Seelenbalsam

Sie schwört darauf – er bleibt lieber enthaltsam.

Sybil Schreiber: Es tut gut. Es hilft, befreit und entlastet. Und es entspannt. Das weiss Schneider. Trotzdem hat er keine Lust darauf. Dabei würden ihm diese Begegnungen mindestens so viel bringen wie mir. Doch er sieht bei sich keinen Bedarf: «Ist schon in Ordnung, wenn du das machst, ich bin nicht der Typ dafür. Ganz abgesehen davon, habe ich keine Probleme.» Typisch Schneider – vielleicht sogar typisch Mann? «Ich mache das nicht, weil ich Probleme habe, sondern weil ich mit Herausforderungen besser umgehen will. So wie ich auch zur Fusspflege gehe, bevor ich vor lauter Rissen und Hornhaut nicht mehr gehen kann.» «Du gehst zur Fusspflege?» «Nicht so oft wie zu meiner Seelenfrau.»

«

Es tut gut, befreit. Es entspannt.»

So nenne ich sie. Auch wenn Psychologin eigentlich die korrekte Bezeichnung wäre, Seelenfrau gefällt mir besser. Denn mit ihr rede ich über das, was mein Inneres beschäftigt.

«Sie stellt die richtigen Fragen. Dank ihr finde ich die Antworten selbst. Das ist toll», versuche ich Schneider zu begeistern. «Ich wünsche dir auch einen Verbündeten, mit dem du über alles reden kannst, der dir zuhört, ohne zu werten oder zu urteilen.» Er blickt mich an, dann sagt er: «Hab ich doch.»«Ach ja, wen denn?» «Na, unseren Hund.»


Steven Schneider: Schreiber versteht nicht, dass ich keine Therapie brauche: «Ich lege mich nicht vor jemand auf eine Couch...» –«Ich liege auf keiner Couch, wir sitzen uns gegenüber, ganz normal», wirft Schreiber ein. – «Und wenn schon. Ich löse meinen Knöpfe anders», erkläre ich. Sie blickt fragend. «Ja, indem ich gehe. Einfach gehe und denke. Das tut meiner Seele gut. Darum sind die Spaziergänge mit Lilla heilsam.»

Sie lächelt: «Ein erster Schritt. Aber es geht doch darum, alte Muster zu durchbrechen.» Muster? Ein typisches Psycho-Wort, bei dem ich heftige Fluchtgedanken bekomme.

«

Muster? Ein typisches Psycho-Wort.»

Ich muss die Richtung ändern, bevor sie mir womöglich eine Psycho-Schnupperstunde schenkt. Damit hat nämlich Schreibers Mutter mal Schreibers Vater überrascht. Also rasch das Muster durchbrechen und Einsicht zeigen: «Mir ist klar, dass ich Fehler habe. Ich kann schnell einschnappen. Aber deshalb muss ich doch mit niemandem reden, der studiert hat und in einem Raum arbeitet, in dem Duftkerzen brennen und Eso-Musik läuft.» – «Da läuft keine Musik, so ein Quatsch», ereifert sich Schreiber, «willst du denn keinen Zugang zu deinem Unbewussten?» Zum Unbewussten? Wozu denn das? Ich bin doch ganz bewusst glücklich.

 (Coopzeitung Nr. 17/2014)

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 21.04.2014, 18:45 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Annette Lefevre antwortet vor zwei Tagen
Sextest
Liebe Schreiber und Schneider, ... 
Oli Skyler antwortet vor zwei Tagen
Fan und forsch
Habe Ihre Kolummne heute in de ... 
Veronica antwortet vor 2 Wochen
Die Velotortour
Besser Butterschnitte statt da ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?