Scheibenkleister!

Er: Ich bin an diesem Sonntag extra früher aufgestanden, um mit dem Hund eineinhalb Stunden spazieren zu gehen. Der Grund: Wir sind zu einem ausgiebigen Brunch nach Zürich eingeladen. Die Abmachung war klar: Ich kümmere mich um den Hund, meine drei Mädels um alles andere. Klappt aber nicht! Um Viertel vor zehn, unserer vereinbarten Abfahrtszeit, ist ausser mir natürlich niemand parat: Die Mädels putzen sich noch immer heraus, Schreiber sucht hektisch ein Mitbringsel.

«

Warum ist es nicht möglich, pünktlich zu sein?»

Warum, frage ich mich, ist es nicht möglich, pünktlich zu sein? Ich setze mich in die Küche und lese demonstrativ eine Zeitschrift, bis meine Familie ausgehfertig ist. Als wir aber endlich im Auto sitzen und losfahren könnten, fehlt mir der Durchblick. Mist! Eis auf der Frontscheibe. Wie konnte ich das verschwitzen? Zeit, um sie sauber zu schaben, hätte ich ja gehabt. «Doof, jetzt müssen wir noch kratzen!», murrt Schreiber und steigt aus. Ich greife in die Türablage auf der Suche nach dem Schaber. Verflixt: nur Taschentücher und Kräuterbonbons. Schreiber jedoch ist fündig geworden und bereits dran, unkoordinierte Kreise ins Eis zu ritzen. Scheibenkleister! Das wird Stunden dauern. Ich brauche eine zündende Idee!

Sie: Während ich energisch die Scheibe vom Eis befreie, rast Schneider in den Schopf und ruft was von «geniale Idee!». Was macht der bloss? Mensch, Mensch! Wie mich das ärgert! Ich bin doch gerne pünktlich. Statt tatenlos auf uns zu warten und irgendwas zu lesen, hätte Schneider besser die Scheibe freigekratzt. So ein Mist! Ich lege mich ins Zeug, ritze Rillen ins Eis, doch es geht kaum was weg. Na, dann mach ich zuerst mal das Seitenfenster, da löst es sich besser. Auf einmal höre ich Schneiders Stimme: «Aaachtung!» Dampfendes Wasser klatscht auf das Autodach, spritzt nach allen Seiten und rinnt an allem herunter. Auch an mir! «Gehts noch?», rufe ich. Schneider antwortet: «Oh, da bist du!»

«

Was macht der bloss? Wie mich das ärgert!»

«Ja, hier bin ich! Wie kann man mich übersehen?», schimpfe ich. «Pass doch auf!» Ich schüttle meinen nassen Mantelärmel. «Tut mir leid», sagt Schneider. «Allerdings! Ich kann mir gleich was Neues anziehen!» «Nein, komm, wir sind zu spät. Steig ein, die Scheibe ist frei. Wir können los.» «Und meine Klamotten?» Er tippt sich an die Stirn, als hätte er schon wieder so eine geniale Idee: «Kein Problem! Wir drehen die Autoheizung auf maximal, dann bist du bis Zürich wieder trocken.

 (Coopzeitung Nr. 05/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 01.02.2016, 00:00 Uhr

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