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Der Waadtländer Jean-Louis Foucqueteau mit einem Teil seiner unglaublichen Sammlung zum amerikanischen Kultgetränk.

Sammler Jean-Louis Foucqueteau mit einem Werk von Burton Morris.

Coca-Cola-Flaschen so weit das Auge reicht.

Jean-Louis Foucqueteau in seinem Lausanner Büro.

Mickey Mouse in der Version des Künstlers Burton Morris.

Der Fuhrpark von Coca-Cola.

Jacques Lapaire aus La-Chaux-de-Fonds präsentiert seine Sandsammlung.

Sandproben in den unterschiedlichsten Farben.

Mit dieser Ausrüstung wird der Sand studiert und fotografiert.

Sand aus dem «Lac Saint-Jean» in Québéc, Kanada.

Sandkörner aus Mauretanien.

Sammeln – die Leidenschaft für Dinge

Mit genügend Drang und Durchhaltewillen kommen die erstaunlichsten Sammlungen zusammen. Drei Sammler haben uns die Türe zu ihrem Universum geöffnet.

Was für eine Schatzkammer! Im Untergeschoss eines Walliser Gebäudes verstecken sich auf vollgestopften Regalen Tausende von Objekten im Coca-Cola-Design, die während über vierzig Jahren vom leidenschaftlichen Fan Jean-Louis Foucqueteau auf der ganzen Welt gesammelt wurden. «Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um all das zu horten! Und das hier ist nur ein Teil der Sammlung. Auch bei mir zu Hause, im Büro und bei meinem Bruder stapeln sich meine Objekte», erklärt er. «Es sind alles Einzelstücke, darunter mehrere Tausend Coca-Cola-Flaschen.»

Signierte Coca-Cola-Flaschen, links vom Künstler Francis Huster, rechts vom Zeichner Philippe Geluck.

Signierte Coca-Cola-Flaschen, links vom Künstler Francis Huster, rechts vom Zeichner Philippe Geluck.
http://www.coopzeitung.ch/Sammeln+_+die+Leidenschaft+fuer+Dinge Signierte Coca-Cola-Flaschen, links vom Künstler Francis Huster, rechts vom Zeichner Philippe Geluck.

Jean-Louis Foucqueteau besitzt Stücke wie die Cola-Büchsen, die in der Raumstation Mir unterwegs waren. «Die Entwicklung des ausgeklügelten Systems, dank dem man daraus unter Schwerelosigkeit trinken kann, kostete  250'000 Dollar.» Auf einem anderen Regal befinden sich die von Berühmtheiten wie Charles Aznavour signierten Flaschen. Daneben finden sich Erinnerungs-Pins der Olympischen Spiele mit den Unterschriften der jeweiligen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), darunter die von Jacques Rogge und Juan-Antonio Samaranch. «Ich durfte die Fackel bei den Olympischen Spielen von Peking tragen», sagt Jean-Louis Foucqueteau stolz. «Auch diese sammle ich! Ich habe acht davon.»

Jean-Louis Foucqueteau mit einem Spielzeug-Lieferwagen aus den 1950er-Jahren.

Jean-Louis Foucqueteau mit einem Spielzeug-Lieferwagen aus den 1950er-Jahren.
http://www.coopzeitung.ch/Sammeln+_+die+Leidenschaft+fuer+Dinge Jean-Louis Foucqueteau mit einem Spielzeug-Lieferwagen aus den 1950er-Jahren.

Ein hübscher Spielzeug-Lieferwagen aus den 1950er-Jahren liegt neben einem Cola-Objekt aus dem Iran: «Die letzte produzierte Flasche vor dem Sturz des Schahs.» Am Boden liegt ein Holzfass von 1940: «In diesem wurde Coca-Cola-Konzentrat transportiert», erklärt der Sammler. «Ich mag limitierte Ausgaben, seltene Stücke. In meiner Sammlung lege ich grossen Wert auf Qualität.»

Fasziniert von den USA

Doch woher kommt diese Begeisterung für das mythische Getränk, das auf der ganzen Welt getrunken wird? «Jeder hat eine Beziehung zu Coca-Cola, jeder hat schon mal ein Coke getrunken. Coca-Cola symbolisiert die USA wie kein anderes Produkt. Den amerikanischen Traum, die Musik von Elvis … Das hat mich schon immer begeistert. Schon als Kind war ich fasziniert von den USA», erklärt der Food and Beverage Manager des Lausanne Palace-Hotels. Trinkt er selber Coca-Cola? «Als ich jung war, trank ich viel davon. Bin ich in den USA, trinke ich es, in der Schweiz bevorzuge ich Wasser.»

