Schaumschläger

Er: Was haben George Clooney  und ich gemeinsam? Vermutlich nichts.

Ich habe weder eine Villa am Comersee, noch sehe ich so gut aus, verdiene so viel, lächle so charmant. Dieses Lächeln! Gesegnet ist, wer das wie Clooney kann. Dann vergessen Frauen alles um sich herum und er häuft Millionen an als Werbeträger, auch für eine Schweizer Kaffeemarke.
Immerhin: Im Gegensatz zu Clooney, der in Italien geheiratet hat, weil er gerne Italiener wäre, ist das Blut in meinen Adern tatsächlich italienisch. Zumindest zur Hälfte. Und deshalb trinke ich natürlich nicht den Kaffee, den mir Clooney anpreist, sondern ich koche meinen Kaffee in der Mokkakanne auf dem Herd.

«

George Clooney, der Typ wirkt auch bei ihr.»

Wie das Italiener nun mal so tun.

Selbst Schreiber, von Haus aus Teetrinkerin, mag meinen Kaffee. Aber nur mit sehr viel Schaum.  
Also hat sie sich vor einer Weile einen elektrischen Milchschaumschläger gewünscht, natürlich von jener Firma, für die George Clooney wirbt. Denn der Typ wirkt auch bei ihr. So sehr, dass sie nach jeder Milchschaumschlägerei vergisst, diesen Schäumer richtig zu reinigen. Und deshalb habe ich garantiert auch nicht mit Clooney gemein, getrocknete Milch aus diesem idiotischen Schäumer kratzen zu müssen!

Sie: «Ehrlich! Das nervt!» Huch, was ist denn mit Schneider los? Kaum in der Küche und schon sauer? «Was gibts?», frage ich.

Er dreht sich zu mir: «Schau mal!», sagt er und hält mir unseren schicken Milchschäumer hin. Ein Designteil und eminent wichtig für meinen morgendlichen Cappuccino-Genuss. Ich schau ihn also an, meinen Schaumschläger.

«Der ist schmutzig!», behauptet Schneider. Ich guck genauer hin: «Halt ihn mal ans Licht. Ich kann nichts sehen.» Grummelnd bewegt er ihn zur Lampe. Ich blicke ins Innere. Tatsächlich: ein zarter, heller Schaumkrustenrand.

«

Ist vielleicht Clooney sein Problem?»

«Träumst du beim Abwasch von Clooney?», fragt Schneider.

«Ich träume nicht, ich weiche das Teil für ein paar Stunden ein. Basta.» – «Eklig, diese milchige Brühe, den ganzen Tag steht die in der Küche rum.» – «Du bist doch gar nicht den ganzen Tag in der Küche, also kann dich das auch nicht stören.» – «Trotzdem. Ich wäre froh, wenn du deinen Kumpel nach Gebrauch wieder sauber in der Schublade versorgen würdest!» – «Schon gut», sage ich, nehme ihn aus Schneiders Hand und seife ihn ein. Dabei frage ich mich, ob das wirkliche Problem für meinen halben Italiener nicht der Schäumer ist, sondern vielleicht George Clooney ..

 (Coopzeitung Nr. 19/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 09.05.2016, 00:00 Uhr

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