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Wurzeln in Wohlen: Hier spielte Seven früher Basketball.


Seven: «Ich bin gelassener geworden»

Spielkind Die Leidenschaft für Funk und Soul brachte ihm den Erfolg. Und seinem Stil bleibt er treu, auch wenn er jetzt öfter einmal Lego spielt.

Ein Junge, der für Michael Jackson, Stevie Wonder und Prince schwärmt, war in den 1990er- Jahren nichts Ungewöhnliches. Dass seine Leidenschaft für «schwarze» Musik den eher bleichgesichtigen Jan Dettwyler aus der Freiämter Gemeinde Wohlen aber in renommierte US-Musikstudios und mehrfach unter die Top Ten der Schweizer Hitparade geführt hat, ist durchaus ungewöhnlich. Mit dem neuen Album «BackFunkLoveSoul» bekennt sich Seven (36) zu seinen Wurzeln.

Was hat Basketball mit Ihrer Musik zu tun?
Ich bin leidenschaftlicher Turnschuh-Sammler – sie stehen für Urbanität und für meine Musik. Ich besitze über 300 Paar! Style ist wichtig, es darf aber auch gebraucht sein – wie Funk und Soul. Mir gefällt es jedoch nicht, wenn jemand in einen Laden geht und sich in eine Szene einzukaufen versucht. Ich sehe sofort, ob einer Turnschuhe aus Überzeugung trägt oder nur, weil es gerade «in» ist, denn ich habe hier in meiner Jugend stundenlang Basketball gespielt!

2005 gab es ein Foto, auf dem Sie einen Massanzug vom Schneider abholten …
Basketball steht mir als Mensch näher als der Anzug. In der Jugend gab es für mich nichts anderes als breite Hosen und Sweatshirt oder Basketball-Tenue. Ich sagte Einladungen an Hochzeiten ab, weil ich keinen Anzug tragen wollte und auch keinen hatte. Aber dann trittst du mal «unplugged» auf, spielst bei einem Jubiläum und willst die Leute mit deiner Band in Schale überraschen. Auf diese Weise habe ich mich immer wieder aus meiner Komfortzone herausgewagt und die Grenzen ausgelotet, um dem Publikum neue Facetten von mir zu zeigen. Diesmal ging ich jedoch kompromisslos back to the roots, zu meiner Kernkompetenz Funk und Soul.

Welche Rolle spielt dabei, dass diese Musik international wieder im Kommen ist?
Natürlich kam es mir nicht ungelegen, dass Mark Ronson und Bruno Mars den Hit «Uptown Funk» landeten, als ich meinen Titelsong «BackFunkLoveSoul» auf Vinyl veröffentlichte. Als ich ihn schrieb, war das jedoch total egoistisch, weil ich dachte, dass er so klingen müsste. Meine einzige Intention war, die Musik, die mein «Kopforchester» gerade spielte, möglichst genau auf Band aufzunehmen.

«Dieses Skateboard aus meiner Jugend bekommt immer wieder neue Tags, die zu den aktuellen CDs passen.»

«Dieses Skateboard aus meiner Jugend bekommt immer wieder neue Tags, die zu den aktuellen CDs passen.»
«Dieses Skateboard aus meiner Jugend bekommt immer wieder neue Tags, die zu den aktuellen CDs passen.»

Wie entsteht bei Ihnen ein Album?
Ich setze mich nicht hin und sage «Lasst uns ein Back-to-the-Roots-Album machen». Es beginnt damit, dass man eine Idee hat, die sich im Studio weiter entwickelt und aus der sich dann langsam ein Gesamtbild abzeichnet. Ich glaube nicht an Konzepte, sondern arbeite aus einem natürlichen Bedürfnis, ja fast schon aus einem Zwang heraus. Das erste Lied wird oft zum Titelsong, weil es der Türöffner zu einer neuen Welt ist. «BackFunkLoveSoul» soll als Aufkleber auf dem Cover die offene und ehrliche Ansage vermitteln: Der Titel ist Programm. Wer keinen Funk und Soul mag, muss sich das gar nicht anhören!

Ein radikaler Ansatz ...
Für mich gab es nur «loud and proud» oder gar nicht. Wenn ich eine Gitarre wichtig fand, machte ich sie scheisslaut, wenn nicht, liess ich sie weg. Meinen Gesang haben wir anders als in der heutigen Popmusik nicht nach vorne gemischt, sondern in der gleichen Lautstärke wie Gitarre oder Keyboard, weil ich meine Stimme nicht über die Leadinstrumente stellen wollte.

Wie haben Sie von der Bewunderung und Kopie der musikalischen Vorbilder zu Ihrem eigenen Stil gefunden?
Darüber habe ich mir nie gross Gedanken gemacht. Ich bin jemand, der Musik wie ein Schwamm aufsaugt und in dem Moment, in dem er sie wieder abgibt – sprich: Lieder schreibt – nicht überlegt, woher die Inspiration stammt. Ich denke, wer sich auskennt, hört dem Album an, wer meine Götter sind, und ich habe deswegen kein schlechtes Gewissen.