Coca-Cola wurde 1886 vom Apotheker John Pemberton aus Atlanta (USA) erfunden.

Auch der Coca-Cola-Boss kennt ihn

Jean-Louis Foucqueteau hat selbst einen Betrieb geführt in Atlanta, der Heimatstadt von Coca-Cola, und in einem Sternehotel in New York gearbeitet: «Das war mein amerikanischer Traum!» Seine Sporen verdient hat er vom Kellner bis zum Oberkellner im berühmten Restaurant de l’Hôtel de Ville in Crissier (VD) bei Frédy Girardet. «Dort habe ich 27 Jahre lang gearbeitet.» Und dort hat er auch die Grossen dieser Welt getroffen, wie die Fotos von ihm mit Nixon, Pelé, Belmondo oder der Band Queen bezeugen, die die Wände seines Büros in Lausanne zieren.

Die engen Kontakte zu den USA hat der Sammler aufrechterhalten: «Ich liebe das Land, die amerikanische Mentalität, die Freiheit und die grosse Weite. Ich habe Verwandte dort und reise vier- bis fünfmal pro Jahr in die Staaten.» Auch wenn Jean-Louis Foucqueteau nicht mehr an die Coca-Cola-Sammlerbörsen geht, durchforstet er doch zusammen mit seinen Kindern die Flohmärkte. «Manchmal weiss ich nicht mehr, ob ich das Objekt, das ich gerade aufgestöbert habe, schon besitze. Hier helfen mir dann meine Kinder weiter.» Er hat schon oft das Coca-Cola-Museum in Atlanta besucht und wird jeweils vom Chef der Marke empfangen. «Ich denke nicht, dass viele Sammler dieses Privileg geniessen.»

Der Sammler besitzt Coca-Cola-Flaschen aus der ganzen Welt. Oben sind solche aus Asien zu sehen.

Die Sammlung des Waadtländers besticht nicht nur durch ihre Objekte, sondern auch durch die zahlreichen von Coca-Cola inspirierten zeitgenössischen Kunstwerke, die in seinem Auftrag von bekannten Künstlern geschaffen wurden. Dieser Sammlung wurden mehrere Ausstellungen sowie das Buch «Coke Art» gewidmet. Es beinhaltet Werke von 30 Künstlern, darunter Arman, César, Ben oder Rolf Knie. «Dank meiner Beziehungen konnte ich auf renommierte Künstler zählen. Meine Kollektion ist solid», ist Jean-Louis Foucqueteau überzeugt. Sein erstes Werk wurde 1993 von François Boisrond kreiert. «Zu allen Künstlern habe ich Freundschaften aufgebaut.» Jean-Louis Foucqueteau zeigt ein Fresko mit 125 Flaschen, vom US-Künstler Burton Morris, 2011 zum 125-Jahr-Jubiläum der Marke geschaffen. «Die farbigen Flaschen bedeuten Meilensteine in meinem Leben, wie die Geburt meiner Kinder.» Jean-Louis Foucqueteau hat auch seine Kinder Julie und Alexander mit seiner Leidenschaft angesteckt und er hofft,  dass sie seine Kunstsammlung behalten.

Ein Coca-Cola-Kunstwerk von Mariana Abracheva.

Ein Coca-Cola-Kunstwerk von Mariana Abracheva.
http://www.coopzeitung.ch/Sammeln+_+die+Leidenschaft+fuer+Dinge Ein Coca-Cola-Kunstwerk von Mariana Abracheva.

Mit Burton Morris, der diese Flasche malte, ist der Sammler befreundet.

Mühe mit Wegwerfen

Der Sammler beschränkt seine Leidenschaft nicht auf Coca-Cola: «Ich habe schon immer alles behalten. Als ich zehn Jahre alt war, waren die Wände meines Zimmers kaum mehr sichtbar. Die ersten Menüs von Girardet, die ersten Weinkarten … Es ist eine Manie. Ich habe Mühe mit Wegwerfen. Ich brauche diese Dinge.» Der Waadtländer hat für die Tochter eine Barbie-Sammlung angelegt, besitzt Wurlitzer-Jukeboxen und Tausende von Schallplatten. Ist diese Sammelwut familiär bedingt? «Nein, ich bin der einzige Sammler in der Familie! Mein Zwillingsbruder bewahrt nichts auf.» Die Liebe zu Dingen ist also nicht unbedingt genetisch bedingt.

