Sabines Garten: Sommerferien mit Pflanzen

Sabine Reber geniesst ihren Sommergarten, erntet Gemüse und schwelgt im nächtlichen Duftrausch ihrer Blumenpracht. Selber schuld, wer jetzt in die Ferien fährt!

Mir würde es nicht im Traum in den Sinn kommen, ohne Not im Sommer wegzufahren. Schon nur, weil ich der Nachbarin das Gartenhüten nicht zumuten möchte. Dabei gibt es im Sommer eigentlich nicht viel zu tun. Wer im Frühling gejätet und alles gut gepflanzt und gepflegt hat, kann sich jetzt ruhig im Liegestuhl zurücklehnen, oder eine grosse Gartenparty schmeissen, am besten beides. Und doch, man muss da sein, man muss immer ein bisschen schauen. Hier mal kurz Wasser geben, dort etwas zurückschneiden, die Tomaten ausgeizen, die Dahlien aufbinden, wenn ihre Blütenköpfe zu schwer werden. Und vor allem gilt es, das Gemüse zu ernten, solange es schön jung und knackig ist. Derzeit schwelgen wir ja im Ueberfluss: Zucchini, Blumenkohl, Randen, Karotten, Bohnen. Im Gewächshaus reifen Tomaten, Gurken und Auberginen, das Basilikum wächst büschelweise, es ist der reinste Selbstbedienungsladen.

Besonders aber geniessen wir den Garten in den milden Abendstunden. Nun kommen die hellen Blüten besonders gut zur Geltung, weiss, lila und sanfte Pastelltöne wirken in der Dämmerung am romantischsten. Nach dem Essen sehen wir den Nachtkerzen zu, wie sie ihre zitronengelben Blüten entrollen, und staunen immer von Neuem über ihren intensiven Duft. Ich habe noch nie Nachtkerzen gesät, sie tauchen von selber auf, ich würde behaupten, sie sind praktisch in jedem Garten vorhanden – man darf sie nur nicht ausreis-sen beim Jäten! Heuer sind sie neben den Königslilien aufgetaucht, eine traumhafte Kombination. Ja, Königslilien, ihr süsses Parfüm dominiert die lauen Abende. Ein Garten ohne Königslilien, das wäre ein bisschen wie Grillieren ohne ein kühles Bier dazu.

Auch Engelstrompeten (Brugmansia suaveolens) verströmen ihren Duft, sobald das Licht schwindet. Das delikate Gewürznägeliaroma der Federnelken verstärkt sich mit Einbruck der Dunkelheit. Nachtviolen (Hesperis matrionalis) und Nachtlevkojen (Matthiola bicornis) sind weitere Stars im nächtlichen Duftgarten. Oh, und wie die Falter sie lieben! Wer genug Platz hat für ein grosses Geissblatt, lasse die ganze die Nachbarschaft teilhaben am nächtlichen Duftrausch. Besonders intensiv duften die Sorten mit den kleineren Blüten, beispielsweise Lonicera japonica «Halliana». Und natürlich gibt es auch Rosen, die nachts besonders intensiv duften. Das gilt insbesondere für Blanc Double de Coubert, Conrad Ferdiand Meyer und Roseraie de l’Hay.

Wer trotzdem in die Ferien fährt, organisiert jemanden, der den Garten hütet. Genau erklären, was zu tun ist. Gartenhüter dürfen selbstverständlich alles ernten, was reif wird. Das Jäten würde ich aber nicht delegieren. Giessen, düngen und ernten reicht während den Ferien vollkommen. Wobei die Kunst des Giessens gar nicht so einfach zu erklären ist. Wenn gegossen wird, dann sollte tüchtig gewässert werden, so dass der Boden tiefgründig nass wird und die Wurzeln sich in die Tiefe entwickeln. Wenn man stets nur wenig giesst, schwächt man die Pflanzen. Niemals über das Laub giessen, besonders an heissen Tagen nicht, sonst verbrennen die Blätter. Das gilt insbesondere für Pelargonien und Tomaten, die unter keinen Umständen kalt abgeduscht werden wollen. Eine kalte Dusche hingegen ist ganz gut, um Läuse auf den Rosen loszuwerden. Auch Schnecken einsammeln oder zerschneiden ist ausdrücklich erlaubt, wenn ich mal wegfahren muss. Lilienhähnchen und Dickmaulrüssler zerquetschen ist ebenfalls ok. Ich weise jeweils noch extra auf die Marienkäferlarven hin und erkläre, dass sie die Läuse fressen und bedingungsloses Gastrecht geniessen. Und falls die Gartenhüter doch etwas falsch machen, ein Auge zudrücken. Damit noch etwas blüht, wenn man zurückkommt, unbedingt vor den Ferien grosszügig Blumensträusse schneiden und verschenken. Insbesondere die Rosen, aber auch viele Stauden blühen dann im Spätsommer noch einmal nach.

Für den Juli

  • Hecken und Buchs schneiden. Ein altes Leintuch ausbreiten, damit die Schnipsel leicht eingesammelt werden können.
  • Ziergehölze und Stauden durch Stecklinge vermehren.
  • Kräuter ernten und trocknen.
  • Nochmals Knollenfenchel säen.
  • Hirschhornsalat, Rucola und Basilikum nochmals säen, ebenso Schnittsalate.
  • Stockrosen an Ort und Stelle säen, dann blühen sie im nächsten Sommer.
  • Regelmässig jäten und nach Schädlingen Ausschau halten.
  • Einmal blühende Kletter- und Strauchrosen wo nötig schneiden, falls sie zu gross sind oder überaltert sind.
  • Verblühtes von Beet- und Edelrosen ausschneiden.
  • Schwertlilien teilen.
  • Steinobst nach der Ernte schneiden.
  • Rasen bei trockenem Wetter wässern, einzweites Mal düngen.
  • Gemüse, Salate und essbare Blüten ernten.
  • Den Garten geniessen!


Gärten in der Abendstunde

Einen inspirierenden Bildband für laue Sommerabende im Garten hat Lia Leendertz diesen Frühling herausgegeben (Knesebeck Verlag). In «Gärten in der Abendstunde» stellt die englische Gartenautorin die richtigen Pflanzen, Farben und Düfte für die Abendstunden vor, verrät Tipps und Tricks für sommerliche Nachtgärtner und zeigt, wie man den eigenen Garten in eine sinnliche Bühne für Feste verwandelt. Ein wunderschön gestaltetes Buch, das mich mit neuen Ideen überrascht hat.

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Sabine Reber

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Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Dienstag 26.07.2011, 15:43 Uhr

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