Schick ins Gebüsch

Sie ärgert sich. Selbst er findet: zu Recht.

Sybil Schreiber: Wenn der Garten bei strahlendem Sonnenschein lockt, ist bei Schneider kein Halten mehr. Dann stiefelt er bereits vor der Arbeit durchs Gebüsch. In der Regel ist er dann auch schon angezogen – und zwar fürs Büro. Also mit Jeans, Wildlederschuhen und Hemd.

«

Wie wärs mit anderen Klamotten?»

Dagegen ist nichts zu sagen. Der Punkt ist nur, dass Schneider nicht guckt, sondern auch gärtnert. Zum Beispiel zupft er ein Kraut raus, das meinem Naturgärtner nicht ins Öko-Konzept passt. Immerhin: Er schafft es meistens doch noch einigermassen sauber ins Büro.
Abends wiederholt sich das Schauspiel. Bevor Schneider überhaupt ins Haus kommt, steuert er direkt in die Werkstatt im Schopf. Im schlimmsten Fall kommt er mit einem Eimer roter Farbe wieder heraus, um da und dort unsere schwedische Holzfassade auszubessern. Als ich ihn dabei ertappe, hat er den Pinsel bereits in den Kessel getunkt.
«Wie wärs mit anderen Klamotten?», frage ich, denn sein schicker Kleiderstil passt nicht zu seinem Vorhaben.
«Ich pass schon auf! Ich mal ja nur ein bisschen da und dort», sagt Schneider.
«Und ein bisschen überall ...», ergänze ich. Obwohl ich nicht recht haben wollte, tropft es soeben dunkelrot auf sein Hemd.
Auf sein zweitteuerstes.

Steven Schneider: Typisch! Schreiber diskutiert genau dann mit mir, wenn ich einen Pinsel aus dem Farbkübel ziehe. Kein Wunder, kleckert es da auf mich drauf. Ich sprinte in den Schopf an den Wasserhahn, um den Fleck auszuwaschen. Schreiber folgt mir: «Siehst du? Aber du glaubst mir ja nicht!»
Ich schweige. Denn alles, was ich jetzt sage, würde sie später gegen mich verwenden.
«Und ich habe dann wieder die Arbeit. Ich habe bei deiner besten Jeans einen Riss entdeckt. Und in einer anderen Hose fand ich Nägel in der Hosentasche. Zum Glück bevor ich sie in die Waschmaschine gesteckt habe.»
Ich rubble am Hemd herum. Der Fleck wird grösser.
«Dabei hängt hier eine perfekte Freizeithandwerker-Garderobe», sagt sie und zeigt auf eine Latzhose im Gestell. «Die ist praktisch ungebraucht.»
Klar ist sie ungebraucht. Ich kann diese schlabbrige Latzhose weder meinem Garten noch meinen Nachbarinnen zumuten.

«

Ich suche einen Ausweg. Es gibt keinen.»

«Hörst du mir überhaupt zu?», fragt Schreiber.
Klar, und ich suche nach einem Ausweg. Aber es gibt keinen. Das Hemd ist ruiniert, sie hat auf der ganzen Linie recht. «Tut mir leid», murmle ich nur und tröste mich, dass ich ab jetzt mit einem richtig gut geschnittenen Hemd an die Gartenarbeit gehen kann.

 (Coopzeitung Nr 15/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 07.04.2014, 21:00 Uhr

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