1 von 5






Sabines Garten: Samen und Setzlinge

Gartenautorin Sabine Reber setzt sich in die frischen Beete – und sobald der Boden warm genug ist, sät und pflanzt sie Gemüse, Salate und essbare Blumen.

Gartenkalender und Regeln sind ja eine feine Sache. Aber auf die Frage, wann nun genau der richtige Zeitpunkt zum Säen und Pflanzen ist, kann die Agenda letztlich nur ungefähre Antworten geben. Lieber vertraue ich da auf meine Nase, auf mein Fingerspitzengefühl, und auf meinen Hintern.

Die Erde im Gemüsegarten muss sich in den Händen feinkrümelig und porös anfühlen. Klebt die Erde an den Fingern, ist es zu nass. Und gute Gartenerde muss auch richtig gut und fruchtbar riechen. Zu kalte Erde riecht nämlich nach gar nichts, erst mit steigenden Temperaturen beginnt sie zu leben, und diesen typisch erdigen, sinnlichen Frühlingsduft eines frisch gepflügten Ackers zu verströmen. Vor allem aber verlasse ich mich auf meinen Hintern. Will man sicher sein, dass der Boden warm genug ist zum Säen, so setze man sich hin. Und wenn man dabei weder einen nassen noch einen kalten Hintern kriegt, ja, dann ist der richtige Zeitpunkt für Direktsaaten!

Die Blumen ziehe ich grundsätzlich lieber in Schalen. Hellgrüne Zinnien, Kosmeen, Spinnenblumen (Cleome) und Amaranth gehören dieses Jahr zu meinen Favoriten. Auch Kohl, Rosenkohl und Wirsing säe ich in Schalen, so kann ich sie später schön regelmässig auf die Beete pflanzen. Ich habe mir einen kleinen Folientunnel angeschafft, eine gute Lösung für alle, die nur wenig Platz haben – im Mai kann er wie ein Zelt weggeräumt werden. Aber vielleicht lasse ich ihn dann für die Tomaten stehen – mal sehen, wie gut es das Wetter heuer mit uns meint. Und ich konnte es nicht lassen, Anfang März schon eine Reihe früher Erbsen zu säen, die bereits ordentlich gewachsen sind.

Ich liebe frische Erbsen! Kaum ein Gemüse schmeckt süsser und delikater als frisch geerntete Erbsen. Am liebsten esse ich sie gleich draussen im Garten, ebenso wie die Erdbeeren, die am süssesten schmecken, wenn sie von der Sonne warm sind. Wer kleine Kinder oder Enkel hat, sollte unbedingt Erbsen und Erdbeeren ziehen, und wenn genug Platz vorhanden ist, auf jeden Fall noch eine Reihe Himbeeren pflanzen. Diese kulinarischen Attraktionen stehlen jeder Schaukel und dem schönsten Sandkasten die Show!

Einige Gemüse und Blumen kann man draussen schon säen, wenn es noch zu kalt ist, um am Boden zu sitzen. Insbesondere Radieschen, Hirschhornsalat, Edelwicken, Pastinaken und Puffbohnen säe ich so früh wie möglich. Auch gut abgehärtete Salatsetzlinge und Kohlrabi habe ich bereits gepflanzt, ebenso Kartoffeln und Zwiebeln. Im April säe ich draussen Randen und Karotten und Petersilienwurzel, die wie alle Wurzelgemüse nicht ver-pflanzt werden sollten. Lauch hingegen kaufe ich jeweils als Setzlinge, die ich etwas tiefer pflanze, als sie in der Schale stehen. So bildet er lange, bleiche Schäfte. Auch den Stangensellerie pflanze ich etwas tiefer. Salat hingegen muss stets im Wind flattern. Zu tief gepflanzt, würden die zarten Setzlinge abfaulen. Setzlinge zu kaufen ist sowieso eine gute Idee, insbesondere für alle, die wenig Platz und Zeit haben. Und vor allem lassen sich damit hübsche Muster auf die Beete pflanzen. Auch in einer Kiste auf dem Balkon sieht ein Muster aus roten und grünen Salaten oder aus rotem und grünem Kohl hübsch aus. Zwischen die Kohlsetzlinge säe ich jeweils essbare Blüten wie Ringelblumen, Kapuzinerkresse oder Estragontagetes.

Und nun höre ich Sie nach den Schnecken fragen. Ja, die Schnecken! Natürlich lieben sie die jungen Pflänzchen. Ich habe mir angewöhnt, am Morgen früh meine Schneckenrunde durch den Garten zu drehen. Ein guter Trick zum Einfangen von Schnecken sind alte, schon etwas angemoderte Bretter, unter denen sich die Schleimer gern verstecken. Ich halte einen Eimer unter die Bretter, und kratze die Schnecken mit der Hand-schaufel ab. Einsammeln und entsorgen ist allemal das beste Mittel gegen Schnecken. Leere Grapefruithälften sind auch praktisch zum Schneckenfangen. Wer Lust hat, mit Bierfallen zu experimentieren, warum nicht. Aber man muss sie dann auch leeren und reinigen, was eine eher unappetitliche Angelegenheit ist. Ich trinke das Bier lieber selber, und setze die Schnecken am Waldrand aus. Falls der Garten so gelegen ist, dass ständig neue Schnecken einwandern, dann lohnt es sich, in einen Schneckenzaun zu investieren. Auch grobes Kies auf den Wegen bewährt sich, da kriechen die Schleimer nur ungern drüber. Um besonders heikle Pflanzen kann man auch einen Ring aus zerbrochenen Eierschalen streuen. Oder halt doch ein paar Bio-Schneckenkörner ausstreuen, wenn es nicht anders geht.

Sabine Reber Gartenfachfrau

Sabine Reber ist Schriftstellerin und Gartenpublizistin. Mit Gärten beschäftigt sich die 41-Jährige seit über zehn Jahren. Ihre Erfahrungen gibt sie in Kursen, Büchern und Kolumnen weiter. Bisher sind von ihrdrei Gartenbücher erschienen: «Endlich gärtnern»,«Traumpaare im Beet» und «Ein Gartenzimmer für mich allein». Alles über ihre Bücher, Kurse und den Webshop auf: www.blumenundworte.ch

 

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sabine Reber

Bloggerin

Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Montag 18.07.2011, 12:48 Uhr

Mehr zum Thema:

Alle Artikel zum Thema Garten
Sabines Gartenblog

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Die neuesten Kommentare zum Thema Garten:

Veronica antwortet vor 2 Monaten
Farbenfroh: Zyklamen gemischt
Meine Physalis ist dieses Jahr ... 
Theresa Kaufmann antwortet vor 2 Monaten
Winzerfreuden: Der ganz private Rebberg
@Thomas Weiss: Wenn Trauben fü ... 
Lisa Walder antwortet vor 2 Monaten
Balkonobst: Fruchtig süsse Zeit
Wie gross müssen die Töpfe min ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?