Die nächste Coca-Cola-Sammlerbörse findet im August 2017 in Florida statt.

  

Ein (Sand-)Korn Verrücktheit

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«Von Sand lernt man jeden Tag!» Der jung gebliebene 64-jährige Jacques Lapaire aus La Chaux-de-Fonds ist Sandsammler. In fast 40 Jahren hat er in vier Holzschränken eine eindrückliche Sammlung aus rund 15 000 Sandproben zusammengestellt. Zu jeder Probe gibt es ein Datenblatt. «Ich habe 25 Jahre gebraucht, um Sand aus allen Ländern der Welt zu sammeln», erklärt Lapaire. Den Sand hat er von Reisen mit seiner Frau Denise zurückgebracht: «Man nimmt etwas Sand mit, aber ohne zu übertreiben. Es gibt Länder, die sagen, Sand sei Kulturgut.» Jacques Lapaire hat seine Sammlung durch das Tauschen von Proben mit anderen Sammlern, die teilweise zu Freunden wurden, vervollständigt: «Verkauft wird nichts.»

Als Kind sammelte Jacques Lapaire Fossilien und Briefmarken. Später wandte er sich Mineralien zu, einem Gebiet, auf dem er heute als Spezialist gilt. Er entwickelte eine Software für die Bestimmung aller bekannten Mineralien. Zum Sand kam er per Zufall: «Meine Frau gab mir eine Probe, die sie als Werbung für den Club Med erhalten hatte und fragte mich, ob ich schon mal Sand unter dem Mikroskop betrachtet hätte.» Seither beobachtet Lapaire Sand durch das Mikroskop, das er mit 14 Jahren erhalten hat, untersucht die Zusammensetzung und fotografiert mit grösster Sorgfalt die Sandkörner. Der Sammler liess sich mit 57 pensionieren, um sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen: «Ich kann nicht fünf Minuten rumsitzen, ohne etwas zu tun!» Und vom Analysieren des Sandes kann Jacques Lapaire nicht genug kriegen: «Die Vielfalt der Farben, die unterschiedliche Korngrösse, es ist fantastisch!» Der gelernte Elektroniker besitzt auch Sandproben von historischen Stätten wie dem Bunker von Adolf Hitler oder dem Strand der Alliierten-Landung in der Normandie.
Der Neuenburger gibt eine Fachzeitschrift heraus, hat zwei Bücher zum Thema geschrieben und seine Sammlung in Museen ausgestellt.

Jacques Lapaires Sammlung gehört zu den bedeutendsten weltweit. Hat er sich eine Grenze gesetzt? «Ich habe noch rund zehn Schubladen zum Füllen», meint er. «Ich konzentriere mich auf interessante Proben.» Der Sammler wird sein Lebenswerk später einmal dem Genfer Museum der Naturgeschichte hinterlassen. «Ich will meine Sammlung nicht verkaufen. Im Museum wird sie den ihr gebührenden Platz erhalten.»

  

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Eine Chirurgin mit viel Herz

Die Herzchirurgin Diana Reser (37) aus Zürich besitzt die weltweit grösste Sammlung von herzförmigen Objekten und solchen mit Herzmotiv. 2011 hat sie mit ihren 775 Objekten sogar den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Heute umfasst ihre Sammlung 2011 Objekte. Mit dem Sammeln begann die Ärztin, die seit zehn Jahren am Universitätsspital Zürich arbeitet, im Jahr 2006.

Sie ist vom Herz, dem «Motor des Lebens», fasziniert und hat das Herz zu ihrem Beruf und ihrer grossen Leidenschaft gemacht. «Nachdem ich während des Medizinstudiums das erste Mal bei einer Herzoperation assistiert hatte, wusste ich, dass ich Herzchirurgin werden wollte», erzählt sie. «Ich finde die Kraft und Eleganz dieses Organs, das während eines Lebens sechs Milliarden Mal schlägt, einfach unglaublich.» Die junge Frau hat schon mehr als 350 Herzen operiert und bei mehr als 1500 OPs assistiert. Mit ihrer Sammlung möchte sie das Publikum für die Bedeutung des Herzens und eines gesunden Lebensstils (Ernährung und Sport) sensibilisieren.

