Saftlos

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Schreiber: Ich arbeite zu Hause am Computer und auf einmal wird der Bildschirm schwarz. Mist! Ein Absturz, Text nicht gesichert, also futsch. Ich starte den Computer neu. Geht aber nicht. Ich möchte Schneider anrufen, der in seinem Büro im Ort arbeitet, aber das Telefon ist tot. Ich knipse die Schreibtischlampe an. Tot. Das Radio. Funkstille.

Stromausfall!

Was nun? Wie lange dauert das? Womöglich ein GAU? Würden dann die Sirenen tröten? Können die das ohne Strom?

«

Ohne Strom stehe ich extrem unter Strom.»

Ich trete aus dem Haus und lausche. Kein Geheule, nichts, nur Männerstimmen. Ich sehe Handwerker, die an der Schule die Storen reinigen und runtergucken. Sie hängen hoch oben im Fensterlift fest. Ich rufe ihnen zu: «Stromausfall!»

Sie winken.

Dann gehe ich zurück ins Haus. Immerhin, kochen könnten wir mit Holz im Garten, denke ich. Aber wie kann ich mich informieren? Taut das Fleisch im Tiefkühlfach auf? Sollen wir wegfahren? Hm, aber Tanksäulen funktionieren auch mit Strom. Geld abheben am Automaten geht sicher auch nicht. Ich werde nervös. Rufe Schneider mit meinem Handy an, aber er hat seines wieder mal nicht an. Typisch! Jetzt, wo ich ihn brauchte, damit er mich beruhigen könnte. Himmel! Ohne Strom stehe ich extrem unter Strom!

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Schneider: Ich arbeite im Büro am Computer und auf einmal wird der Bildschirm schwarz. Aha! Stromausfall. Na, da bin ich mal gespannt, ob der Saft in ein paar Sekunden wieder da sein wird oder ob es sich um eine grössere Störung handelt.

Ich stehe auf und fülle mir am Hahn ein Glas mit Wasser. Dann greife ich nach einem bestimmten Ordner im Büchergestell, in dem ich Zeitungsausschnitte aufhebe, die mich interessieren und die ich irgendwann lesen möchte. Meistens lese ich sie zwar nie – aber jetzt ist ja eine perfekte Gelegenheit.

«

So eine überraschende Pause tut gut.»

Ich markiere mir Sätze eines Interviews mit einem Soziologen zur allgemeinen Orientierungslosigkeit vieler Männer. Spannend, aber etwas zu dramatisch, finde ich, und hoffe, dass die Behebung der Störung noch ein wenig länger dauert.

Denn so eine überraschende Pause tut gut. Ich versinke in den Texten, blättere, tauche in Gedanken ab. Nach einer Weile fällt mir ein, dass ich Schreiber anrufen könnte. Vielleicht ist zu Hause der Strom auch weg, sind ja nur 500 Meter Luftlinie. Ich suche mein Handy, sehe, dass es nicht eingeschaltet ist, als plötzlich die Schreibtischlampe wieder angeht. Wunderbar! Dann brauche ich ja auch gar nicht mehr mit ihr telefonieren.

«Mein Leben als Paar» – die besten Kolumnen der letzten drei Jahre als Buch. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 07.08.2017, 09:00 Uhr

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