Schnapsidee

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Schreiber: Nach einem Theaterbesuch mit Freunden gehen wir noch was trinken. Es ist spät, es ist winterlich, es entsteht Hüttenstimmung, und einer aus der Runde sagt: «Für mich einen Zwätschgeluz.»
«Einen was?», frage ich Schneider.

«Zwätschge Luz. Zwetschgenwasser mit etwas Kaffee», sagt Schneider. «Nichts für dich.»

Die anderen am Tisch grinsen und sagen, so ein Luz sei sehr fein.

Was bildet sich Schneider ein? Woher will der wissen, ob mir das schmeckt? Hab’ früher beim Skifahren auch schon mal einen Schümlipflümli getrunken. Wobei der natürlich nie meinen Lieblingen das Wasser reichen konnte: dem Holländer Kaffee mit Eierlikör oder dem flambierten Rüdesheimerkaffee. Vor allem auf das Sahnehäubchen kommt es an, das üppig mit Schokostreuseln berieselt sein muss. Eigentlich eine Art Trinktorte.

«

Soll ich vielleicht Sirup trinken?»

«Für mich auch einen Schlutz», rufe ich der Kellnerin zu.

«Luz!», sagt Schneider.

«Weiss ich doch, war nur ein Scherz», sage ich.

Schneider stutzt: «Willst du das wirklich?»

Soll ich vielleicht Sirup trinken? Als mir die Kellnerin kurz danach ein dampfendes Glas mit wässrigem, blassbraunem Inhalt ohne Sahne hinstellt, wird mir klar, wie tief der Kaffeegraben zwischen Deutschland
und der Schweiz ist.

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Je älter ich werde, umso mehr schätze ich die Jahreszeiten und ihre Gerüche: der Bärlauch im März, der Flieder im Mai, der Sommerregen im Juli, feuchte Erde im November – und die duftenden Heissgetränke im Winter. Mein Favorit nach einem Tag im Winterwald oder auf den Skiern: ein Chrüter Luz. Allerdings trinke ich diesen vorzugsweise in Männerrunden, denn es gibt für jede Gelegenheit das richtige Getränk. Ein Bier nach einer Wanderung, ein fruchtiger Spritz auf der Piazza. Mit Schreiber zusammen ist mir am liebsten ein Glas Weisswein zum Aperitif oder wenns draussen richtig kalt ist, nimmt sie traditionell Earl Grey Tea und ich normalen Kaffee.

«

Zwätschgeluz? Das ist nichts für Schreiber.»

Schreibers Luz-Premiere steht also nun auf dem Programm. Ich beobachte, wie sie zögernd am Glas riecht und den Löffel kreisen lässt. Ich rechne damit, dass sie eine Schnute machen wird, sich schütteln muss und ich anstelle von ihr den Luz zu Ende trinken werde, weil sie diesen einfach nicht runterkriegt. Sie nimmt ihren ersten Luz-Schluck, keine Regung. Dann lächelt sie in die Runde, und alle anderen in der Runde tun es auch, vor allem als Schreiber lauthals durch die Beiz zur Kellnerin ruft: «Bei mir haben Sie die Schlagsahne vergessen.»

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 08.01.2018, 08:49 Uhr

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