Sie im Männerhaus

Sie: Licht ist wichtig. Auch am Auto. Und bei uns brennt seit Kurzem nur eines. Das muss gleich in Ordnung gebracht werden. Ich rufe unsere Werkstatt an, klar, kein Problem, einfach vorbeikommen, meint der Herr am Telefon freundlich. Schneider und ich müssen sowieso in die Richtung fahren, also legen wir in Koblenz einen Stopp ein. Ich kenn mich aus, gehe hinein in die grosse Halle. Der Werkstattleiter begrüsst mich herzlich wie immer. Schneider steht hinter mir, als ich grad erkläre, welcher Scheinwerfer kaputt sei. Da macht er sich auf einmal breit und sagt laut: «Ich fahr dann mal den Bus rein.»

«

Ist wohl nicht so seine Welt hier.»

Während ich warte, ziehe ich den Duft dieser Mischung aus Benzin, Autolack, Metall und Öl durch die Nase. Keine Ahnung warum, aber ich mag das einfach: Alle werkeln konzentriert, irgendwo läuft ein Radio; das hat was, finde ich, Autos reparieren beeindruckt mich. Schneider kann das ja überhaupt nicht. Nun bietet mir der Chef einen Kaffee an und ich muss sagen: Ich fühl mich wohl, wie immer, war schon ein paar Mal hier. Schneider taucht wieder auf, ich rufe ihn. Er bekommt ebenfalls ein Käffchen und rührt ganz schweigsam in seiner Tasse. Ist wohl nicht so seine Welt hier.

Er: Ich fahre selten in die Werkstatt, mache ja keine Schäden, Schreiber schon. Diesmal aber ist es der Schweinwerfer. Auf dem Weg nach Basel halten wir, um die Glühbirne auszutauschen. Souverän manövriere ich unseren VW-Bus auf den Platz. Noch bevor ich den Motor ausmache, marschiert Schreiber schon auf den Werkstatteingang zu. He! Das ist Männerland! Ich hechte hinterher. Zu spät, sie stolziert in die Halle, schmettert fröhlich «Guten Morgen», alle Mechaniker blicken auf. Auch ich grüsse, möglichst lässig, aber irgendwie hört das keiner. Da kommt der Werkstattchef, reicht Schreiber die Hand, strahlt.

«

Ich mach ja keine Schäden. Schreiber schon.»

He! Ich bin hier der Mann! Endlich! Er guckt zu mir. «Ach, Sie sind wohl der Herr Schneider.» Ich beeile mich klarzumachen, dass ich nicht nur der Herr Schneider bin, sondern in Sachen Auto der richtige Ansprechpartner und sage: «Ich fahr mal den Bus rein.» Der Chef: «Gut, dann kann ich mir das ja mit Ihrer Frau kurz ansehen.» Als hätte ich gar nie existiert: «Also welcher Scheinwerfer ist kaputt?», fragt er. Ich überlege mir, ob wir die Werkstatt wechseln. Denn: Wo bleibt hier die Männersolidarität?

 (Coopzeitung Nr. 11/2015) 

Müssen Männerwelten Männerwelten bleiben? 


Muss es Orte geben, wo Mann noch Mann ist und unter sich ist? Oder ist das schlicht langweilig?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 09.03.2015, 12:08 Uhr

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