Rotes Kreuz: Hilfe seit 150 Jahren

Seit 1866 gibt es das Schweizerische Rote Kreuz. Die Organisation setzt auf Freiwillige wie Lars Hadorn. Coop ist strategischer Partner und unterstützt das Jubiläum.

Es ist nicht immer einfach, macht aber Spass: Lars Hadorn leitet den Spielabend des JRK Basel-Stadt.

Es ist nicht immer einfach, macht aber Spass: Lars Hadorn leitet den Spielabend des JRK Basel-Stadt.
http://www.coopzeitung.ch/Rotes+Kreuz_+Hilfe+seit+150+Jahren Es ist nicht immer einfach, macht aber Spass: Lars Hadorn leitet den Spielabend des JRK Basel-Stadt.

Lebendig geht es zu und her an diesem Freitagabend. Gegen 20 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren treffen sich im Untergeschoss einer Basler Wohnsiedlung. Dort findet der Spielabend des Jugendrotkreuzes Basel-Stadt für benachteiligte Kinder im Quartier statt. «Sie kommen aus teilweise schwierigen Verhältnissen, die meisten haben Migrationshintergrund, manche kamen als Flüchtlinge in die Schweiz», sagt Anna Greub, Jugendrotkreuz-Freiwilligenkoordinatorin vom SRK Basel. Es sei daher wichtig, ihnen solche sozialen Angebote zu bieten. Der Begriff «Spielen» ist hier weit gefasst: Neben klassischen Gesellschaftsspielen werden auch Aktivspiele wie Scharade, Geschicklichkeitsspiele oder Fussball gespielt. Auch Malen, Basteln oder Backen stehen auf dem Programm. Das Angebot ist gratis und die Kinder müssen sich nicht anmelden. Geleitet wird der Spielabend von Freiwilligen wie Lars Hadorn. «Ich wollte neben dem Beruf und dem Sport noch etwas Soziales machen», erklärt der Chemielaborant sein Engagement. Seit November 2013 ist er dabei. 

Sinnvoller Einsatz

«Die Sprache ist das Wichtigste für den Kontakt mit anderen», findet Camilla Delpero. Sie hilft Flüchtlingskindern im Tessin beim Lernen. 

«Die Sprache ist das Wichtigste für den Kontakt mit anderen», findet Camilla Delpero. Sie hilft Flüchtlingskindern im Tessin beim Lernen. 
http://www.coopzeitung.ch/Rotes+Kreuz_+Hilfe+seit+150+Jahren «Die Sprache ist das Wichtigste für den Kontakt mit anderen», findet Camilla Delpero. Sie hilft Flüchtlingskindern im Tessin beim Lernen. 

«Die Kinder verlangen einem viel ab», sagt der 19-Jährige. «Doch Kleinigkeiten machen das wieder wett.» Etwa, wenn ein Kind am Ende des Abends eine schöne Zeichnung gemalt hat und diese mit Begeisterung zeigt. «Der soziale Hintergrund der Kinder ist an diesen Spielabenden irrelevant.» Weder Lars noch die anderen Freiwilligen haben eine spezielle Ausbildung im Sozialbereich. «Wir leiten den Abend nach bestem Wissen und Gewissen. Learning by doing», erklärt er. Lars Hadorn schätzt sich glücklich, dass er diese Spielabende mit seinem Engagement ermöglichen kann. «Mir ist es wichtig, dass die Kinder einfach Kinder sein können.»
Auch Camilla Delpero (26) arbeitet mit Kindern. Die Tessinerin hilft Flüchtlingskindern in Cadro TI zweimal pro Woche beim Lernen. «Das Wichtigste ist die Sprache, um mit den Tessiner Kindern in Kontakt zu kommen», sagt sie. «Es gefällt mir zu helfen, indem ich sie beim Lernen unterstütze.»
Magali Curtys (21) Klientel gehört zu einer anderen Generation. Sie hilft Senioren in Fribourg dabei, mit elektronischen Geräten wie dem Smartphone oder dem Laptop umzugehen. «Ich bin froh, dass ich mein Wissen einsetzen kann, um älteren Menschen zu helfen.»

Hilfsaktion für Kriegsverletzte 

Internierung der Bourbaki-Armee: 1871 leistete das heutige SRK den ersten humanitären Grosseinsatz.

