Carsharing wird in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Saubere Fahrt: Erneuerbare Energien im Vormarsch

Die Mobilität der Zukunft funktioniert mit erneuerbaren Energien. Und der Trend in der Mobilität geht hin zu «on-demand». Dies führt zu weniger Staus auf den Strassen und zu einem reduzierten CO2-Ausstoss.

Das Versorgungsnetz für erneuerbare Energien muss flächendeckend ausgebaut werden.

Das Versorgungsnetz für erneuerbare Energien muss flächendeckend ausgebaut werden.
http://www.coopzeitung.ch/Saubere+Fahrt_+Erneuerbare+Energien+im+Vormarsch Das Versorgungsnetz für erneuerbare Energien muss flächendeckend ausgebaut werden.

Die Fahrzeuge von morgen werden mit erneuerbaren Energien funktionieren und kein CO2 mehr ausstossen. Fossile Energien aus Brennstoffen werden verschwinden oder zumindest stark an Bedeutung verlieren.» Mit diesen Worten beschreibt Jörg Sigrist (58), Automobil-Fachmann und ehemaliger Direktor der «Umwelt Arena» in Spreitenbach AG, die Mobilität der Zukunft. Dabei sieht Sigrist zwei grosse Entwicklungen in der Mobilität: die Erzeugung erneuerbarer Energien im grossen Stil und die On-Demand-Mobilität. Die Autos werden vermehrt mit Strom, Wasserstoff oder Bio-Gas fahren und die Nutzung der Verkehrsmittel wird zunehmend durch elektronische Geräte verwaltet.

Auf dem Smartphone wählen wir das effizienteste, umweltfreundlichste und kostengünstigste Verkehrsmittel, um von A nach B zu gelangen. Das eigene Auto sei kein Muss mehr. «Vielmehr wählen wir unter allen vorhandenen Fortbewegungsmitteln jene, die uns am besten entsprechen, und kombinieren diese je nach Bedarf miteinander», meint Sigrist. Aus dieser Perspektive betrachtet, werde Carsharing wohl immer mehr an Bedeutung gewinnen. Sigrist prophezeit: «Die nächsten 20 oder 30 Jahre bringen auf dem Automobilmarkt viele Änderungen mit sich.» Der Wandel vom Hersteller zum Mobilitäts-Dienstleister sei bereits in vollem Gang. Eigene Apps zur Nutzung von Carsharing-Produkten sind in der Pipeline.

Christian Rudin ist seit dem 1. Oktober 2017 der Direktor der Umwelt Arena.

Christian Rudin ist seit dem 1. Oktober 2017 der Direktor der Umwelt Arena.
http://www.coopzeitung.ch/Saubere+Fahrt_+Erneuerbare+Energien+im+Vormarsch Christian Rudin ist seit dem 1. Oktober 2017 der Direktor der Umwelt Arena.

In einer hochinteressanten Phase
Christian Rudin (41), seit dem 1. Oktober 2017 Direktor der «UmweltArena», stimmt Sigrist zu: «Heutzutage wird ein Auto zu 10 Prozent genutzt. Die restlichen 90 Prozent der Zeit steht es auf dem Parkplatz.» Mit Carsharing hingegen sei ein Fahrzeug die meiste Zeit auf der Strasse und könne so sieben oder acht andere Fahrzeuge ersetzen. Beide Experten schätzen die Entwicklungen und Chancen in den kommenden 20 Jahren ähnlich ein: «Im Hinblick auf Energieerzeugung und Mobilität befinden wir uns derzeit in einer hochinteressanten Phase», sagt Jörg Sigrist. Die Bedeutung von Fahrzeugen, die mit Strom, Wasserstoff – ein Bereich, in dem sich Coop bereits stark engagiert – und Bio-Gas funktionieren, werde stark zunehmen.