«Bewegungsmangel, Über-gewicht, Diabetes und ein zu hoher Cholesterinspiegel sind Risikofaktoren für Herz-krankheiten», erklärt die Chirurgin. Von ihrer Familie, von Freunden und Patienten und manchmal auch von Unbekannten, die von ihrer Leidenschaft gehört haben, erhält sie neue Sachen für ihre Sammlung: «Jedes Objekt ist mit schönen Erinnerungen verbunden. Ich möchte allen danken, die mit ihren Herzgeschenken zur Sammlung beigetragen haben.» Unter all den Herzobjekten, die ihr Zuhause dekorieren (Teppiche, Spiegel, Tassen, Schuhe, Schirme, Brillen, Kerzen, Möbel, Bilder, Schmuckstücke, Kleider und vieles mehr), sticht ein Objekt besonders heraus: ihr leuchtend rotes Stethoskop in Herzform! Apropos Herz: Ihres ist immer noch zu haben.

www.largest-collection-of-hearts.ch

  

«Sammeln ist auch eine Form von Wettbewerb»

Roberta Colombo Dougoud, Konservatorin am Ethnographischen Museum von Genf.

Roberta Colombo Dougoud, Konservatorin am Ethnographischen Museum von Genf.
http://www.coopzeitung.ch/Sammeln+_+die+Leidenschaft+fuer+Dinge Roberta Colombo Dougoud, Konservatorin am Ethnographischen Museum von Genf.

Woher kommt unser Bedürfnis, Dinge zu sammeln?
Gemäss psychoanalytischer Theorie sind diese Objekte eine Art Ersatz des Übergangsobjekts. Jenes Objekts, welches das Kleinkind wählt, um die Trennung von seiner Mutter zu akzeptieren. Das ermöglicht die Überwindung des Verlusts dieser Verbindung. Das ist eine mögliche Erklärung. Eine Sammlung kann auch eine Art von Wettbewerb darstellen, um sich selbst zu übertreffen. Ein Kampf gegen sich selbst oder gegen die anderen.

Wie werden Sammler in den verschiedenen Kulturen wahrgenommen?
Es wird nicht in allen Gesellschaften gesammelt. Wir leben in einer Gesellschaft der Anhäufung. Es ist eine Form der sozialen Abgrenzung, zum Beispiel, wenn sehr wertvolle Objekte gesammelt werden. Das Selbstwertgefühl kann sich parallel zum Anwachsen der Sammlung erhöhen. In vielen Gesellschaften hat das Sammeln von Dingen keinen Wert, viel wichtiger sind dort das Weitergeben und das Schenken. In traditionellen afrikanischen oder ozeanischen Gesellschaften erlangt man Ansehen durch Schenken.

Was sagt eine Sammlung über den Sammler aus?
Sie zeigt insbesondere, warum sich der Sammler für das eine anstatt für das andere Objekt entschieden hat. Sie ermöglicht das Erstellen einer Karte der Netzwerke der Person und gibt Auskunft da-
rüber, wer mit wem in Verbindung steht. Das ist sehr wichtig, um zu Sammlerobjekten zu gelangen. Heute gibt es Facebook und andere soziale Netzwerke, aber es hat schon immer Netzwerke gegeben!
Es ist interessant zu sehen, wie und warum Sammlungen entstanden sind. Sie geben Aufschluss über die Absicht des Sammlers, aber auch über seine Vorstellungen vom Zeitgeist der entsprechenden Epoche.

Coca-Cola-Sammlerbörse im August 2017 in Florida

Georges Cattin, Sammler von Elektromotoren. Le Noirmont (JU). Kontakt: 032 953 11 79.

Museum der Schreibmaschine. Avenue de France 20, Lausanne. Kontakt: 021 625 51 51.

Philippe Gut, Le Combinateur II, Eisenbahnmuseum, Pra-Béné 1, Bière (VD). Kontakt: 021 809 55 68.

Grosse Sammlermesse in Fribourg (21. - 22. Oktober 2017)

Frage der Woche

«

Und Sie, sammeln Sie auch?»

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Text:
Basile Weber
Foto:
Elisabeth Fransdonk, Darrin Vanselow, Xavier Voirol, Diana Reser, DR.
Veröffentlicht:
Montag 27.02.2017, 16:00 Uhr

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