Christina Maria Rieder alias Rykka am Ufer des Zürichsees in Meilen.

Rykka: «Hier ist alles viel kleiner und süsser»

Hoffnungsträgerin Sie möchte beim Eurovision Song Contest in Stockholm für die Schweiz ganz nach vorn kommen. Das Zeug dazu hat sie.

Geboren und aufgewachsen ist sie in Kanada, ihre Wurzeln hat sie in der Schweiz. Heute pendelt sie zwischen Zürich und Vancouver. Doch das Zentrum ihres Lebens ist eindeutig: Im Leben von Christina Maria Rieder alias Rykka (30) dreht sich alles um Musik.

Was bedeutet Ihnen der Zürichsee?
Seitdem ich in Meilen wohne, gehe ich im Sommer regelmässig schwimmen. Abends mache ich fast jeden Tag mit meinem Mann oder der ganzen WG am Strand ein Picknick. Wir wohnen ja nur 15 Gehminuten von hier.

Weshalb leben Sie als Paar in einer WG?
Ich bin froh, das Haus mit sechs Künstlern, Studenten und anderen Verrückten teilen zu können, die einen ähnlichen Lebensstil haben. Man inspiriert und unterstützt sich gegenseitig, wird fast zu einer grossen Familie. Wenn ich sieben Stunden versucht habe, einen neuen Song zu schreiben, und nichts dabei herausgekommen ist, hilft es, wenn es Menschen in meiner Nähe gibt, welche diesen Frust ebenfalls kennen ...

Sie haben dort ein altes Bauernhaus gemietet – was hat Sie daran gereizt?
Ich fühle mich mitten in der Natur. Der Garten ist so riesig! Ich habe es nicht geschafft, ihn ganz zu bepflanzen, obwohl ich letzten Sommer jeden Tag darin gearbeitet habe. Zudem heizen wir mit Holz, sodass wir den Wechsel der Jahreszeiten sehr direkt spüren.

Sie liebt ihre Fender E-Gitarre.

Sie liebt ihre Fender E-Gitarre.
Sie liebt ihre Fender E-Gitarre.

Wie unterscheidet sich die Schweiz von Vancouver, wo Sie aufgewachsen sind?
Alles ist viel kleiner hier, und süsser. Wenn man in Kanada zwei Stunden fährt, kommt man nicht sehr weit, während man hier schon im Ausland wäre! Da ich das Wasser und die Berge liebe, kann ich jedoch stolz sagen, dass ich aus den beiden schönsten Ländern stamme, die ich je gesehen habe.

Wie kam es, dass Sie beide Pässe haben?
Mein Grossvater war aus dem Kanton Baselland nach Kanada ausgewandert und machte dort eine «Swiss Bakery» auf. Er war fasziniert von der Wildnis mit riesigen Wäldern, Bären und Pumas. Lustigerweise passierte es aber in der Schweiz, dass meine holländische Mutter schwanger wurde: Sie und mein Vater waren gute Eishockeyspieler und für eine Saison vom Adelbodner Klub als Verstärkung engagiert worden. Geboren wurde ich aber erst, als sie wieder nach Kanada zurückgekehrt waren.

Weshalb kamen Sie dann vor sechs Jahren in die Schweiz?
Ich wollte hier mit den Verwandten Weihnachten feiern und vier Monate in Berlin arbeiten. Dann lernte ich in Basel meinen Mann kennen und unterschrieb  in Luzern den Plattenvertrag mit Little Jig Records – beides in einer Woche. Seither ist hier meine Basis, doch ich pendle regelmässig nach Kanada.

Ihr Ehemann Timothy Jaromir ist ebenfalls Musiker. Arbeiten Sie auch zusammen?
Ja, dieses Jahr wollen wir Songs als Duo veröffentlichen. Timothy hat auch ein Soloprojekt, in dem er Rock und Pop mit englischen Texten macht. Zudem arbeitet er als Sozialpädagoge und Musiktherapeut für Menschen mit Behinderung.

Doppelbürgerin: Schweiz-Kanada.

Doppelbürgerin: Schweiz-Kanada.
Doppelbürgerin: Schweiz-Kanada.

Warum haben Sie vor drei Jahren Ihren Künstlernamen gewechselt?
Am Anfang spielte ich Jazz und Folk – da war Maria Christina in Ordnung. Mit dem Album «Kodiak» wurde ich dann aber rockiger, frecher und ehrgeiziger. Dafür suchte ich etwas Neues und fand den skandinavischen Vornamen Rykka. Vielleicht ein Wink des Schicksals, da nun das ESC-Finale in Stockholm ist?

Zudem hat schon einmal eine Kanadierin für die Schweiz den ESC-Sieg geholt  …
1988 war ich gerade einmal zwei Jahre alt – von diesem Erfolg erfuhr ich erst, als wir in den vergangenen Jahren den Eurovision Song Contest am Fernsehen verfolgten. Für mich war Céline Dion vor allem mit dem «Titanic»-Titelsong («My Heart Will Go On») verbunden, den meine Mutter auf dem Klavier rauf und runter spielte.

Wie ist Ihr ESC-Beitrag entstanden?
Ich hatte einen Song geschrieben über zwei Menschen, die in eine künstliche Welt fliehen, um sich nicht mit der Realität befassen zu müssen. Dieses Lied, «Movies», war aber schon veröffentlicht.  Daher durfte ich damit nicht mehr zur ESC-Ausscheidung antreten. Also habe ich mit meinen kanadischen Ko-Autoren eine Art Fortsetzung geschrieben. Die beiden Menschen setzten sich füreinander ein, obwohl alles um sie herum zusammenbricht. «The Last Of Our Kind» ist eine Hymne an die Kraft der Liebe.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?
Wenn ich an einem Wettbewerb teilnehme, will ich gewinnen! Meine Mutter, die sehr kompetitiv Eishockey und Baseball gespielt hat, brachte mir bei, meine Ziele immer hoch zu stecken.

Vier Daten im Leben von Rykka

2008 Sie reist mit ihrer Gitarre fünf Monate durch Asien und lernt den Kontinent kennen.

2010 Sie kommt wegen der Musik in die Schweiz und lernt ihren Ehemann Timothy kennen.

2013 Sie gewinnt den «Peak Performance»-Wettbewerb und 100 000 kanadische Dollar.

2016 Sie vertritt die Schweiz am Eurovision Song Contest in Stockholm: Halbfinale und Finale am 12. und 14. Mai.

Rykka: «The Last Of Our Kind» –der Schweizer ESC-Beitrag

Zur Homepage von Rykka »

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 02.05.2016, 00:00 Uhr

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