Der Titelsong und «NO» erinnern an Prince, «Can’t Run From Destiny» an Michael Jackson. Wie viel bedeuten Ihnen diese Grössen?
Beide haben mich von Anfang an fasziniert, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten und aus ganz anderen Stilrichtungen kommen. Prince vom Blues und Rock und Michael Jackson vom Gospel – und beide haben ihre Musik mit Funk und Soul angereichert und sind selbst zur Marke geworden.

«Meine Lieblingskopfhörer begleiten mich überall hin.»

«Meine Lieblingskopfhörer begleiten mich überall hin.»
«Meine Lieblingskopfhörer begleiten mich überall hin.»

Sie arbeiten seit 2014 mit dem Management der Fantastischen Vier zusammen. Wie kam es dazu?
Ich kenne Smudo schon seit einigen Jahren. Auf der letzten Tournee haben wir uns nach einem Auftritt am gleichen Festival erstmals backstage länger austauschen können und festgestellt, dass wir weitgehend kongruente Vinyl- und CD-Sammlungen besitzen. Als ich später von jemand anders einen Managementvertrag angeboten bekam, bat ich Andreas «Bär» Läsker, der sie seit 25 Jahren managt, telefonisch um Rat. Zehn Stunden danach sass ich in Stuttgart und schloss mit ihm einen Vertrag für Deutschland ab – in der Schweiz läuft weiter alles über meine eigene Agentur.

Was erhoffen Sie sich davon?
Da ich mir bewusst bin, dass ich kein Mainstream-Popact bin, den man über Nacht bekannt machen kann, habe ich jemanden gesucht, der Liebhaber meiner Musik ist und mich auch in meiner Nische positionieren will. Mit Andreas bin ich mir einig, dass es gilt, Schritt für Schritt Fuss zu fassen, über Konzerte, Radios, die meinen Stil pflegen, und natürlich «Back Funk Love Soul», das auch in Deutschland veröffentlicht [und über Sony Music vertrieben] wird.

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Das alles Entscheidende ist, dass es meiner Frau und meinem Sohn gut geht.»

Was hat sich bei Ihnen verändert, seit Sie vor fünf Jahren Vater geworden sind?
Ich bin ruhiger und gelassener geworden. Und ich teile ganz und gar nicht die oft geäusserte Ansicht, dass man mehr riskieren und ausprobieren konnte, als man noch jung war. Im Gegenteil: Ich bin sehr zufrieden, habe in Luzern ein wunderschönes Zuhause und eine Familie, die mich liebt und braucht, wie ich bin. Was soll ich da für einen Druck spüren – zumal ich nun schon seit zehn Jahren von der Musik leben kann, die mir mein «Kopforchester» diktiert?

Tut es Ihnen gut, dass sich das Leben nicht mehr nur um die Musik dreht?
Wenn du nach Hause kommst und dein Sohn ruft «Papa, Lego!», ist es völlig egal, ob du gerade eben noch vor 2000 Leuten aufgetreten bist. Denn nun erwartet er von dir, dass du mit ihm spielst, und das mit voller Konzentration. Das tut mir gut, da es mir sonst eher schwer fällt, richtig abzuschalten: Kaum bin ich mit einem Projekt fertig, habe ich schon wieder die nächste Idee. Nachdem lange Zeit die Musik eindeutig Priorität hatte in meinem Leben, bin ich jetzt froh, dass es jemanden gibt, der über allem steht.

Der Titel «Hotel Room» auf der neuen CD ist offenbar aus diesen Gedanken heraus entstanden?
Ja, diese Ballade ist absolut authentisch. Ich habe sie geschrieben, als ich für einen TV-Termin und zwei Konzerte in Deutschland drei Tage im selben Hotel war und darüber nachdachte, was ich eigentlich hier mache. Und weshalb es das alles Entscheidende ist, dass es meiner Frau und meinem Sohn gut geht. In dem mobilen Mini-Studio, das ich immer dabei habe, habe ich dann sogar schon erste Demos aufgenommen. Aber erst daheim kamen mit dem Gitarrensolo und den Streichern am Schluss die typischen Merkmale meiner geliebten Oldschool-Balladen hinzu!

Vier Daten im Leben von Seven

1978 Am 18. Oktober kommt er in Wohlen AG zur Welt.
2002 Erstes Album und Auftritt als Vorgruppe für «Destiny's Child».
2009 Seine CD «Like A Rocket» klettert in der CH-Hitparade auf Platz 2.
2010 Zusammen mit seiner Ehefrau Zahra Abdalla hat er einen Sohn.

Seven - «BackFunkLoveSoul»

Aktuelle Konzerte und weitere Infos auf der Website von Seven »

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Raja Läubli, zVg
Veröffentlicht:
Montag 13.04.2015, 17:58 Uhr

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