Schönheit muss leiden

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Schreiber: Wir lösen ein grosszügiges Geburtstagsgeschenk ein und vor uns liegen nun zwei Tage ohne Müssen, nur Natur, Ruhe, Essen, Schlafen. Ich blättere den Hotelprospekt durch. «Hammer, was die alles bieten», sage ich und lese Schneider vor: «Acidose Lymphmassage, Meeres-Algen-Packungen, Trüffel-Maske mit 24-karätigem Gold, Stutenmilchbutter, Biersud-Bad …» Er fragt: «Redest du vom Abendessen?» «Nein, von den Schönheitsbehandlungen.» «Gönn’ dir was», sagt Schneider freundlich, «dafür sind wir hier.» «Du dir aber auch! Die sind auf Männer spezialisiert. Hör mal: ‹Knackiges Beauty-Programm für die Herren der Schöpfung›.» «Du machst Witze!», blafft Schneider. «Stimmt, das mit ‹Herren der Schöpfung› ist ein Witz.

«

Ich finde, er sollte sich auch etwas gönnen.»

Aber wie wärs vielleicht mit ‹Espresso – das Einsteigerangebot für ihn›? Probiers doch mal aus!» Er runzelt die Stirn: «Wozu?» «Tut gut, entspannt und zum Schluss gibts einen Espresso.» «Espresso kann ich auch günstiger haben.» Wie der sich ziert! Ich blicke ihn gründlich an: «Weisst du, deine Haut ist irgendwie so fahl, so schattig, so undurchblutet. Ich finde, du solltest dich aufhübschen.» Schneider greift sich an die Wange und ich greife zum Hörer. In zwanzig Minuten ist er dran!

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Schneider: Schreiber hat mich überrumpelt und nun sitze ich im Bademantel auf einem Zahnarztstuhl, eine weiss bekittelte Dame deckt mich mit einem heissen Frotteetuch zu. «Musik?», fragt sie lächelnd. Ich nicke. Panflötentöne wabern durch den Raum.

«

Sie hat mich überrumpelt. Aber ich habs überlebt.»

Wenn ich das gewusst hätte! Ich schwitze mächtig unter der Decke. Hätte ich mich ausziehen sollen? Schon bläst mir heisser Dampf ins Gesicht, die Kosmetikerin nähert sich mit einer Giganto-Lupe, seufzt und quetscht mit ihren Fingerspitzen meine Nase. Tut sauweh, aber als sie fragt, obs geht, sage ich: «Klar!» Ich Idiot, denke ich und presse meine schweissnassen Hände zusammen, um den Schmerz abzuleiten.

«Mein Leben als Paar» – die besten Kolumnen der letzten drei Jahre als Buch. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 06.06.2017, 10:00 Uhr

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