Sein Pilotprojekt

Bevor er losknattert, krittelt sie herum.

Steven Schneider: Im vergangenen Frühsommer wurde mir die Ehre zuteil, Firmgötti eines meiner Neffen zu werden. Vor der Firmung fragte ich meinen Bruder, was ich denn schenken solle. Die Jungen von heute hätten doch schon alles.

«

«Mit Dir fänd ich das supercool» – schrieb er mir.»

Er sprach mit seinem Sohn und bald schon erhielt ich eine Mail von meinem Firmling: «Mein grösster Wunsch ist, mit dem Töffli ins Tessin zu fahren. Ich habe schon zwei Kollegen gefragt, aber der eine will nicht und der andere kann nicht. Mit Dir fände ich das supercool!!!» Spontan schrieb ich zurück: «Ich bin begeistert – aber ich brauche ein Pfupferli.» Tja. 

Und nun stehe ich samt geborgtem Helm, Nierengurt und Occasions-Töffli mit meinem Neffen vor Schreiber. Sie will ein Abschiedsfoto machen. Mir ist das peinlich, denn ich sehe komplett bescheuert aus. Ich habe mir zu spät überlegt, wie ich aussehen will für eine Fahrt auf dem Schnäpper, wie wir früher die Töfflis genannt haben.

Meine lange Wanderhose und das luftige gelbe Hemd interessieren Schreiber aber nicht. Dafür blickt sie erneut sehr besorgt hinter der Kamera hervor – hat sie feuchte Augen? – und bittet zum 183. Mal: «Wenn du willst, fahre ich euch hinterher, als euer Begleitfahrzeug.»

Sybil Schreiber: Wieso kann Schneider seinem Firmling nicht einfach eine Uhr schenken? Oder ein Goldvreneli? Das wären Dinge fürs Leben und zudem völlig ungefährlich. 

«

Mein Gott, was da alles passieren kann.»

Aber nein, Schneider macht einen auf jung. Mit dem Mofa übern Gotthard! Dabei sass er seit Jahrzehnten auf keinem Zweirad mit Motor. Im Gegensatz zu ihm weiss ich aber, was alles passieren kann: Die Bremsen versagen bei der Talfahrt. Reisebusse rammen einen rücksichtslos. Das Benzin geht aus – ist ja winzig, dieser Tank. Und überhaupt, was brauchen so Dinger? «Kriegt man unterwegs Mofa-Benzin? Hast du das abgeklärt?», will ich wissen.

«Keine Ahnung», grummelts unterm Helm hervor.

Dachte ich mir schon. Und dann die Brandgefahr von oben: Ich habe mir als Teenie bei einer Mofatour derart die Handrücken verbrannt, dass ich während der Fahrt die Blasen platzen sah!

Oder das Gepäck: Schneider hat seinen Rucksack schräg auf den Gepäckträger gezurrt. Ich sichere das Teil mit dem Spanngummi noch einmal neu und wiederhole meinen Appell: «Denk daran: Du bist der Vernünftige, du bist der Mann!»

Schneider schnaubt: «Genau! Darum hör’ endlich auf, mich wie ein Kind zu behandeln.»

Mann, wo ist da der Unterschied?


(Coopzeitung Nr. 36/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 03.09.2013, 00:00 Uhr

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