S’isch noche

Sie meint Gefühle, er einen Zeitplan.

Sybil Schreiber: Beim Kochen reicht mir Schneider die Salatschüssel, ich nehme sie entgegen, unsere Augen treffen sich ein Sekündchen. Es funkt.
Hach, Frühling!
Ich verstaue den Staubsauger im Schrank, Schneider hilft mir dabei, seine Schulter berührt meinen Arm.
Es knistert.

«

Es ist, als wäre unsere Liebe taufrisch.»

Wir legen Bettwäsche zusammen, beim Falten kommen wir uns immer näher. Ich muss lachen, er zupft am Tuch, als hätte er einen Fisch an der Angel. Spontan dreh ich eine Pirouette, verheddere mich im Laken und falle in Schneiders Arme.
Wir kichern wie die Teenager. Er gibt mir einen Kuss aufs Ohr, ich lache noch schriller. Es tut so gut. Unsere ungeplante Turtelei in den letzten Tagen macht mich ganz beschwipst. Wir benehmen uns, als wäre unsere Liebe taufrisch. Und seltsam, sie fühlt sich tatsächlich so an. Jede zufällige Berührung ist aufregend. Weil sie eben zufällig ist. Ohne Erwartung. Ein sachter Flügelschlag der Sehnsucht, denke ich, und das nach so vielen gemeinsamen Jahren Vertrautheit und Alltag. Ein Geschenk des Frühlings!
Ich schreibe diesen Gedanken in mein Tagebuch, als Schneider an meinen Schreibtisch kommt, mir den Nacken streichelt und nüchtern meint: «S’isch wider emol noche!»

Steven Schneider: «Wie wärs mit einer Spur Romantik?», fragt mich Schreiber, nachdem ich pfeilgerade in Worte gefasst habe, was sich deutlich angebahnt hat. «Falls du mich verführen willst, dann bitte mit mehr Gefühl», sagt sie streng.
Ich seufze lautlos. Ich habe sie doch schon längst verführt, voller Gefühl, seit Tagen! Die Liebe liegt in der Luft. Jetzt geht es nur noch um den perfekten Zeitpunkt, so, dass keine Nachbarin, kein Nonno an der Tür klingeln oder ein Kind aus der Schule kommt. Ein wenig Planung ist wichtig, damit wir ungestört das tun können, was eben «wider emol noche isch.»


«

Ich war doch nur klar und direkt.»

«Romantisch können wir nachher wieder sein. Aber jetzt hätte ich gern gewusst, wie deine Zeitplanung heute ausschaut», sage ich, um den Faden wieder aufzunehmen.
«Zeitplan? Du meinst, ob ich zwischen Kochen, Waschen, Putzen und Aufräumen Kapazitäten für dich habe, ist es das?»
Mann, jetzt wird es kompliziert, und nur, weil ich klar und direkt war. Schreiber bockt: «Also heute habe ich nichts mehr frei; vielleicht kann ich morgen ein Zeitfenster für dich öffnen.»
Morgen? Ein Rückschlag. Sofort wäre mir lieber gewesen. Aber ich verzage nicht, es bleibt ja weiterhin frühlingshaft!

 (Coopzeitung Nr 14/2014)

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 28.03.2014, 15:35 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Mägert Andrea antwortet vor 2 Monaten
Die Kündigung
Hiermit Kündige ich meine Coop ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 
Die Kroatin antwortet vor 2 Monaten
Schweizer Hymnen
Numme e so näbebii... die kroa ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?