Schreiber vs. Schneider: Du?

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Schreiber: Wir liegen im Bett, es ist schon spät. Normalerweise schlafe ich schnell ein. Aber heute ist irgendwie zu viel Unruhe in mir. Ich überlege, mich unten auf die Gästecouch zu legen, als Schneider auf einmal neben mir leise fragt: «Du?»

Schläft der noch gar nicht? Er hat doch ganz ruhig geatmet. Ich kenne dieses «Du». Ein «Du» mit Erwartung. Passt mir jetzt aber gar nicht, denn morgen muss ich früh raus und eigentlich würde ich gerne meine Ruhe haben. Ich sage mal nichts und atme ganz leise weiter.

Er sagt noch einmal: «Du?» Also dann halt: «Ja? Was ist?» «Ah, du schläfst auch noch nicht, das ist gut.»

«

… und dann erzählt er von seiner Mutter.»

«Nein. Aber falls du meinst …» «Ich wollte dich etwas fragen.» Ich überlege mir, wie ich ihm freundlich einen Korb geben könnte, als er fortfährt: «Wenn du an deinen Vater denkst …»

An meinen Vater? Er ist vor vielen Jahren gestorben. «Hast du da sofort sein Bild vor den Augen oder verblasst es langsam?»

Mit dieser Frage habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich denke an meinen Vater, an Morfar. «Weisst du, er ist mir nah, auch wenn er fern ist. Ich sehe ihn beim Zeitunglesen, manchmal rede ich mit ihm.»
Und dann erzählt Schneider leise von seiner Mutter, die vor eineinhalb Jahren gestorben ist.

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Schneider: Jeden Abend vor dem Einschlafen denke ich an meine Mutter, die leider nicht mehr da ist. Wenn ich das tue, dann ist es, als stünde sie lebendig vor mir: Ich höre ihre Stimme, ihr Lachen, ich kann sie riechen, ich sehe ihre Hände. Das ist schön. Doch ich frage mich, wie lange es möglich ist, sich so gut an die Toten zu erinnern. Schreibers Vater ist schon vor einigen Jahren gestorben.

Darum will ich es von ihr wissen: «Du?», flüstere ich vorsichtig zur anderen Bettseite hinüber. Sie ist wach und wir führen ein langes Gespräch über unsere Elternteile im Himmel.

«

Ich höre ihre Stimme, ihr Lachen …»

Besonders schön ist, dass sie meine Mutter sehr gut mochte und ich ihren Vater ebenso, und es steigt ein wunderbares Gefühl des Glücks und der Erfüllung in mir hoch. Die Freude am Leben flutet mich bis in den hintersten Winkel und ich spüre tiefe Dankbarkeit, dass wir noch da sind und fühle keine Angst vor dem Tod, denn wir reisen doch alle irgendwann an den selben Ort, wo immer das auch sein mag, vielleicht ins Nichts, vielleicht ins Nirwana, in ein Paradies, egal, mir scheint, wir sollten nicht zögern und das Paradies gleich auf die Erde holen, also frage ich, diesmal mit Timbre in der Stimme: «Du?»

Schreiber vs. Schneider live auf der Bühne: Hier finden Sie die Daten.

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 14.05.2018, 09:00 Uhr

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