«Es wird in Zukunft kostspielig sein, neue Technologien zu entwickeln, die den durch Benzin- oder Dieselmotoren verursachten CO2-Ausstoss senken können.» Gemäss den vom Bundesamt für Umwelt, Transport, Energie und Kommunikation (Uvek) festgelegten Normen hätte der durchschnittliche CO2-Ausstoss von Neuwagen im Jahr 2015 130 Gramm pro Kilometer erreichen sollen. Dieses Ziel wurde um fünf Gramm verfehlt. Im Jahr 2020 sollte der CO2-Ausstoss von Neuwagen bei 95 Gramm CO2 pro Kilometer liegen. «Es liegt auf der Hand, dass wir diese Ziele mit den aktuellen Technologien nicht erreichen werden», ist Rudin überzeugt.

Coop betreibt bereits eine von zwei Wasserstoff-Servicestationen in der Schweiz.

Coop betreibt bereits eine von zwei Wasserstoff-Servicestationen in der Schweiz.
http://www.coopzeitung.ch/Saubere+Fahrt_+Erneuerbare+Energien+im+Vormarsch Coop betreibt bereits eine von zwei Wasserstoff-Servicestationen in der Schweiz.

Bessere Abdeckung ist Pflicht
Beide Experten sehen die Lösung zur Senkung des CO2-Ausstosses nur in einer verstärkten Verbreitung von Elektro-, Wasserstoff- und Bio-Gas-Fahrzeugen. Voraussetzung ist aber, dass der «Kraftstoff» – also Strom, Wasserstoff und Gas – aus nachhaltigen Quellen stammt. Das sind Wind- und Sonnenenergie für Elektromotoren, erneuerbare Wasserkraft für die Herstellung von Wasserstoff und Bio-Gas aus entsprechenden Anlagen für Bio-Gas-Motoren. Damit diese Fahrzeuge solche mit Verbrennungsmotoren in naher Zukunft auch ersetzen können, muss auch ein entsprechendes Versorgungsnetz zur Verfügung stehen. Eine bessere Abdeckung wird somit zur Voraussetzung für die Massenproduktion dieser Fahrzeugtypen.

Zurzeit gibt es in der Schweiz 140 Servicestationen für Bio-Gas und nur zwei für Wasserstoff – eine davon gehört zu Coop. Sie ist jedoch die einzige öffentliche und befindet sich in Hunzenschwil AG. «Die Automobilhersteller müssen Garageninhaber überzeugen, dass es vorteilhaft ist, mit erneuerbaren Energien zu fahren», erklärt Jörg Sigrist.

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Kommt ein Auto gefahren: Autonome Autos, wie jenes von Google, werden uns chauffieren.

In Sion testet die Post mit dem «Smart Shuttle» seit 2016 Kleinbusse ohne Fahrer.
  

Coop engagiert sich in vielen Bereichen

Coop will bis im Jahr 2023 CO2-neutral sein und engagiert sich stark in verschiedenen Bereichen – unter anderem beim Transport. Zurzeit besitzt Coop sechs Elektro-Lastwagen, einen Wasserstoff-Lastwagen, zwölf Fahrzeuge, die ebenfalls mit Wasserstoff betrieben werden, sowie eine eigene Wasserstoffversorgungsanlage in Hunzenschwil AG. Beat Hirschi von der Fachstelle Transporte bei Coop erklärt: «Bis in 20 Jahren fährt wahrscheinlich kein Lastwagen mehr mit Diesel, und wenn, dann mit 100 Prozent Bio-Diesel.» Coop sieht grosse Chancen im Wasserstoff respektive in der Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle. Voraussetzung ist, dass sich das schweizweite Versorgungsnetz für Wasserstoffanlagen im Gleichschritt mit der Technologie und der Zahl an Fahrzeugen entwickelt, die bereits auf dem Markt sind beziehungsweise bald auf den Markt drängen. «In 20 Jahren», meint Beat Hirschi, «dürften rund 50 Versorgungsanlagen, sprich Wasserstoff-Tankstellen, zur Verfügung stehen.» 

