Upcycling

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Schreiber: Ich kenne meinen Schneider nicht mehr: Macht sich selber einen Termin in einem angesagten Brillenladen, geht hin, noch dazu ohne mich, und kehrt mit einem Aktenkoffer zurück.

«Bitte ganz objektiv urteilen», sagt er zu mir und unseren beiden Töchtern und verschwindet im Arbeitszimmer, um kurz darauf mit einer riesigen Brille in die Küche zurückzukehren. Er sieht aus wie eine Libelle.

«Japanisches Design», erklärt er, «trägt man jetzt in Tokio.» Als Nächstes taucht er mit einer sehr breitrandigen Brille auf: «Holländische Avantgarde, aus alten Vinylplatten gepresst. Upcycling sozusagen.»

«

Meint er das wirklich ernst?»

Meine Töchter verkneifen sich das Lachen. Ich frage mich, ob Schneider das ernst meint? Als er beim dritten Mal mit einem randlosen Achteck in Orange auftaucht und einen griechischen Künstler als Urheber nennt, prusten wir los. Ich mache mir Sorgen: Habe nichts dagegen, dass er aufs Alter hin eitler wird. Aber dass er Elton John kopiert und sich ausrangierte Schallplatten vor die Augen schnallt, ist irgendwie krampfhaft jung.

Dennoch sehe ich dank Schneiders schriller Auswahl eines glasklar: Beim nächsten Besuch im Brillengeschäft darf ich ihn keinesfalls aus den Augen lassen.

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Schneider: Meine Sicht auf die Welt ist prekär. Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz. Da hilft nur eine stärkere Brille, die meine fortschreitende Altersweitsichtigkeit kontert und meinen Blick aufs Neue schärft.
Schreiber, die schon ihr ganzes Leben Brillen trägt, gibt mir Ratschläge zu Gläsern und erklärt, wo es am schnellsten die günstigsten Gestelle gibt.

«

Da hilft nur noch eine stärkere Brille.»

«Günstig ist in diesem Fall vielleicht nicht richtig», antworte ich. Denn ich brauche eine Brille, die mehr aus mir macht. Ich werde nicht jünger und muss mich von der einstigen Selbstverständlichkeit einer muskulösen,
frischen, dynamischen Erscheinung verabschieden. Genau gesagt habe ich das schon vor längerer Zeit getan. Was ich dagegen tun könnte? Unlustiges: im Fitnesscenter hart trainieren, mich leichter ernähren und keinen Alkohol trinken. Verlockender ist die bequeme Wiederaufwertung durch, zum Beispiel, eine extravagante, teure Brille auf der Nase, sozusagen als Ablenkungsmanöver zum ganzen Rest.

«Lass mich machen», sage ich zu Schreiber, die mir munter weitere Anbieter vorschlägt, und erhöhe in Gedanken mein Brillenbudget um den Preis eines Zweijahres-Abos im Fitness-Center, das ich mir damit erspare. 

Schreiber vs. Schneider live auf der Bühne: Hier finden Sie die Daten.

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 30.04.2018, 04:00 Uhr

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