Sanftmütig

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Schreiber: Grippezeit. Es schnieft und röchelt, es hustet und kotzt um uns herum. Wir wollen keine Ausnahme sein und geben unser Bestes. Als endlich Fieber und Schmerzen abnehmen und wir langsam wieder schlapp auf den Beinen sind, feiern Schneider, die Kinder und ich ein Zurück-ins-Leben-Fest. Wir fläzen im Wohnzimmer, essen selbst gemachte Cupcakes, schauen Filme, auf dem Teppich liegt unser Hund und furzt.

Herrlich.

Meine herzklopfende Schatzkammer! Wir sind uns nah wie Lemuren, lümmeln auf einem Haufen, so sanft, so freundlich, so locker. Wir erfüllen einander alle Wünsche. Die Grippe hat mich weicher gemacht. Streng bin ich einzig beim Verteilen von Tabletten und Tröpfchen.

«

Die Grippe hat mich weicher gemacht.»

Wenn ich mir das so ansehe, sollte ich vielleicht öfter in den Pflegemodus wechseln und mit meinen Vieren locker sein. Wenn auch lieber ohne Viren.

Da hustet Schneider, er klingt wie ein Oldtimer, dem grad das Benzin ausgeht. Dann schneuzt er sich, trötet ohne Rücksicht auf Verluste, pfeffert das zerknüllte Taschentuch durch die Stube in den Papierkorb, trifft, ballt die Faust und johlt: «Volltreffer!» Mann, ist der laut! «Könntest du auch leise gesund werden?», frage ich.

Er röchelt: «Laut geht es eben schneller.»

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Schneider: Um mich herum liegt alles, was ich liebe: Schreiber, unsere Töchter, unser Hund. Was für ein Gelage!

Schreiber war superentspannt in den letzten Tagen, erlaubte sich und uns alles. Eine Atmosphäre, in der man schnell gesund werden kann. Sie ist es bereits wieder.
Woran ich das merke?

Sie beklagt sich mit strengem Blick, dass ich zu laut genese. Glaubt man das? Wenn ich schon mal krank bin, was nur selten vorkommt, sollen das ruhig alle hören.

«

Sich etwas zu verklemmen war noch nie gesund.»

Ausserdem unterdrücke ich ganz bestimmt kein Seufzen, kein Stöhnen und keinen Jammerschrei, denn schliesslich unterstützt das die Heilung, da bin ich mir sicher. Sich etwas zu verklemmen war noch nie gesund, weder eine Blähung noch ein Rülpser.

Was mich übrigens daran erinnert, dass aktuell ein Engländer den Weltrekord im Rülpsen mit gemessenen 109,9 Dezibel hält. Das entspricht dem Lärm einer Motorsäge. Oder eines Symphoniekonzertes. Das eine ist Ruhestörung, das andere ein Ohrenschmaus. Und ein Mann auf dem Weg zur Besserung, ganz ehrlich, ist doch reine Freude, ein Hörvergnügen, süsse Musik! Wehleidiges Wimmern ist inhaltslos, nicht aber ein ehrliches Rotzkonzert mit Bass-Solo. Nur schade, dass Schreiber keinen Hardrock mag.

Die besten Kolumnen als Buch «Mein Leben als Paar» auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 06.02.2017, 12:00 Uhr

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