Internierung der Bourbaki-Armee: 1871 leistete das heutige SRK den ersten humanitären Grosseinsatz.
http://www.coopzeitung.ch/Rotes+Kreuz_+Hilfe+seit+150+Jahren Internierung der Bourbaki-Armee: 1871 leistete das heutige SRK den ersten humanitären Grosseinsatz.

Spielabend, Handykurs und Nachhilfe für Flüchtlinge. Das ist nur eine kleine Auswahl an Angeboten, die das Jugendrotkreuz (JRK) bietet. Die in den 1960er-Jahren gegründete Nachwuchsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) richtet sich an Freiwillige zwischen 15 und 30 Jahren.
Doch ist die heutige Funktion des Roten Kreuzes noch im Sinne seiner Gründer? Immerhin entspringt diese international tätige Organisation Kriegsgeschehnissen, genauer der Schlacht bei Solferino IT 1859. Henry Dunant, ein junger Geschäftsmann aus Genf, war beruflich bedingt in der Nähe des Kriegsschauplatzes und sah, dass die verwundeten Soldaten nicht verarztet wurden. So organisierte er eine Hilfsaktion für die Verletzten. Er gilt als Gründer des heutigen Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).
Seine Erlebnisse hielt Dunant 1862 in «Eine Erinnerung an Solferino» fest. Er forderte darin ein internationales Abkommen zum Schutz der Kriegsopfer und schlug vor, in allen Ländern «Hilfsgesellschaften» zu gründen. Diese sollten in Friedenszeiten Freiwillige ausbilden, die im Krieg die Sanitätsdienste der Armeen unterstützen. Der Einsatz von Freiwilligen hat also eine lange Tradition in der Rotkreuzbewegung. Am 17. Februar 1863 wurde in Genf das «Internationale Komitee für die Hilfe an Verwundeten» gegründet. Als Schutzzeichen wurde das Rote Kreuz bestimmt – die farbliche Umkehrung des Schweizer Wappens. Wie die Schweiz ist auch das Rote Kreuz neutral.

«Wie funktioniert das genau mit dem Laptop?» Magali Curty hilft älteren Menschen im Umgang mit elektronischen Geräten. 
«

Ich bin froh, dass ich mit meinem Wissen helfen kann.»

Magali Curty (21), Freiwillige beim JRK Fribourg

Neu auch mit Zivilen 

Drei Jahre später, am 17. Juli 1866, wurde der «Hülfsverein für schweizerische Wehrmänner und deren Familien» gegründet – das heutige SRK. Auch hier standen jene im Vordergrund, die direkt oder indirekt von der Kriegsteilnahme betroffen waren. Der erste grosse Einsatz des «Hülfsvereins» fand 1871 anlässlich der Internierung der sogenannten Bourbaki-Armee statt. Noch heute gilt der Auftrag, sich in Friedenszeiten darauf vorzubereiten, Kriegsverletzte zu pflegen. Das SRK unterstützt das IKRK bei dessen Einsätzen zum Schutz von Opfern von Konflikten, ist aber selber nicht in Kriegsgebieten tätig. 

Während des Zweiten Weltkriegs organisierte es die sogenannten Kinderzüge.

Während des Zweiten Weltkriegs organisierte es die sogenannten Kinderzüge.
http://www.coopzeitung.ch/Rotes+Kreuz_+Hilfe+seit+150+Jahren Während des Zweiten Weltkriegs organisierte es die sogenannten Kinderzüge.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich das SRK zu wandeln. Zu den militärischen kamen vermehrt zivile Tätigkeiten, etwa die Pflege kranker Menschen. Während des Zweiten Weltkriegs half das SRK, Kinder aus europäischen Ländern zur Erholung für Kurzferien in die Schweiz zu holen. Sie durften bei Gastfamilien wohnen, zu denen viele auch später noch Kontakt hielten. Bekannt ist das SRK auch durch die Blutspende, die es seit dem Zweiten Weltkrieg organisiert. 1988 kam die weltweit erste Datenbank für Knochenmarkspender, das heutige Register für Blutstammzellspender, hinzu. Heute gehören zudem fünf Rettungsorganisationen dem SRK an:

Im Sinne Henry Dunants

Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes

Im Inland kann das SRK auf die Dienste von 73 000 Freiwilligen zählen. «Im Ausland setzt das SRK grundsätzlich nur professionelle, erfahrene Fachleute ein, die für ihre Einsätze und für die Zusammenarbeit mit anderen Rotkreuzgesellschaften geschult sind», erklärt Markus Mader, Direktor des SRK. So war bei der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika professionelles Pflegepersonal des SRK vor Ort. Auch beim Erdbeben in Nepal 2015 packten Helfer des SRK mit an.
Angesichts der vielfältigen Aufgaben erscheint das SRK fast ein bisschen wie ein Gemischtwarenladen. Doch das alles entspricht durchaus der Idee Henry Dunants, der in einer Fussnote seiner «Erinnerung an Solferino» schrieb: «In Friedenszeiten könnten diese nationalen Hilfsgesellschaften bei Epidemien oder Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen oder Feuersbrünsten, grosse Dienste leisten.»
Damit es auch weiterhin bestehen kann, muss das SRK «den Zugang zu den Bedürftigen und Verletzlichen finden», so SRK-Direktor Mader. «Wir müssen die richtigen Leistungen erbringen, um Menschen bessere Lebensperspektiven zu geben.» Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. «Dies gilt insbesondere bei grenzüberschreitenden Herausforderungen wie der Migration, des Klimawandels oder der Alterung der Gesellschaft.»
Wie sich das SRK künftig positionieren soll, findet auch Lars Hadorn spannend. Etwa in Bezug auf die Flüchtlingskrise: «Soll sich das Rote Kreuz dazu äussern und wenn ja, wie? Und wie kann die Organisation auf die Bedürfnisse der Freiwilligen eingehen?» Deshalb engagiert er sich beim Young Leader Forum des SRK. Dieser Gedankenaustausch findet zweimal pro Jahr statt. «Es ist positiv, dass die Jugend im SRK vermehrt bei Entscheidungen eingebunden wird», findet er. Das finden auch die «Grossen»: Seit einigen Jahren gehört auch eine Vertreterin der Jugend dem Vorstand des SRK an.

SRK-Direktor Markus Mader über die Flüchtlingskrise und die Herausforderungen des SRK.

Markus Mader, Direktor des SRK

Markus Mader, Direktor des SRK
http://www.coopzeitung.ch/Rotes+Kreuz_+Hilfe+seit+150+Jahren Markus Mader, Direktor des SRK

Was bringt dem SRK die strategische Partnerschaft mit einem Unternehmen wie Coop?
Die Zusammenarbeit mit Unternehmen der Privatwirtschaft ist für das SRK wichtig, weil wir unterschiedliche Stärken verbinden und voneinander lernen können. Coop hilft uns jedes Jahr mit Warenlieferungen für die Aktion «2 × Weihnachten» und hat wiederholt die Nothilfe und den Wiederaufbau des SRK nach Katastrophen im Ausland mit Spenden unterstützt. Gleichzeitig kann Coop von der Nähe des SRK zu den Menschen und dem Wissen um deren Bedürfnisse profitieren.

Was sind die heutigen Herausforderungen des SRK?
Die Gesellschaft und damit die Bedürfnisse ändern sich konstant, daran müssen wir uns anpassen. Wir müssen neue Angebote und Leistungen entwickeln, um den Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, eine wirksame Hilfe zu bieten. Heute steht die Hilfe für Menschen auf der Flucht im Vordergrund. Wir unterstützen sie vor Ort und auf den Migrationsrouten.

Wie genau?
In Syrien etwa unterstützt das SRK in Kooperation mit dem Dänischen Roten Kreuz und dem Syrischen Roten Halbmond ein Gesundheitszentrum. Im Libanon verteilen wir Nahrungsmittelpakete für 1000 Familien, 600 Familien erhalten Bargeldzuschüsse, die sie nach ihren eigenen Prioritäten einsetzen können.

Ist es schwieriger geworden, Freiwillige zu finden?
Wir finden glücklicherweise immer wieder Menschen, die ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Anteilnahme schenken wollen, um beim Rotkreuz-Begleitdienst, beim Fahrdienst oder weiteren Angeboten anderen Menschen zu helfen. Schwieriger ist es im Bereich Erste Hilfe und Rettung: Hier müssen sich die Freiwilligen regelmässig weiterbilden, was sehr aufwendig und mit dem Beruf manchmal schwer zu vereinbaren ist. Speziell freut mich, dass sich angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise spontan viele Menschen bei uns melden, grosse Solidarität zeigen und mitanpacken möchten.

