannte, die Nachfolge angeboten. Ich zögerte, weil mir klar war, dass die eingefleischten Fans der Sendung dem «Typ aus Züri» skeptisch gegenüberstehen würden. Umso mehr, als manche Leute noch meine scherzgetriebenen Sprüche aus «MusicStar» in Erinnerung hatten; da hatte ich manchmal das Gefühl gehabt, ich müsse mich verrückter geben als ich tatsächlich war. Trotzdem sagte ich zu, ich wusste, dass das Konzept perfekt zu mir passt. Ich jasse nicht nur gerne, sondern fühle mich auch in meinem Element, wenn ich auf einem Dorfplatz Künstler aus Schlager und Volksmusik präsentieren kann, die ich beim Autofahren schon lange gerne höre. Als das Publikum das spürte, war das Eis gebrochen.

Eigentlich keine Überraschung, zumal Kurt Felix Sie einst als «telegenialen Sonnyboy» gepriesen hatte.
Dieses Lob aus seinem Mund hat mir sehr geholfen, als ich mit 35 Jahren als Quereinsteiger vom Radio zum Fernsehen geholt wurde. Da dachte ich, ich sei wirklich gut und kam in ein Hoch. Und da immer alles gut lief, ohne dass ich mich dafür besonders anstrengen musste, hielt ich es für möglich, dass vielleicht nur ich nicht wusste, dass ich ein Genie bin. Schliesslich liess ich mich sogar zur Late-Night-Show «Black’n’Blond» mit Chris von Rohr überreden …
 
… die zum veritablen Flop wurde.
Tja. Glücklicherweise habe ich mich nie über meinen Beruf definiert und liess mich weder von harter Kritik noch von höchstem Lob verrückt machen. Ich gehe arbeiten, um meine Familie zu ernähren. Ich bin kein Showman.

Noch eine Frage unter Männern: Sind Sie tatsächlich so emanzipiert, wie Ihre Frau Viola Tami immer schwärmt?
Eigentlich wäre ich gerne etwas mehr Macho, aber ich habe nun mal eine starke Frau geheiratet und finde es nicht mehr als fair und respektvoll, dass wir unsere Aufgaben teilen. Schliesslich wollen wir nicht primär ein erfolgreiches Showbusiness-Paar, sondern gute Eltern und für einander da sein.

1978 Der erste Fussball-WM-Final, Argentinien–Niederlande 3:1 n. V. – unvergesslich.
1991 Mein erster Arbeitsvertrag – und erst noch beim damals grossen Radio 24.
2012 Ich darf Viola heiraten – nie vorher oder danach war ich nervöser.

Video

Hier das Video mit den Highlight der Donnstig-Jass-Sommertournee 2015 ansehen

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 18.07.2016, 00:00 Uhr

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