Beflügelte Zukunft

Jörg Beckmann (51), Vizedirektor des Touring Club, Direktor der Mobilitätsakademie in Bern und Geschäftsführer von «Swiss eMobilitiy» in Bern

Jörg Beckmann (51), Vizedirektor des Touring Club, Direktor der Mobilitätsakademie in Bern und Geschäftsführer von «Swiss eMobilitiy» in Bern
http://www.coopzeitung.ch/Saubere+Fahrt_+Erneuerbare+Energien+im+Vormarsch Jörg Beckmann (51), Vizedirektor des Touring Club, Direktor der Mobilitätsakademie in Bern und Geschäftsführer von «Swiss eMobilitiy» in Bern

Für Mobilitätsexperten Jörg Beckmann, Vizedirektor Touring Club der Schweiz, sind fliegende Autos nur noch eine Frage der Zeit. Er prophezeit: «Ende des Jahrhunderts werden wir auf Luft-Autobahnen reisen.»

Jörg Beckmann, wie wird sich der Verkehr in der Schweiz in den kommenden 20 Jahren verändern?
Zwei grosse technologische Treiber werden die Verkehrsentwicklung der Schweiz bestimmen. Erstens die Elektrifizierung des automobilen Antriebs und die Neuerfindung des Velos als E-Bike. Zweitens der «digital shift» im Verkehrssektor, der uns erlaubt, ein Fahrzeug nicht mehr selber steuern oder besitzen zu müssen. Insbesondere in den Städten werden die Grenzen zwischen dem kollektiven, öffentlichen Verkehr und dem privaten Individualverkehr verschwinden. Wir werden in automatischen Kleinbussen, mit geteilten Autos und auf öffentlichen Velos unterwegs sein – und das zu 100 Prozent elektrisch.

Wird das Auto ohne Fahrer eine Realität auf unseren Strassen?
Absolut! Das «autonome Auto» braucht weder einen Lenker noch einen privaten Halter, denn es kommt über die App von einem Flottenanbieter zu uns, wann immer wir es anfordern. Es bietet mehr persönliche Autonomie und Freiheit zu geringeren Kosten, reduziert massiv den Autobestand, vermindert den Flächenverbrauch durch den ruhenden Verkehr und zeitigt einen enormen volkswirtschaftlichen Nutzen. So betrachtet, ist das selbstfahrende Auto nicht weniger als eine Basisinnovation, die sich hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen mit jenen der Dampfmaschine oder des Computers absolut messen kann.

Können wir uns auch auf fliegende Autos freuen oder bleibt das Utopie?
Auch das fliegende E-Auto wird kommen, denn es passt gut zur Philosophie der Automobilität, wie wir sie seit über 100 Jahren leben. Schon immer ging es darum, geografische Räume und technologische Grenzen zu überwinden, um die individuelle Mobilität des Menschen zu erleichtern und zu beschleunigen. Bereits heute entwickeln innovative Start-ups derartige Fahrzeugkonzepte und finden neben Investoren auch schon die ersten Käufer. Beflügelt werden diese Visionen von der Machbarkeit autonomer Steuerungssysteme, wie sie bereits heute bei Drohnen zum Einsatz kommen – von denen die ersten auch schon Menschen transportieren. Ende des Jahrhunderts werden wir auf «Luft-Autobahnen» reisen!

Werden Flugzeuge irgendwann ohne Kerosin abheben?
Bereits die heutigen Anwendungen innovativer Fluggeräte, vom Drohneneinsatz beim Fallschirmsprung bis zur Weltumrundung mit der Solar Impuls, lassen erahnen, dass auch ein Flugverkehr jenseits des Verbrennungsmotors machbar sein könnte. Bis aber auch der A380 elektrisch fliegen kann, braucht es noch gewaltige Technologiesprünge. Aber spätestens, wenn uns die fossilen Brennstoffe ausgegangen sind, muss auch der grosse Airbus zum grossen Teil elektrisch fliegen können.

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Text:
Jean Pinesi
Foto:
Keystone, «Umwelt Arena Schweiz», Kilian J. Kessler, zvg; Illustration: Bruno Muff
Veröffentlicht:
Dienstag 02.01.2018, 09:46 Uhr

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