Wie wird das Personal ausgebildet?
Die Kantonalverbände, die Rettungsorganisationen und der Blutspendedienst des SRK haben ein eigenes Ausbildungssystem, um die Freiwilligen und Mitarbeiter zu bilden und weiterzubilden. Für angestellte Mitarbeiter bietet das SRK eine breite Palette an internen und externen Weiterbildungen an.

Wie sieht die Zukunft des SRK aus?
Wir werden getragen von der Solidarität der Bevölkerung, die uns unterstützt und mit uns arbeitet. Wir führen eine verlässliche Partnerschaft mit den Behörden unseres Landes und arbeiten eng mit der Privatwirtschaft zusammen. Mit unserem bewährten System von ethischen Werten können wir ganz sicher auch in Zukunft unsere Aufgaben erfüllen.

Angebot: Jugendlager AULA des SMSV

Inhalt: Im Jugendlager «AULA» werden Jugendliche während sieben Tagen in die Kenntnisse der Ersten Hilfe eingeweiht. Je nach Vorbildung stehen dazu vier verschiedene Leistungsniveaus zur Auswahl. Jährlich nehmen über 200 junge Frauen und Männer am «AULA» teil. Ausgebildet werden sie von rund 80 freiwilligen Helfern, die zu einem grossen Teil in Gesundheits- oder Blaulichtberufen arbeiten. Die Ausbildung kann für eine Berufswahl im Gesundheitswesen oder für die spätere militärische Einteilung von Nutzen sein.

Zwischen den Ausbildungen und in der Freizeit sind Sport und Spass angesagt: Von Beachvolleyball über Fussball, einem Minigolfturnier bis Geländeübung ist für alle etwas dabei.

Wann: 8.-15. Oktober 2016

Wo: S-Chanf (GR)

Kosten: CHF 225 pro Teilnehmer (Es hat noch einzelne Plätze zu vergeben)

Anmeldung bis: Melden Sie sich in den nächsten Tagen an, da die Platzzahl beschränkt ist

Teilnehmende: Kinder und Jugendliche von 13-22 Jahren

Anbieter: Schweizerischer Militär-Sanitäts-Verband (SMSV) = Mitgliedorganisation des SRK

Mehr Infos: http://aula-jugendlager.ch/de/

Flyer: PDF

Zur Anmeldung

Jubiläumsfeier

Das SRK organisiert 1939 in Bern eine Obst- und Gemüsesammlung zugunsten der Schweizer Militärspitäler. 

Das SRK organisiert 1939 in Bern eine Obst- und Gemüsesammlung zugunsten der Schweizer Militärspitäler. 
http://www.coopzeitung.ch/Rotes+Kreuz_+Hilfe+seit+150+Jahren Das SRK organisiert 1939 in Bern eine Obst- und Gemüsesammlung zugunsten der Schweizer Militärspitäler. 

Am Samstag, 2. April, eröffnet das Schweizerische Rote Kreuz SRK die Feiern zu seinem 150-jährigen Bestehen mit einem grossen Fest auf dem Bundesplatz in Bern. Der Anlass dauert von 15.30 bis 20.45 Uhr.

SRK-Direktor Markus Mader wird die Feier eröffnen. Zudem stehen Reden von SRK-Präsidentin Annemarie Huber-Hotz und Ständeratspräsident Raphaël Comte auf dem Programm. Um 18 Uhr werden die Sondermünze und Sondermarke präsentiert. Für musikalische Unterhaltung sorgen die Sängerin Nubya (17.15 Uhr) sowie der Rapper Greis (19.15 Uhr). Auch für Verpflegung ist gesorgt: Ab 17 Uhr ist das Marché Catering der Marché Restaurants Schweiz AG vor Ort.

Ab April wird das SRK mit einer Roadshow an über 30 Orten in der ganzen Schweiz präsent sein.

Coop begleitet das SRK-Jubiläumsjahr als Hauptpartner.

Jubiläumsausgabe Humanité (PDF)
Mehr zu den Rotkreuz-Grundsätzen



Organisationen des SRK:

Redog
Rega
SLRG
Samariterbund
Blutspende Schweiz
Jugendrotkreuz
SMSV



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Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
Sandro Mahler, SRK/Roland Blattner, Keystone
Veröffentlicht:
Montag 28.03.2016, 08:00 Uhr

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